Aufnahme: 1917 (ca.)
Der alte Burghof - Geschichtsüberblick
Diese Postkarte zeigt, so der Text auf der Rückseite, ein "Original-Gemälde im neuen Burghof, Hotel und Pension im oberen Nachtigallental, Inh.: Geschw. Kalt, Fernruf 397, Amt Königswinter".
Vermutlich stellt das Gemälde den alten Burghof dar. Der war "aus einem Wirtschaftshof der Burggrafen von Drachenfels hervorgegangen" (Denkmäler im Rheinland, Stadt Königswinter, 1992, S. 123) und im Jahr 1904 umgestaltet und als Hotel mit Restaurantbetrieb neu errichtet worden. Der Erbauer des neuen Burghof, Jakob Hubert Biesenbach (1870–1947), war der Neffe des kinderlosen Bonner Bankier Stephan von Sarter. Der hatte sich seinerzeit das Schloss als Privatvilla erbauen lassen und 1881 den Burghof erworben. Nach dessen Tod erwarb Biesenbach beides und öffnete das Schloss für den Tourismus. Deshalb ließ er den alten Burghof 1904 abreißen und durch einen Neubau im Schweizerstil mit Hotel und Restaurantbetrieb ersetzen. Hier fanden die Schlossgäste und -besucher Unterkunft und Verköstigung. Im Schlosspark ließ er eine Ferienhaussiedlung aus Blockhäuser bauen, die sog. "Nordischen Häuser", die den Gästen als Sommerquartier zur Verfügung standen.
"Im Jahr 1910 verkaufte Biesenbach das Ensemble an den Rittmeister a.D. Egbert von Simon aus Charlottenburg bei Berlin. Das Ehepaar von Simon hatte Urlaub auf der Anlage gemacht und war begeistert von Schloss und Landschaft" (in: Das Siebengebirge geschützt und genutzt, hrsg. v. VVS, Klaus Breuer, 2009, S. 305). Aber von Simon übernahm sich, geriet in die Insolvenz, kam im Ersten Weltkrieg ums Leben, und seine überschuldete Frau konnte das Schloss nicht halten. 1923 ersteigerte der Kölner Fabrikant und Kaufmann Hermann Flohr das Schloss, das er schon seit einigen Jahren bewohnt hatte. Er hatte den Burghof bereits 1921 ersteigert.
Bis zur 2011 fertiggestellten Renovierung nahm Schloss Drachenburg eine wechselvolle Geschichte.
Der Burghof wurde um 1915, so die Rückseite der Postkarte, von den Geschwistern Kalt geführt. Seit 1895 hatte der Pächter Peter Joseph Kalt ihn bewirtschaftet.
Zur Vorgeschichte des Burghof berichtet das Naturpark-Echo VVS (Juli 2011, 11. Jg./Nr.2, S. 17):
"Ferdinand Hoffmann aus Lemgo, der nach Amerika auswanderte und dort sein Geld als Landankäufer und -verkäufer in St. Louis/Missouri gemacht hatte, erwarb den Burghof im Jahre 1854 für 8.400 Taler. Er legte am Burghof einen Weinberg an, baute Roggen, Weizen, Gerste, Erbsen und Wicken (Viehfutter) an, erbaute einen Pavillon mit Rheinblick, erwarb 1862 Gut Elsigenfeld (Milchhäuschen), pflanzte am Weg, der vom Burghof zum heutigen Dechendenkmal führt, Esskastanienbäume und am Burghof einen kleinen Mammutbaum an, eine Sequoia dendron gigantea, die inzwischen eine gigantische Höhe erreicht hat. 1881 verkaufte Hoffmann den Burghof an Baron von Sarter, den Erbauer der Drachenburg."
