Aufnahme: 1985
Der General-Anzeiger veranstaltete am 15. September 1985 seinen neunten "Volkswandertag - Auf Schusters Rappen durch das Siebengebirge"
Dieses jährliche Event mit tausenden jungen und älteren Wanderfreunden und internationaler Prominenz veranstaltete der General-Anzeiger seit 1977 in Zusammenarbeit mit dem Grenzschutzkommando West, dem Ski-Club Bad Honnef, dem DRK-Kreisverband Rhein-Sieg und der Bäckerinnung Rhein-Sieg. Ganze Zeitungsseiten waren mit Berichten und Fotos gefüllt.
Start und Ziel war 1985 die Endhaltestelle der Siebengebirgsbahn in Bad Honnef. Die Wanderstrecke führte mit einer 10- oder 20-km-langen Route durch das Siebengebirge. Wegen der Steigungen hatte man diesmal auf eine 30-km-Route verzichtet. Das Grenzschutzkommando West verteilte Tee und Kaffee kostenlos und Ebsensuppe für 2 DM. Die Bäckerinnung sorgte für kostengünstige Brote und Blechkuchen.
2017 kam anlässlich 40 Jahre General-Anzeiger-Wandertag, der wie auch der 30. durch das Siebengebirge führte, ein Taschenbuch heraus. In der Werbung hieß es: "Wo Wandern Spaß macht: Mit den schönsten Routen aus 40 Jahren General-Anzeiger-Wandertag möchten wir Sie zu den Besonderheiten der Region führen. Grüne Auenlandschaften, ausgedehnte Wälder und Bergkuppen mit faszinierender Aussicht warten auf Sie. Ob Siebengebirge, Drachenfelser Ländchen, Eifel, Siegauen oder Ahrtal – jedes Revier lockt mit facettenreichen Reizen sowie vielfältiger Flora und Fauna. Ganz nach Lust und Laune können Sie hier zwischen Strecken wählen, die sowohl Anfänger als auch Wanderprofis fordern."
Der GA berichtete am 15.09.1985 unter den Überschriften:
Quer durch das Siebengebirge
Mit Kind und Kegel beim GA-Volkswandertag
Die Prominenz startete um 10 Uhr. Mit dabei waren die stellvertretenden Bürgermeister von Bad Honnef, Fridl Weber und Helmut Schubert, Landrat Dr. Franz Möller, der Bonner Bürgermeister Jürgen Endemann, die Forstleute von Bad Hönningen und Siebengebirge, Dietrich Schareina und Günther Leonhard, GA-Verleger Hermann und Martin Neusser jun. und GA-Verlagsleiter Werner Hundhausen. Mit von der Partie durchs Siebengebirge waren auch der Chefkorrespondent der Nachrichtenagentur der Volksrepublik China, Xia Zhimian, der indische Botschaftsrat Harish K. Dogra mit Söhnchen und Mitarbeitern, eine Gruppe indonesischer Diplomaten, das Gymnasium Röttgen mit Direktor, Lehrkräften, Eltern und Schülerinnen und Schülern von der Sexta bis zur Oberprima alles in allem 80 "Mann" - und ein ebenso rüstiges wie fröhliches Seniorinnen-Trio.
Zwischen Wiese und Wald sah man auch die Geburtstagsgesellschaft des zehnjährigen Andreas Feldt aus Meckenheim: Vater, Mutter, Bruder und vier Freunde. "Seit heute früh beobachten wir das Wetter", meinte Mutter Angelika Feldt. "Unsere Alternative zum Wandern war ein Kinobesuch. Dies hier aber ist viel, viel reizvoller." Der dreijährigen Michaela, Tochter von Oberbrandmeister Wilhelm Feuser von der Freiwilligen Feuerwehr Swisttal-Dünstekoven, hatte die Mutter einen Wanderanzug geschneidert, bei dem der GA-Schriftzug nicht nur auf dem Hinterteilchen prangte. Die Freiwillige Feuerwehr Dünstekoven, die 50 Wanderlustige auf die Beine brachte, hatte den GA in den vorangegangenen Jahren bei der Streckensicherung stets tatkräftig unterstützt.
Einer war ganz schnell. Heinrich Rechtmann, 1. Polizeihauptkommissar des Bundesgrenzschutzes, legte im Turnzeug die 20-Kilometer laufend in einer Stunde und 45 Minuten zurück, unterwegs von gemächlicheren Mitwanderern geneckt: "Sie brauchen sich nicht so zu beeilen, es ist noch Erbsensuppe da." 2000 Liter schenkte der Bundesgrenzschutz aus. An was es mangelte, war Wasser. Zwar hielt der Ski-Club Bad Honnef an der Rommersdorfer Hütte das begehrte Naß bereit, doch der Durst war zu groß. Das Deutsche Rote Kreuz schob eine zusätzliche Wasserausgabe an der Wolkenburg ein. Wie der DRK-Kreisbereitschaftsführer Rhein-Sieg, Herbert Schwipper, berichtete, mußte auch Verbandsmaterial für wunde Füße nachgeliefert werden. 33mal leistete das DRK kleine, aber wichtige Hilfe, davon dreimal beim Windelwechseln. Im übrigen hatte es das ganze Siebengebirge für einen Tag verkabelt. Feldfernsprechanlagen zwischen den einzelnen Stationen sorgten für die Kommunikation. 70 DRK-Helferinnen und Helfer, zwei Rettungswagen, zwei Notarztwagen mit zwei Ärzten und fünf Krankenwagen komplettierten das Hilfsangebot. Gravierende Unfälle aber gab es nicht, lediglich einer Seniorin, die sich übernommen hatte, verordnete der Arzt den Abbruch.
Die Mühen für die Wanderei werden belohnt. Urkunde und Medaille stehen jedem Teilnehmer zu. Die Gewinner der Pokale, Ehrenpreise und die Glückspilze bei der Tombola, an der jeder Teilnehmer mit richtig abgestempelter Startkarte automatisch teilnimmt, werden jetzt ermittelt und in der General-Anzeiger-Ausgabe vom Freitag, 20. September, veröffentlicht.
Bild unten: Ankündigung im GA vom 11.09.1985 mit einem Gruß- und einem zeitlosen Mahnwort vom damaligen Förster Günther Leonhard:
Liebe Wanderfreunde! Die Wanderrouten verlaufen vorwiegend durch das Waldgebiet des Verschönerungsvereins für das Siebengebirge. Es ist das Kerngebiet des ältesten Naturschutzgebietes Deutschlands und wird seit 25 Jahren von mir forstlich verwaltet. Bitte rauchen und lärmen Sie nicht und gehen Sie nicht von den Wanderwegen ab. Werfen Sie keine Abfälle weg und halten Ihre Hunde an der Leine. Dem Veranstalter und allen Teilnehmern wünsche ich eine erfolgreiche Abwicklung und einen erholsamen Wandertag.
Hinweis: Die Volkswanderung im Siebengebirge "7 auf einen Streich", die der Skiclub Bad Honnef e.V. veranstaltet, findet am 3. Mai 2026 zum 53. Mal statt.
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