Aufnahme: 2006
Für das Festessen war der Bürgermeister zuständig
Im Mittelalter ging es am ersten Sonntag nach Ostern auf dem Plateau des Petersberges hoch her. Ausgelassen feierten die Menschen das Ende der Fastenzeit mit einer Kirmes. Quellen aus dem 14. Jahrhundert
Unter diesen Überschriften schrieb Roswitha Oschmann im General-Anzeiger:
Es duftete nach frischgebackenem Weißbrot. Über dem Feuer brutzelten Schweine und Hühner. In einem großen Kessel wurde der Hirsebrei gerührt. Die Männer ließen sich Bier, Met und Wein ausschenken. Kinder umlagerten mit glänzenden Augen den Stand, an dem Süßigkeiten und Dörrobst angeboten wurden. Vor der Kapelle lockten Spielleute mit ihren Weisen bei Musik und Spielen zum Tanz: Am ersten Sonntag nach Ostern ging es im Mittelalter auf dem Plateau des Petersberges fröhlich zu. Dann wurde Kirmes gefeiert.
Die lange Fastenzeit war seit dem Fest der Auferstehung Christi endlich vorbei. Waren die Menschen aus dem Siebengebirge als Wallfahrer an den sechs Freitagen der hinter ihnen liegenden kargen Wochen und dann auch zu Ostern noch in sich gekehrt über die vier zum Gipfel führenden Bittwege gestapft, so freuten sie sich nun umso mehr auf die Abwechslung. Zunächst erwartete sie ein festlicher Gottesdienst in der Bergkapelle. Dort bestand auch Beichtgelegenheit, wofür ein Beichtpfennig zu berappen war.
Die Kirmes auf dem Petersberg oder Stromberg, wie er damals noch hieß, diente aber nicht nur der Geselligkeit, wie es dank der Aufzeichnungen des Heimatforschers Winfried Biesing überliefert ist, sondern Händler und Bauern boten dort auch ihre Waren feil. Bevor sie diese an einfachen Ständen anpreisen konnten, hieß es allerdings, sie mühsam auf den Berg zu transportieren. In Kiepen schleppten sie die Sachen oder schoben sie gar mit Schürreskarren die schmalen Pfade hinauf.
Ach, was es da alles gab. Hühner, Gänse, Eier und Fisch, auch die wertvollen Gewürze wie Safran, Pfeffer und Ingwer, die sich nicht jeder leisten konnte, ebenso Schuhe, Felle und Leinwand sowie
Körbe, Nähnadeln, Messer oder Scheren. So jedenfalls berichtete es der Rentmeister des Burggrafen Gottfried von Drachenfels. Aus sei- nen Aufzeichnungen aus den Jah- ren zwischen 1395 bis 1398 geht hervor, dass er ebenso Kirchweihfeste in Honnef und Heisterbach sowie die Kirmes in Villip im linksrheinischen Drachenfelser Ländchen besuchte.
In den Haushaltsrechnungen des Rentmeisters schlugen sich diese Ereignisse nieder. Die Kirmes war demnach auch Zahltag. Denn laut der Bücher überreichte der Rentmeister bei dieser Gelegenheit Tagelöhnern Gelder für geleistete Arbeit und beglich noch ausstehende Handwerkerrechnungen. Dieser Lohn kam genau recht. Nicht nur für all die schönen Sachen, die es zu erwerben gab, sondern eben auch für die kulinarischen Genüsse, die sich den Kirmesbesuchern boten. Zudem schmeckten den Männern Bier und Wein bei Spielen, denen beim Kirchweihfest gern gefrönt wurde. Die Kirmes, sie war nicht nur Abwechslung für das einfache Volk. Wer so will, kann sagen, die Zukunft des Petersberges als Herberge und Bankettstätte für hochgestellte Personen im 20. Jahrhundert zeichnete sich damals schon ab. Auch Ritter oder Geistliche stellten sich im Mittelalter zur Kirmes ein.
Ihnen gab der Bürgermeister bei dieser Gelegenheit auf dem Petersberg ein Essen. Er musste es. So war es nämlich im Weistum genau festgelegt. Schinken, Fleisch und Wein hatte er zu offerieren. Im Weistum des "Hochwürdigen Capituls ad apostolos binnen Cöln Hofgerichts zu Königswinter" heißt es: "Waß der Bürgermeister zu Königwinter auf der Stromberger Kirmeß zu geben schuldig sei ein schink, ein schüssel mit grünem Fleisch und ein Viertel Weins..."
Die im Weistum verankerten Satzungen der Hofverbände wurden zunächst mündlich überliefert, später schriftlich festgehalten und auf den Hofgedingen verlesen. Ein Hofgeding fand "des Montag nach dem sontag genannt quasi modo geniti, oder Stromberger Kirmeß" statt. Königswinter gehörte zu den Hofverbänden des Kölner Sankt Apostelnstiftes. Nach der Säkularisierung 1803 wurden auch die Besitzungen des St. Apostelnstiftes Staats- beziehungsweise Domänengut, beschrieb Biesing die veränderte Situation. Das Petersberger Essen des Bürgermeisters fand nun nicht mehr statt. Wiewohl überhaupt die Kirmes auf dem Petersberg damals ihr Ende fand. Aber die Festmesse war auch danach immer noch an jenem Sonntag nach Ostern besonders stark besucht. Die Kirmes zu Königswinter indes fand künftig auf dem Tag der Apostelfürsten Petrus und Paulus statt.
Bildunterschrift: Rheinpanorama: Drachenfels, Petersberg und Löwenburg (v.links) stellt dieser Kupferstich von Peter Schenk aus dem 17. Jahrhundert dar. Veröffentlicht wurde er in Winfried Biesings Buch "Der Petersberg". REPRO: HOLGER HANDT
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