Aufnahme: 1884
Kostenvoranschlag zum Schulhausbau mit einem Einblick in die damalige Baugeschichte
erschienen im Echo des Siebengebirges am 2. März 1884 für den damals geplanten Ittenbacher Schulneubau mit Erweiterung der Lehrerwohnung
Das gesamte Bauvorhaben geriet aber immer wieder ins Stocken, und es gab einige Überraschungen bis zur Fertigstellung im Herbst 1885, wie man der Ittenbacher Schulchronik (Teil 1, siehe Raum „Schriften“) entnehmen kann.
1865 beginnen die handschriftlichen Aufzeichnungen dieser Ittenbacher Schulchronik durch den damaligen Lehrer Clemens Meng, der seit dem 1. November 1856 Lehrer an der Ittenbacher Schule war. Er schreibt: "In früherer Zeit wurde der Unterricht von dem zeitigen Küster erteilt. Die Gemeinde besaß kein zu diesem Zwecke besonderes Schulgebäude: Die Wohnstube des Küsters war während den Wintermonaten Dezember, Januar und Februar zugleich der Lehrsaal, in welchem sich die Kinder der bemittelten und strebsamen Bewohner der Gemeinde versammelten, um im Lesen, Schreiben und Rechnen unterrichtet zu werden. Außer den angeführten Monaten wurde kein Unterricht erteilt."
Von 1788 bis 1813 hatte der Küster Peter Haacks den Ittenbacher Kindern Unterricht erteilt, und in dieser Zeit muss auch das erste öffentliche Schulgebäude von Seiten der Gemeinde bestanden haben. „Dasselbe muß jedoch ein altes Gebäude gewesen sein, denn 1813 war dasselbe schon so baulos, daß die Schule in ein Privatgebäude verlegt werden mußte. Der Eigenthümer, Johann Land, war dafür frei von allen Hand- und Spanndiensten. Weil die Gemeinde zu arm war, um die Kosten zum Neubau eines Schulhauses bestreiten zu können, erbot sich der hiesige Gutsbesitzer Joseph Michels, den Unterricht unentgeltlich zu ertheilen, unter der Bedingung, daß das um diese Zeit festgesetzte Normalgehalt von 60 Thlrn. (Talern) nebst dem Schulgeld von 3 Sgr. (Silbergroschen) pro Kind und Monat zum Neubau des Schulhauses verwendet werden sollte.“
Es dauerte dann aber noch einige Jahrzehnte, bis ein neues Schulhaus gebaut wurde. „Die Schülerzahl“, so hält Lehrer Meng fest, „betrug damals 140 Kinder. 1858 wurde die alte, für die vorhandene Schülerzahl viel zu klein gewordene Schule abgerissen und eine neue erbaut, zu welchem Zwecke der Gemeinde, auf ihr deshalbiges Ersuchen, ein Königl. Gnadengeschenk von 1800 Thlrn zu Theil wurde". Das war „der untere Teil des jetzigen Pilgerheimes St. Lukas; ein für damalige Verhältnisse geräumiger, wenn auch einstöckiger Bau. Die eine Hälfte als Schulsaal und die andere Hälfte wieder als Wohnung“, so steht es in einer weiteren Schulchronik „200 Jahre Schulverhältnisse in Ittenbach“ (siehe Raum „Schriften“).
Meng hält fest: "Als Schule wurde während der 1½ jährigen Bauzeit der Tanzsaal des Peter Kneiseler benutzt, welchen die Gemeinde für 15 Thlr gemietet hatte. 1859 den 2. November wurde die neuerbaute Schule durch den Pfarrer Herrn Lückerath feierlich eingeweiht.“
In diesem Jahr hatte Lehrer Meng geheiratet, aber er musste sich noch mehrere Jahrzehnte mit einer kleinen Wohnung zufrieden geben, obwohl schon 1863 der Landratsamts-Verweser von Brewer dem Bürgermeister Mirbach von Königswinter „die sofortige Herstellung der Treppe, die Dielung der Speicher und den Bau von einigen Mansardenzimmern“ angeordnet hatte, „indem er dem Herrn Bürgermeister erklärte, daß blos 2 Wohnräume nicht genug für einen verheirateten Lehrer sei“.
„Die Gemeinde ist gezwungen, eine neue Schulklasse zu bauen. Über die Baustelle kann die Gemeindevertretung nicht einig werden“, schreibt Meng im Mai 1884. Nach einigem Hin und Her gab es schließlich eine Verständigung, „daß die Schule oberhalb der jetzigen alten gebaut werden und sofort in Angriff genommen werden soll“. Aber wegen Baumängeln musste im Frühjahr 1885 „der Unternehmer Klöver das ganze Mauerwerk wieder abbrechen“. Am 13. September 1885 „wurde zum 1.ten male in der neuerbauten Schule unterrichtet. Dieselbe ist nicht vor dem Gebrauche, wie es doch üblich ist, eingeweiht worden, wohl aber ist dies mit der neuerbauten Pfarrwohnung geschehen.“ Und bitter beklagt Clemens Meng sich: „In einem Zeitraum von beinahe 26 Jahren hat die Gemeinde die 2te neue Schule gebaut. Ich habe während einer Zeit von 20 Jahren bei schlechtem Schulbesuche, hatte immer 140 Kinder unterrichtet, ohne je irgendwelche Vergütung dafür erhalten zu haben.“
Zum 28. Oktober 1885 kann er endlich mitteilen: „Heute habe ich meine neue Wohnung bezogen. Statt 2 Zimmer 1 Küche u. 2 Mansardenzimmer habe ich endlich 4 Zimmer 1 Küche und 2 Mansardenzimmer als Wohnung erhalten.“
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