Ferdinand Hoffmann hatte die Zeichen der Zeit erkannt und sich dafür eingesetzt, dass die Touristen seine Gaststätte über einen Fahrweg erreichen konnten, wie der frühere Leiter des Siebengebirgsmuseums, Theo Hardenberg, recherchiert hat: "Der Wirt Hoffmann vom Burghof hätte gar zu gerne einen Fahrweg hinauf zu seiner Gaststätte gehabt. 200 Taler wollte er stiften, wenn man ihm einen befahrbaren Weg bis zum Kuckstein schaffen würde. Der Karrenweg für die Wolkenburg-Steine führte oberhalb des Burghofes auf dem jetzigen Eselsweg, am Kuckstein vorbei und dann durch die Helte hinunter zum Fahr, wo die Steinplätze waren und die Schiffsverladestelle. Am Fahr war damals eine ausgesprochene Schifferkolonie tätig. Das Wege-Comité erwog die Möglichkeiten. Man beschloß schließlich, einen befahrbaren Weg über den Sauren Berg anzulegen. Sieben Jahre dauerte es, bis der Plan verwirklicht werden konnte. Mit 51 Anliegern mußte verhandelt werden, für diesen Weg ein Stückchen ihres Grundstückes zu erschwinglichem Preis abzugeben. Die Rute (14,2 qm) zu 20 Silbergroschen durchschnittlich. Erst 1867 wurde der Oberweingartenweg angefangen und fertiggestellt" (in: Streiflichter aus dem Siebengebirge, hrsg. vom Heimatverein Siebengebirge e.V., 1986, S. 166).
Seit 1989 dämmert der Burghof im Dornrösschenschlaf vor sich hin - siehe 1. Link unten. Das soll sich, so ein Generalanzeiger-Zeitungsbericht von 2004, ändern, denn nun "ist die immer weiter verfallende Immobilie im Besitz der traditionsreichen Königswinterer Familie Streve-Mülhens. "Wir sahen uns veranlasst, in die Bresche zu springen. Wir sind uns der Verantwortung und der Auflagen bewusst", sagt Dieter Streve-Mülhens junior, der das Haus zusammen mit seiner Schwester Fiona Achenbach den bisherigen Eigentümern Viktor Schneider und Christa Repohl abkaufte. "Der Burghof ist ein integraler Bestandteil des Drachenfels und maßgeblich an seinem Erscheinungsbild beteiligt. Und das ist stark verbesserungswürdig", so Streve-Mülhens" (General-Anzeiger vom 21.11.2004).
Anfang März 2013 berichtet der General-Anzeiger Bonn, dass zwei Bad Honnefer Burghof-Liebhaber einen letzten Versuch unternehmen wollen, diesem schönen Ort seine ursprüngliche Bedeutung wiederzugeben - siehe 3. Link unten.
Das aber ist Wunschtraum geblieben. Bis Anfang 2016 schreitet der Verfall der Gebäude voran. Aber dann kommt wieder Bewegung in das Vorhaben, diesen zu erhalten: Am 5. März 2016 berichtet der Bonner General-Anzeiger, dass der bisherige Besitzer Dieter Streve-Mülhens den Burghof Ende Februar an den Bonner Unternehmer Marc Asbeck verkauft habe. Der wolle sich zwar Zeit lassen mit dem Projekt, habe aber die nötigen finanziellen Mittel, um den Burghof wieder instand zu setzen. Zu wünschen wäre es diesem schönen Ort und seinen Besuchern.
"Asbeck hatte nach dem Kauf mitgeteilt, dass er den Burghof nicht mehr gastronomisch nutzen wolle. Stattdessen plante er, das Gebäude von Grund auf zu sanieren und anschließend selbst als "großzügiges Wohnhaus im Schweizer Chalet-Stil" zu bewohnen", so war im General-Anzeiger vom 20. Juli 2018 zu lesen. Doch auch dieses Vorhaben blieb Wunschtraum. Im Herbst 2018 war zu erfahren, dass Asbeck der NRW-Stiftung den Burghof zum Kauf angeboten habe, die es aber nach einer kurzen Bedenkzeit ablehnte. Am 21. November 2018 hieß es im General-Anzeiger: "Der Burghof im Siebengebirge wird in einem Internetportal zum Verkauf angeboten. Eigentümer Marc Asbeck möchte demnach für die Immobilie 2,5 Millionen Euro haben. Dafür bietet er 1000 Quadratmeter Wohnfläche, 17 Zimmer auf drei Etagen und 6000 Quadratmeter Grundstück mit traumhaftem Rheinblick in einer großzügigen Parkanlage. Der Gebäudetyp ist mit "Villa" angegeben."
Ob sich jemand findet, der nicht nur Interesse, Ideen, das nötige Know How, sondern auch das entsprechende Budget besitzt, um diesem wunderbaren Ort wieder Leben einzuhauchen und ihn der Öffentlichkeit zugänglich zu machen?
Auf dem Originalgemälde ist das Gedicht "Der Wirtin Töchterlein" von Ludwig Uhland abgedruckt, dessen Text sowie ein Bild vom neuen Burghof mit dem 2. Link unten zu finden sind.
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