Aufnahme: 1933 (ca.)

Sommer- und Winter-Gebet vor dem Auge Gottes, einem sagenumwobenen Bildstock im Wald nahe Rheinbreitbach

Hinter diesen Fotos aus den 30-iger Jahren verbirgt sich ein ganz außergewöhnliches Schicksal, das der Erinnerung an die darauf abgebildete Frau und ihren Ehemann, der das Foto aufnahm, verdient:
Vor dem “Auge Gottes” kniet Marianne Binder geb. Kroll, eine junge Polin, die an der Bonner Universität Englisch studierte und dort ihren späteren Mann, Frank Binder, kennen lernte. Mr. Binder war Brite und hatte 1915 seine Studien an der Universität von Liverpool abgeschlossen. Als er anschließend eingezogen wurde, verweigerte er den Wehrdienst und musste ins Gefängnis. 1921 ging er an die Bonner Universität und wurde dort Lektor für Englisch. 1933 musste er Bonn verlassen, obwohl ihm der damalige Direktor des Englischen Seminars ein glänzendes Zeugnis ausstellte und ihm darin bescheinigte, Deutsch so gut wie ein Muttersprachler zu beherrschen. 1937 wurde er aus Deutschland ausgewiesen, weil er aus seiner Ablehnung der Nationalsozialisten keinen Hehl gemacht hatte und u.a. mehrfach den Hitlergruß verweigert hatte.
Völlig mittellos kehrten er und seine Frau nach Großbritannien zurück. Um den Lebensunterhalt für seine Familie zu verdienen, unterrichtete er an einem Gymnasium in Scarborough. Dort waren er und seine Familie häufigen Anfeindungen ausgesetzt, weil Mrs. Binder Englisch mit einem deutschen Akzent sprach. Es gelang Mr. Binder kaum, seine zahlreichen literarischen Arbeiten zu Lebzeiten zu veröffentlichen. Erst posthum, 2010, ist sein interessanter Roman „Sown with Corn“ erschienen, in dem Binder die Anfänge der nationalsozialistischen Herrschaft in Bonn und im Rheinland beschreibt. Wie in seinen Kurzgeschichten wird auch hier das Interesse des Autors an Deutschland auf sehr beeindruckende Weise deutlich.

In einer alte Sage vom Auge Gottes heißt es (siehe Link unten):

"Unweit von Unkel, im Ort Bruchhausen, gibt es noch heute "Die Alte Burg", der Sitz der Grafen von Spee (von Kaiserswerth) und Broichhausen im 17. Jh. Von einer Burg ist weit und breit nichts mehr zu sehen, nur noch einzelne Mauerreste wuchtiger Fundamente zeugen im Haus davon, dass hier in alten Zeiten wirklich eine Burg gestanden hat. Vor langer Zeit starb der alte Graf, der das Wild in seinen Wäldern stets geschont und gepflegt hatte. Der junge Graf, gewalttätig und ohne Mitleid, stellte dem Wild bei jeder sich bietenden Gelegenheit nach. Wenn er es vor die Büchse bekam, mordete er die wilden Tiere und ließ die Kadaver achtlos liegen. Einmal jedoch fand dieses wilde Jagen ein jähes Ende. Vor eine Hirschkuh, die er gerade oberhalb von Rheinbreitbach erlegen wollte, schob sich schützend ein großes Auge und blickte den furchtbaren Jäger durchdringend an. Der junge Graf nahm die Flinte herunter und blickte zitternd in das Auge Gottes. Dann eilte er nach Hause; später fand man ihn erhängt an einem Dachbalken. Die alte Burgherrin schenkte ihren Bauern die Freiheit und an der Stelle, an der dem Grafen das Auge Gottes erschienen war, errichteten die dankbaren Untertanen ein Kapellchen. Am Giebel blickt auch heute noch ein großes Auge den Besucher streng und dennoch väterlich gut an."

Zur Verfügung gestellt von
Michael Rines Mehr Infos zum Auge Gottes auf Wikipedia - Eine alte Sage
Räume & Galerien
Siebengebirge Wegekreuze, Denk- und Grabmale
Aufrufe
1105

Etwas zu ergänzen?

Kennen Sie abgebildete Personen, das Jahr oder Hintergründe zu diesem Bild? Schicken Sie uns einen Hinweis – wir prüfen ihn und ergänzen das Objekt.