Aufnahme: 2024

Ein Berg namens „Wasserfall

Gedanken beim Wandern durchs Siebengebirge

von Paul Winterscheidt 

Wenn ich in Begleitung meines treuen Hundes im geliebten Siebengebirge wandere, werde ich immer wieder als heimatkundlich bewanderter Eingeborener eingestuft und zur Auskunftsperson ausersehen. Nicht dass ich dem nicht gerne nachkomme, aber manchmal komme auch ich ins Strudeln und weiß keine Antwort auf gestellte Fragen. Dass in unserem Siebengebirge viele Namen und Begriffe „verballhornt“ oder von irgendeiner Tatsache abgeleitet sind, ist ja inzwischen allgemein bekannt. So gab es auf der Löwenburg kein Löwengehege (von Lievenburger), auf dem Oelberg gibt es keine Petroleumquelle und auch keine Olivenölplantage (früher Auelberg), auf dem Nonnenstromberg kein Nonnenkloster (onnere Stromberg), und auf dem Stenzelberg hatte nicht eine Gruppe von Stenzen ihr Hauptquartier (urspr. Steintelberg). Aber warum heißt der „Wasserfall“ so und nicht anders? 

Immer wieder treffe ich ratlose Wanderer auf der Suche nach einem Wasserfall, einem kleinen Bach, - und sei es ein noch so kleines Rinnsal -, wenn sie den namensgleichen Berg mit seinem lauschigen schmalen Wanderweg begehen und vielleicht bewusst oder gedankenverloren am Gedenkkreuz für Johann Hammelrath innehalten. 

Nichts, nirgends findet sich ein Hinweis auf diesen ominösen Wasserfall, und dann wird selbst das sonst „plappernde“ Google angerufen – aber auch dort „Schweigen im Walde“. Und so habe ich mir Gedanken darüber gemacht, woher dieser wunderschön bewaldete, einsame, aber doch mit einem schönen Wanderweg „gesegnete“ Berg seinen Namen hat. 

Wenn ich nun vom hohen Oelberg in die Landschaft schaue, fällt mir zu einem ein Talkessel auf, der von der Löwenberg, dem Oelberg, besagtem „Wasserfall“ und der Rosenau bis zum Nonnenstromberg einerseits und andererseits von den Breibergen, von Jungfernhardt, Geißberg, Schallenberg bis Wolkenburg umrahmt ist. Auf der anderen Seite des Gebirges ein ähnliches Erscheinungsbild, nämlich der Oberpleiser Talkessel, wobei ich hier bewusst die Orte Thomasberg, Stieldorf und Heisterbacherrot mit einbeziehe, der sich abgeschottet nach Süden durch Löwenburg, Lohrberg, Oelberg, Wasserfall und Stenzelberg darstellt.

Und damit kommen wir der Lösung unserer Frage nach der Namensgebung ein Stück näher. Wasser fließt bekanntlich bergab, und so fließt der südlich der genannten Gebirgskette anfallende Regen dem Rhein zu, während der nördliche die Oberpleiser Tiefebene bewässert. Da alle sonstigen Berge des Siebengebirges einen schönen Namen erhalten haben, blieb für den „Wasserfall“ nur dieser eigentümliche, im Wortsinn eigentlich „unpassende“ Namen übrig, abgeleitet vom Wortstamm „fallen“, „Gefälle“, denn er trennt die südlichen Regenfälle, die von der Eifel kommend auch gerne als gefangene Gewitter im Talkessel verharren und größere Mengen ablassen, vom nördlichen Talkessel. Nördlicherseits, also von der „Rückseite“ gesehen, ist der „Wasserfall“ daher ebenfalls Teil einer Gebirgskette, von der sich die Wässer nordwärts in den Oberpleiser Talkessel ergießen und die unter anderem im „Mattepütz“ im Lauterbachtal bei Heisterbacherrott als ergiebigste Trinkwasserquelle des Wasserbeschaffungsverbandes Thomasberg genutzt werden. 

Ist also der Name „Wasserfall“ wiederum nur eine „Verballhornung“ des Begriffs „Gefälle“?

Zur Namensherkunft von "Aulberg" bzw. "Auelberg" siehe die Auslegung von Prof. Dr. Werner Heinen im Virtuellen Museum Oberleis im Link unten

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