Die wechselvolle Geschichte des frisch restaurierten Schlosses Drachenburg

Aufnahme: 2010

Die wechselvolle Geschichte des frisch restaurierten Schlosses Drachenburg

nach der Wiedereröffnung 2010
In der Vorburg befindet sich das Museum zur Geschichte des Naturschutzes in Deutschland.
Weitere Infos sind unten verlinkt

Im Naturpark-Echo des VVS vom Juli 2011 (11. Jg./Nr.2, S. 13) ist nachzulesen:
"Zwischen 1881 und 1884 hat Baron Stephan von Sarter das wegen seiner Formenvielfalt und malerischen Ausschmückung von Beginn an gepriesene neugotische Schloss Drachenburg erbaut. Den erforderlichen Reichtum dazu hatte der 1833 in Bonn geborene von Sarter als Bankier durch seine Finanzierungsvermittlung beim Bau des Suezkanals erlangt, zu dessen Eröffnungsfeier 1869 er nach Ägypten eingeladen war.
1897 bot Sarter dem 1869 in Bonn gegründeten Verschönerungsverein für das Siebengebirge-VVS seinen gesamten Grundbesitz im Siebengebirge und das Schloss Drachenburg offiziell zum Kauf an. Neben dem Schloss mit Parkgelände waren dies der Burghof sowie die Höfe Pottscheid und Elsigenfeld (Milchhäuschen). Nach Sarters Vorschlag sollte der VVS für Schloss und Parkgelände 2 Millionen Mark zahlen. Für die genannten Hofflächen von weiteren 515 Morgen (= 130 ha) setzte Sarter noch einmal rund 1.1 Millionen Mark an und unterbreitete dem VVS den Vorschlag, auf diesen Flächen 300 Villen mit jeweils einer Grundstücksgröße von 100 x 50 m errichten zu lassen, um damit den Kaufpreis für das Schloss zu erwirtschaften.
Nach Prüfung des Sarterschen Angebots teilte der damalige Vorsitzende des VVS, der Bonner Oberbürgermeister Spiritus, Baron von Sarter mit, dass die finanziellen Verhältnisse des VVS und die in der Satzung des Vereins festgelegten Ziele es nicht erlaubten, "der Kaufofferte vor allem des Schlosses näherzutreten". Doch hätte der Vorstand starkes Interesse, eine größere Zahl einzelner Grundstücke zu erwerben.
Im Jahre 1900 einigten sich Sarter und der VVS vertraglich auf den Kauf einer Reihe bewaldeter Grundstücke mit einer Gesamtfläche von rd 26 ha ... durch den VVS, der dafür einen Kaufpreis von 109.761 Mark zahlte. (Grundlage: W. Biesig, Das Schloss Drachenburg und der Burghof im Wandel der Zeit, Verlag Lempertz, Königswiner 1997)"

