Aufnahme: 2022

Advent met Kölsche Tön´- ein ausführlicher Fan-Bericht zum Adventskonzert vom MGV

Am 10.12. war es endlich soweit: Wir hatten uns schon so lange auf das Adventliche Singen auf Kölsch gefreut, denn auf Kölsche Weihnacht hatten wir schon lange verzichten müssen - dabei brauchen wir doch seit Jahrzehnten diese wunderbare Einstimmung auf den Advent und auf Weihnachten. Gut, dass Mani Görres bereit war, zur Feier des 65. Bestehens des Männer Gesangvereins Ittenbach noch mal seine Qualitäten als Moderator und Entertainer unter Beweis zu stellen.

Die tüchtigen Frauen der Sänger hatten das Bürgerhaus Aegidienberg in gewohnter Qualität wunderbar hergerichtet: Die Tische waren festlich mit Tannenzweigen und roten Kerzen geschmückt; dazwischen standen erfreulich viele Teller mit selbst gebackenen Plätzchen.
Die Bühne wurde durch ein neues Hintergrundbild geschmückt, das wie immer der kreative Knut Nobiling geschaffen hatte. Ulrich Hülder, der langjährige Chorleiter des Männergesangsvereins, stellte sich ein und dann ergriff Achim Staffel das Mikrofon und begrüßte alle Anwesenden, sogar die Presse–Vertreter. In seinem Rücken hatten sich die Sänger versammelt und waren einsatzbereit. Mir machte es große Freude, viele der lieb gewordenen Gesichter aus den früheren Jahrzehnten wiederzusehen, auch wenn ich ihre Namen nicht kenne. Dann wurde das Mikrofon an den Hauptmatador des Abends weitergereicht, unseren Mani, ohne den eine solche Veranstaltung nicht klappen kann. Seine Kommentare, in ihrer unnachahmlichen Mischung aus Kölschem Witz und Kölschem Gefühl, strukturierten den Abend, beziehungsweise ermöglichten es dem oft sehr gerührten Zuhörer, wieder auf den Boden der Wirklichkeit zurückzukehren. Beim ersten Lied – "Sidd höösch, leev Lück, sidd still/ et kann nit jeder machen, wat er will" - bewies Mani als Solist, dass seine Bassstimme in der Zwischenzeit nicht gelitten hat! Das anschließende Lied aus Österreich – "Advent ist ein Leuchten"– war das einzige Lied an diesem Abend, das auf Hochdeutsch gesungen wurde. Gut, dass Mani das schwierige Wort mit den vier Z - Adzventzkranzkääze - ohne sprachliches Stolpern hinter sich brachte. Ein Lob verdienten auch die so deutlich artikulierenden Sänger: So konnten auch Menschen mit Migrationshintergrund, wie ich, den Text verstehen.
Beim nächsten Lied – "Wie et fröher wor" -  trat eines der jüngsten Chormitglieder als Solist auf, nämlich Helmut Monien, und erinnerte sich voller Wehmut an die Eisblumen an den Fenstern. Sich nostalgisch an nicht abgedichtete Fenster erinnern, durch die es im Winter so heftig wie Hechtsuppe zieht, das schafft auch nur ein Kölner! Und im Lied vom "Weihnachtsmarkt" wurde der Besucher nicht nur durch den Glühwein, sondern auch durch dat Mädsche im Ärm gewärmt, eben die typisch Kölsche Verbindung von Gefühl und konkreten Tatsachen. Dann eröffnete Schorsch Clauss, uns allen noch in bester Erinnerung aus früheren Jahren,  mit dem beliebten "Honichkochehätz" die Reihe der Verzählscher, diesmal modern mit Headset, statt mit Mikrofon, ausgestattet. Die Pointe der Geschichte – das Honigkuchenherz hatte etwas Pipi vom Enkel abbekommen, aber "de Oma zoppt dat Hätz sowieso" – zündete wie immer. Im Lied von den "Kruschteiern  op de Pann", das der Solist Klaus Hübenthal wunderbar vortrug, erinnerte mich "die Klör" mit ihrem Wägelchen sehr an ihre irische Kollegin Molly Malone, die in Dublin ihr Gefährt durch die Straßen schiebt und dabei ihre Meeresfrüchte anpreist. Für das stimmungsvolle Lied vom "Schnee, der leis', ganz leis' fällt", ließ der Chor extra den Sänger Helmut Schmidt  aus Hennef einfliegen, aber das lohnte sich auch. Als beim Gedicht über die heilige Barbara die moderne Technik versagte und aufs Mikrofon zurückgegriffen werden musste, verlängerte Mani großzügig die Aufführungszeit um eine Viertelstunde. Für das Nikolaus–Lied "Wer kütt denn do?" hatten die vier Solisten – Peter Meinerz, Helmut Brassel, Klaus Monien und Klaus Hübenthal sogar ein Trainingslager in der Eifel absolvieren müssen, aber auch diese Investition zahlte sich aus. Die köstliche Satire über den Wettstreit zwischen Nachbarn, die einander bei der Weihnachtsbeleuchtung übertreffen wollen und damit ein ganzes Kohlekraftwerk zur Explosion bringen, war ein besonderer Hit, wieder packend von Schorsch Clauss vorgetragen. Die Moritat von Ohm Christian, dessen Trinkfestigkeit berühmt war, der aber als "Hillije Man" überall mit Alkohol traktiert wurde und deshalb an seine Grenzen stieß, sorgte für viele Lacher.

