Aufnahme: 1969
150 Jahre Ittenbacher Schule - Hauptlehrerin Anneliese Köster lud zum Festakt mit "Offener Tür"
am 1. Advent, dem 30. November 1969
Das Foto oben zeigt Anneliese Köster bei ihrer Festansprache. Hinter ihr sitzen die Kinder ihrer Flötengruppe. Dieses Foto und mehrere Zeitungsartikel zu diesem Anlass und zur Ittenbacher Schulgeschichte befinden sich im Nachlass von Heiner Schilings, Sohn des früheren Lehrers Harry Schillings:
Schulgeld betrug einst siebeneinhalb Stüber
„Offene Tür" in Ittenbach - 150 Jahre Grundschule
„Hier wohnen viel Arbeit, viel Freude, viel Lärm. Nicht jeder mag's, wir haben's gern", stand als Motto über einer Feststunde, in der Ittenbachs Schüler, das Lehrerkollegium und jene Generationen, die einstmals als Abc-Schützen hier zum Ernst des Lebens antraten, das 150- jährige Jubiläum der Ittenbacher Grundschule feierten. Kaum ein Objekt demonstriert augenfällig den Wandel der Zeiten und die gesellschaftliche Entwicklung, wie ein altes Schulgebäude.
150 Jahre Schulgeschichte sind denn auch 150 Jahre Geschichte Ittenbachs, wie Hauptlehrerin Anneliese Köster in ihrer Festansprache betonte. Wer an diesem Tage durch das neue Schulgebäude schritt und hunderte von Bildern und Bastelarbeiten betrachtete, die Ittenbachs Schulklassen mit viel Liebe und Können in einer sehenswerten Ausstellung zeigten, kann sich nur schwer vorstellen, daß vor 150 Jahren zwar eine Privatschule bestand, wo ein „des Lesens und Schreibens kundiger Mann", wie der Chronist berichtet, Unterricht erteilte. Dies aber nur im Winter, denn Schulzwang bestand keiner und im Sommer hatten die Kinder für die Schule keine Zeit, da sie in der Landwirtschaft benötigt wurden.
Siebeneinhalb Stüber betrug damals die monatliche Unterrichtsgebühr. 1819 wurde die erste Gemeindeschule errichtet. Sie stand bis in die 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts nahe der Kirche und nach dem Abbruch dieses Hauses wurde ein Schulsaal mit Lehrerwohnung auf der südöstlichen Seite der Kirche gebaut. Staatliche Zuschüsse hatten Seltenheitswert. Der Chronist registrierte dankbar: „Der Staat hat zu dem Bau sowie dem Gehalt eines zweiten Lehrers und zur Beschaffung von Schulutensilien namhafte Beträge geleistet."
Wie Schulleiterin Anneliese Köster aus der Schulentwicklung schilderte, habe nachweislich der Lehrer und Küster Balkhausen vor dem Jahre 1773 den Kindern Lesen und Schreiben beigebracht. Später mußten sich die Lehrer mit einem Jahresgehalt von 177 Talern 18 Groschen und neun Pfennig zufrieden geben. Und noch heute erzählt man sich, daß sie finanziell nur über die Runden kamen, weil sie jeden Tag oder jede Woche bei einer anderen Familie am Mittagstisch zu Gast saßen.
Besonders prekär sei die Lage vor der Errichtung der jetziger alten Schule gewesen, mußten doch nicht weniger als 130 Kinder in einem Klassenraum untergebrach werden! Erst als die Landesregierung eingriff, wurde eine zweit Lehrerstelle genehmigt.
Eingehend würdigte Hauptlehrerin Anneliese Köster in der bis zum letzten Platz besetzten Turnhalle das Wirken ihrer Vorgänger. Insbesondere von Clemens Meng und Wilhelm Thomas, der bis zum Jahre 1924 unterrichtete und vielen Alt-Ittenbachern noch in bester Erinnerung ist. Unvergessen bleibt auch Harry Schillings, der von 1948 bis 1964 an der Schule wirkte.
