Ein kleines Märchen aus dem Siebengebirge

Aufnahme: 1967

Ein kleines Märchen aus dem Siebengebirge

von H. Stenz, Königswinter

Lenkt den Sinn, speziell der Jugend, auf die engere Heimat, unser schönes Siebengebirge

Vor vielen hundert Jahren, als noch im Siebengebirge wilde Tiere hausten und wenige Menschen wohnten, zog an einem heißen Augusttage ein schwe­res Gewitter über den Rhein dem Gebirge zu. Düster und drohend hingen die Wolken über der Wolkenburg; die Blitze zuckten, der Donner grollte. Die Nonnen vom Nonnenstromberg, welche bei Gewittern, einem alten Brauche gemäß, die Lampen vor den Heiligenbildern in der Kapelle des Klosters anzünden wollten, hatten kein Öl mehr. Sie schickten deshalb den Peter vom Petersberg, welcher dort oben mit seiner Mutter wohnte, aber bei den Nonnen im Dienste stand, zum Ölberg, um eine Kanne Öl zu holen. Peter begab sich sofort auf den Weg, denn er war ein folgsamer, guter Junge; auch den Tieren des Waldes war er sehr zugetan und diese konnten ihn deshalb alle gut leiden. Nur der Drache vom Drachenfels nicht. Dieser hatte es schon längst auf den Peter abgesehen und sich unweit des Ölberges in den Hinterhalt gelegt. Beim Herannahen des Gewitters hatten alle Tiere schon ihre Wohnungen aufgesucht. Allein der Fuchs von der Fuchshardt hatte sich von einem Streifzuge verspätet und kam an dem Drachen vorbei, dem er gleich ansah, daß derslbe nichts Gutes im Schilde führe. In der Nähe des Wasserfalls begegnete ihm noch der Peter, welcher unbedingt an dem Drachen vorbeikommen mußte. Der Fuchs warnte ihn und bat,  doch nicht weiter zu gehen, da ihm große Gefahr drohe und  sagte, er wolle sofort Hilfe holen. Eiligst lief er zum Hirsch vom  Hirschberg und teilte ihm mit, in welecher üblen Lage sich Peter befinde. Der Hirsch setzte gleich in mächtigen Sprüngen durch den Wald und rief mit lauter Stimme den Löwen von der Löwenburg zu Hilfe, welcher auch sofort bereit war. Der Schall der Stimme drang bis zum Schallenberg, so daß es die Geis vom Geisberg auch hörte und sofort gelaufen kam, um mit zu helfen. Alle versammelten sidl nun bei Peter und so zog man geschlossen dem Drachen entgegen. Als dieser die große Übermacht ankommen sah, wurde es ihm bange und er verkroch sich schnell in sein Drachenloch.  (Hier wurde er in späteren Jahren von Siegfried von der  Siegfriedhöhe im Kampfe  bezwungen und getötet.) Alle waren hocberfreut über die glückliche Rettung Peters und man beschloß aus diesem Grunde, auf dem Breiberg ein großes Breiessen zu veranstalten. Da sich das Gewitter inzwischen verzogen hatte, begab man sich sofort ans Werk. Der Platz wurde geschmückt mit Rosen von  der Rosenau.  Die Jungfern von der Jungfernhardt kochten den Brei und bedienten die Gäste. Als sich alle satt gegessen hatten, wurde zum Tanze aufgespielt. Die Musik hierzu machte der Kuckuck vom Kuckstein, der Frosch vom Froschberg und die Nachtigallen aus dem Nachtigallental. Man amüsierte sich bis spät in die Nacht, dann begaben sich alle nach Hause und legten sich schlafen. Und bald war im Siebengebirge die altgewohnte  Ruhe wieder eingekehrt.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 35 vom 01.09.1967
Zur Verfügung gestellt von
Paul Winterscheidt
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Siebengebirge
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