Bei dem nostalgischen Lied "Et wor doch net alles verkehrt", in dem der Solist, Helmut Brassel, an die schlichten Weihnachtsfeste seiner Kindheit erinnerte, wurde ich sehr gerührt und war froh, dass Mani mich mit seinem Lied über das Altwerden, das angeblich Spaß macht, wieder in die Wirklichkeit zurückbrachte. Dabei musste ich über das Frühstücks–Bützje sehr schmunzeln, das dem Frühstücksei zuteil wird, anstatt der lieben Toni, die es bestimmt verdient hat. So ein Frühstücks–Bützje wünsche ich mir auch manchmal… Als die drei Solisten – Helmut Brassel, Achim Staffel und Wolfgang Löffelsender – mit "Hüpf mein Hütchen" an die Spielgewohnheiten früherer Zeiten erinnerten, dachte ich: Es gab sie also doch, die langen Winterabende, die ich mir jetzt wünsche, aber selten erlebe. Dann kam eines meiner Lieblingslieder: "Unser Bömche, oh Tannenbom", zu dessen Illustration sogar ein richtiger Tannenbaum auf die Bühne gebracht wurde! Die fünf Solisten – Helmut Monien, Dieter Becker, Helmut Brassel, Klaus Monien und Wolfgang Löffelsender – machten ihre Sache großartig, und ich wurde an meine Großmutter erinnert, der unsere Weihnachtsbäume, von meinem sparsamen Vater besorgt, auch nie groß genug waren. Eine Oma spielte auch die zentrale Rolle in der nun folgenden Geschichte vom „Christbaumständer“, der mit seinem "Auftritt" für einen absolut unvergesslichen Weihnachtsabend sorgt. Selbst, als der Ständer sich beim Drehen selber überholt und Kugeln wie Geschosse die Beteiligten treffen, bleibt die Oma völlig ungerührt und kann sogar dieser Erfahrung etwas Positives abgewinnen: Nun verstehe sie doch endlich, was der Opa in den Ardennen von der feindlichen Artillerie auszustehen hatte! Beim Vortragen dieser köstlichen Geschichte wuchs Schorsch über sich selbst hinaus: Bei der Erwähnung des herumfliegenden Engelshaars und des Lametta wiegte er seinen Oberkörper so anmutig hin und her, dass ich an orientalische Tänzerinnen denken musste.

Mani erinnerte daran, wie am Heiligen Abend im Ersten Weltkrieg die Waffen schwiegen und die Soldaten der verfeindeten Nationen einträchtig das Christfest feierten, und äußerte die Hoffnung, dass dies Wunder sich vielleicht im Ukraine–Krieg wiederholen möge. In seinem anschließenden Lied machte er uns deutlich, dass Weihnachten mehr ist als Geschenke, dass es viel wichtiger ist, die Menschen, die uns umgeben oder mit denen wir in Kontakt treten, wahrzunehmen und ihnen freundlich zu begegnen und ggf. zu helfen.

Nach den wunderbaren Chordarbietungen von "Wenn de Sterne am Himmel danze" und dem "Kleinen Trommler" ertönte das Lied "Grüß Dich, Maria", vom Vater des jetzigen Chorleiters, Willy Hülder, für den Männergesangverein komponiert. Es ist etwas ganz Besonderes und rührt mich jedes Mal wieder.

Als Überraschungsgast sozusagen betrat dann Alex, Manis Patensohn, die Bühne, mit zwei Flaschen Bier bewaffnet: Er würdigte die Leistungen seines Patenonkels sehr liebevoll und schloss mit den Worten:" Bliv, wie de bis – und vielen Dank!" Dem können wir uns nur anschließen.

Auf inständiges Flehen des Publikums nach einer Zugabe wurde nochmal das Maria–Lied gesungen, aber dann wurden wir mit dem bekannten "Kommt jot hem!" in die kalte Winternacht entlassen. Aber wir waren ja von innen erwärmt, da war die äußere Kälte gut zu verkraften.

Ich darf sicher im Namen aller Anwesenden sprechen, wenn ich Mani, Herrn Hülder, Toni Görres (stellvertretend für alle Sänger–Frauen) und allen großartigen Mitgliedern des Männergesangsverein von Herzen für diesen unvergesslichen Abend danke! 

Eva Amann-Brockhaus im Dezember 2022

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