Aufnahme: 2005
Die Ittenbacher schwelgen in Erinnerung
Der Bürgerverein lässt die Historie lebendig werden. Als Herr Schmitz noch zu Fuß zur Schule nach Bad Honnef ging. Amüsante Anekdoten lockern die Vorträge auf
Der General-Anzeiger berichtete:
„Bis 1880 ließen sich Reisende und Wanderer noch von Ortskundigen nach Ittenbach führen, denn bis dato gab es nur Fußpfade, die von Königswinter hier rauf führten“. Annette Hirzel, Vorsitzende des Bürgervereins VVI Ittenbach, berichtete am Montag gemeinsam mit Bruno Schmitz und der Dichterin Liesel Linn rund 100 interessierten Zuhörern in der Gaststätte „Zur alten Post“ über die Entwicklung des Ortes in der Vergangenheit. "Ittenbach im Wandel der Zeit" lautete das Thema des Dia-Vortrages, der so manchen Zugezogenen ins Staunen versetzte und viele alteingesessene Bürger in Erinnerungen schwelgen ließ.
Schöne Schwarz-Weiß Fotos aus den 20er Jahren dokumentierten beispielsweise den Bau der L331, die im Zuge der großen Notstandsarbeit – die Arbeitslosigkeit war besonders hoch - gebaut wurde. „Die Arbeit sieht hier mehr nach Steinabbau aus als nach Straßenarbeiten“, merkte Hirzel an, denn der Straßenbau musste größtenteils mit Handarbeit erfolgen. 130 000 Kubikmeter Steine, Felsen und Erde wurden deshalb bewegt. Trotz solch beschwerlicher Bedingungen überrascht die Bauzeit des für damalige Verhältnisse gigantischen Bauwerks: „Die Arbeiten begannen 1927 und 1928 war die Straße bereits fertig“, so Hirzel.
Dank der Anbindung an die zwischen 1936 und 1940 gebaute A3 war Ittenbach schließlich von zwei Seiten erschlossen und konnte weiter wachsen. Bruno Schmitz, ehemaliger Geschäftsinhaber in Ittenbach, brachte den Zuhörern ebenfalls seine enorme Ortskenntnis näher. Während er viele Bilder für sich sprechen ließ, hatte er zu einzelnen immer wieder amüsante Anekdoten zu erzählen. So wunderten sich besonders die Ittenbacher, die das Rentenalter noch nicht erreicht haben, dass Schmitz in jungen Jahren tatsächlich zu Fuß zur Schule nach Bad Honnef laufen musste.
Das Thema Schule sorgte ohnehin für ausgelassene Stimmung: „Wir haben jetzt ein paar Suchbilder“, kündigte Schmitz an, bevor einige Klassenfotos aus den 30er Jahren auf der Leinwand erschienen. Sofort hob sich der Geräuschpegel im Raum merklich an. Immer wieder entdeckten die manche Zuhörer sich oder andere Ittenbacher wieder. Dass es im Ort in vergangenen Tagen ein Kino gegeben hatte und Königin Elisabeth II. 1966 einmal durch Ittenbach gefahren war, konnte den fast 300 Dias ebenfalls entnommen werden. „Viele Zugezogene wissen auch nicht, dass es in der Nähe des Soldatenfriedhofes einen noch größeren Friedhof der Amerikaner gegeben hat“, erklärte Schmitz. Im sehr heißen Sommer 1947 hätten zahlreiche Ittenbacher Männer die Leichen, die nur in Leinentüchern begraben waren, jedoch wieder ausgraben müssen. „Sie wurden dann in Zinksärge geladen und nach Rotterdam gebracht, wo sie per Schiff in die USA überführt werden sollten“, so Schmitz weiter. Später habe er aber gelesen, dass genau dieses Schiff auf eine Mine gelaufen und gesunken sei. Auch an den alten Sportplatz, „der 1930 direkt neben der heutigen Shell-Tankstelle gebaut wurde“, erinnert sich Schmitz, als wäre es gestern gewesen: „Das Gelände dort war sehr abschüssig und wenn man den Platz dreimal auf und ab gelaufen ist, war man halbtot“. Ähnlich anstrengend war vermutlich auch die Arbeit für die Ochsen, die bis ins Jahr 1951 Wasser auf den Ölberg schleppen mussten, wo bereits 1890 ein Restaurant stand. Erst danach erfolgte der Bau einer Wasserleitung auf den Gipfel des Berges. Trotz des ausführlichen und unterhaltsamen Rückblicks in die Vergangenheit vergaß Annette Hirzel auch die aktuelle Situation in Ittenbach nicht. Sie berichtete, dass der Umbau des Mühlensteinbrunnens nahezu abgeschlossen sei und er mit einem Fest eingeweiht werden solle, „bei dem sowohl der Brunnen als auch ein paar Flaschen Prosecco sprudeln sollen“. Nachdem dieses Projekt also bald zum Abschluss kommt, verwies Hirzel gleichauf ein Neues, nämlich das Kunstwerk inmitten des Verkehrskreisels an der A3-Auffahrt. „Wir stehen voll dahinter, haben aber kein Geld“, gab sie den Besuchern mit auf den Weg und appellierte, das Projekt der Lokalen Agenda 21 zu unterstützen.
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