In "Die NRW-Stiftung Ausgabe 1/2010" (Text von Sabine Rommerskirchen, S. 27ff.) ist über die weitere Entwicklung zu erfahren:
"Nach Sarters Tod folgte in oftmals kurzen Abständen eine Reihe von Eigentümern und Nutzern, die das Schloss aus finanziellen oder anderen Zwängen wieder aufgeben mussten. Die Reihe beginnt mit Sarters Neffen, Dr. Jacob Biesenbach, der das Anwesen 1903 bis 1910 besaß. Biesenbach ließ im Schlosspark 13 nordische Blockhäuser mit Namen wie Tristan, Isolde und Wotan für Feriengäste erbauen. Er machte Schloss Drachenburg auch erstmals öffentlich zugänglich, für 50 Pfennig konnte jeder hinein. Rittmeister Egbert von Simon - Besitzer zwischen 1910 und 1915 - sah in seinen Plänen die Drachenburg als Zentrum eines Vergnügungsparks. Mit Festspielhalle, Nibelungentheater und mit einer Luftschiffhalle, in der er ein Luftschiff für Vergnügungsfahrten über das Siebengebirge bereithalten wollte."
Zu all dem kam es nicht. Stattdessen erwarb der Kölner Fabrikant Hermann Flohr das Schloss in 2 Etappen, 1921 und 1923, der den Vaterländischen Frauenverein hier ein Frauen-Genesungsheim einrichten ließ, bis ihn die Wirtschaftskrise ereilte und er 1929 das Schloss "als ideales Domizil für ein Internat" inserierte. "Die `Brüder der christlichen Schule´ aus Wadersloh in Westfalen kauften gutgläubig das mit Steuerschulden belastete Anwesen. Sie ließen fast die gesamte bewegliche Inneneinrichtung versteigern" und "verwandelten die Kunsthalle von Schloss Drachenburg in eine Kapelle und das Kneipzimmer in die Sakristei.
Nach der Machtergreifung 1933 schmiedeten die Nationalsozialisten Pläne, in Königswinter ein großes Landerholungsheim aufzubauen, mit ca. 6.000 Betten und 2.000 An- und Abreisen täglich." Die Schulbrüder mussten weichen. Die Deutsche Arbeitsfront (DAF) wurde neue Eigentümerin und widmete Schloss Drachenburg in eine Adolf Hitler-Schule um. Beim Umbau musste der kleine Vorbau vor dem Haupteingang einer breiten Freitreppe weichen, auf der die Schüler zum Appell antreten konnten. Im Schlosspark wurden Baracken für die Schüler erbaut. 1945 wurde das stark beschädigte Schloss Drachenburg von den Amerikanern besetzt. Nach deren Abzug reparierte die Reichsbahndirektion Wuppertal notdürftig die Schäden und richtete eine Reichsbahnschule ein, die von 1947 bis 1960 blieb. Auf dem Gelände gab es zwar ein eigenes Lehrstellwerk, doch auf Grund von knappen Kassen wurde dem Personal zunächst nur ein Fahrrad als Dienstfahrzeug zur Verfügung gestellt - bei 12,5 % Steigung hinauf zum Drachenfels ein echtes Konditionstraining. Nach den Eisenbahnern stand Schloss Drachenfels leer und verfiel. Das Land Nordrhein-Westfalen war jetzt Eigentümerin und wollte das baufällige Gebäude abreißen. Viele Menschen in der Region wehrten sich erfolgreich dagegen, und schließlich wurde doch noch ein Käufer gefunden. 1971 erwarb der Bonner Textilfabrikant Paul Spinat Schloss Drachenburg. Ihm ist es zu verdanken, dass die Gebäude erhalten blieben und wieder in Stand gesetzt wurden. Allerdings griff er dabei nach seinem exzentrischen Geschmack und nicht immer sensibel in die Architektur und Gestaltung ein...
Nach seinem Tod 1989 ... erwarb das Land Nordrhein-Westfalen erneut Schloss Drachenfels und verkaufte es ein Jahr später an die Stadt Königswinter, die den Besitz an die Nordrhein-Westfalen-Stiftung übertrug. Die NRW-Stiftung restaurierte Schloss Drachenburg und versetzte das inzwischen denkmalgeschützte Bauwerk dabei weitgehend wieder in den originalen Zustand."

"Unterhalb von Schloss Drachenburg", so ist auf der Homepage des Museums (siehe Link unten) zu lesen, "beherbergt die Vorburg das Museum zur Geschichte des Naturschutzes in Deutschland. Hier im Siebengebirge, im faktisch ältesten Naturschutzgebiet Deutschlands, hat sich ein würdiger Ort für dieses Museum gefunden. Die Dauerausstellung gibt mit modernen Mitteln einen Einblick in die Ideen- und Kulturgeschichte, aber auch in konkrete Aktivitäten der Naturschutzbewegung. Eine Besonderheit stellt das angeschlossene Archiv dar, das nicht nur von Wissenschaftlern genutzt wird. Regelmäßige Sonderausstellungen bieten vertiefende Einblicke in die Geschichte des Naturschutzes."

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