Der mit dem Festtag verbundene „Tag der offenen Tür" gab der Elternschaft einen umfassenden Einblick in die Arbeit der Schule. Unter den Ehrengästen der Feierstunde weilten auch Pfarrer Heinrich Hambüchen, Ittenbachs Ratsmitglieder und frühere Lehrpersonen. Musikalische Darbietungen der Flötengruppe, Gedichte und Lieder des Schulchores unter Roswitha Iversen sowie zum Abschluß Grimms Märchenspiel vom „Rumpelstilzchen“ gaben der Feierstunde einen festlich-heiteren Akzent.
Schulmeisters Jahresgehalt 177 Thaler
Schichtunterricht gab es schon 1882
Damals 130 Kinder in einer Klasse der Ittebacher Schule – „Offene Tür“ zum 150jährigen
„Die Geschichte der Schule eines Ortes ist gleichzeitig ein Stück Kulturgeschichte", erklärte Hauptlehrerin Anneliese Köster während des Elternnachmittages in der Turnhalle aus Anlaß des 150-jährigen Bestehens der Ittenbacher Volksschule. Dankbar sah Anneliese Köster in der bis zum letzten Platz besetzten Turnhalle eine Bestätigung dafür, daß die Eltern mit den Leistungen in der Ittenbacher Schule zufrieden seien. Hauptattraktion der Jubiläumsfeier war die „Offene Tür", bei der die Bürger sämtliche Klassenräume besichtigen konnten. Hier waren Lehr- und Lernmittel, Schülerarbeiten sowie in einem separaten Raum ein Rückblick auf die Geschichte der Schule aufgebaut.
Selbst die alte Handschelle, mit der in früheren Zeiten die Pausen eingeleutet wurden, fehlte nicht in der Ausstellung. Fräulein Köster erzählte, daß schon weit früher vor 150 Jahren in Ittenbach Schulunterricht erteilt worden sei. Nachweislich habe der Küster und Lehrer Balkhausen vor 1773 den Kindern Lesen und Schreiben beigebracht.
Anneliese Köster berichtete von der chronischen Armut der Gemeinde. Ihr Lehrer habe sich mit einem Jahresgehalt von 177 Taler, 18 Groschen und neun Pfennig im vorigen Jahrhundert zufrieden geben müssen. Einen Schulhof habe man nicht gekannt. Die Kinder hätten auf der Straße und dem Kirch-Vorplatz ihre Pausen verbracht. Geld- und Gehaltsfragen tauchten immer wieder in den Schulakten auf. Prekär sei die Lage vor Errichtung der jetzigen alten Schule geworden. Der damalige Lehrer habe in einer Klasse 130 Kinder unterrichten müssen. Erst auf Verfügung der Landesregierung im Jahre 1882 wurde die zweite Lehrerstelle eingerichtet.
Auch Schichtunterricht habe man schon um diese Zeit gekannt. Fräulein Köster berichtete eingehend über die Nachkriegsverhältnisse der Ittenbacher Schule. Viele gute Vorschläge hätten seinerzeit zur Debatte gestanden, aber durch die Kurzsichtigkeit der damaligen Ratsmitglieder, die keine Schulden machen wollten, sei es später zur jetzigen Lösung gekommen. Einen breiten Raum in den Ausführungen der Hauptlehrerin nahm das Wirken des Lehrers Clemens Meng (1856 bis 1896) ein. 1886 sei ihm als zweiter Lehrer Wilhelm Thomas zugeteilt worden. 1896 avancierte dieser zum ersten Lehrer an der Schule, an der er bis 1924 unterrichtete. Besonders den Alt-Ittenbachern sei Thomas noch in bester Erinnerung.
Unvergessen ist auch Harry Schillings, der von 1948 bis 1964 an der Ittenbacher Schule unterrichtete. Lehrer Alois Bollig ist seit 1947 an der Schule tätig. Anneliese Köster kam 1952 an die Ittenbacher Schule. Sie wurde 1964 Hauptlehrerin. Viel Beifall gab es für die zahlreichen Darbietungen der einzelnen Klassen in der gut besetzten Turnhalle.
Die leider verblassten Fotos unten stammen aus dem Bericht im General-Anzeiger vom Dezember 1969:
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