Aufnahme: 2003
Verständigung siegt über die alten Streitigkeiten
Der Verkehrs- und Verschönerungsverein setzt bei der Südtangente auf Ausgleich. Die neue Vorsitzende Irma Schneider will die Jugend stärker einbinden
Unter diesen Überschriften berichtete der Bonner General-Anzeiger in Teil 10 seiner Serie über die Bürgervereine in der Region
„Wir wollen gut mit den anderen Bürgervereinen zusammenarbeiten - und das sollte machbar sein“, kündigt Irma Schneider, die neue Vorsitzende des Verkehrs- und Verschönerungsverein Atenbach an. Ihr Ziel ist keineswegs selbstverständlich, denn seit Jahren wird in der Königswinterer Bergregion um das leidige Thema Südtangente gestritten. Da haben die Ittenbacher Bürger in anderen Stadtteilen nicht nur Freunde, fordern sie doch zu ihrer Entlastung den Neubau der Trasse nahe an anderen Königswinterer Orten.
Irma Schneider weiß um die alten Streitigkeiten, und sie kündigt an: „Wir werden uns verstärkt für Verständigung einsetzen.“ Wenn es aus Ittenbach in der Vergangenheit teils scharfe Töne gegeben hatte, werde sich der VVI künftig mehr um Ausgleich bemühen. Denn es gibt auch viele Probleme, welche die Ittenbacher mit den Bürgervereinen der Nachbarorte gemeinsam haben. Da war das leidige Thema Wasser, das nicht zuletzt im Vorstand des VVI für einen Umbruch und Rücktritte sorgte. „Man merkt jetzt, dass sich etwas regt. Die alten Strukturen beim WBV müssen aufgelöst werden“, fordert Schneider. Das könne man am besten zusammen mit den anderen Bürgervereinen der Bergregion schaffen.
Ein brisantes Thema, zu dem der VVI auch jetzt wieder die Initiative ergreift, ist der Fluglärm. Die An- und Abflugrouten des Köln-Bonner Airports führen, je nach Windrichtung, genau über die Köpfe der Ittenbacher. Besonders nachts fühlen sich viele Bürger im Schlaf gestört, vermuten, dass die Maschinen zu niedrig fliegen. Der VVI hat sich bereits mit dem Flughafen in Verbindung gesetzt und Antwort erhalten: Seit Ende Oktober starten und landen demnach nur noch moderne Flugzeuge, die an neue Lärmvorschriften angepasst sind. Auch kündigte der Flughafen eine verstärkte Überprüfung an, ob die Piloten die Mindestflughöhe einhalten. Beim Blick in die Zukunft gibt es große Sorge im VVI: Der Flughafen baut sein Angebot aus, besetzt neue Marktnischen. „Wir haben Angst, dass noch wesentlich mehr Lärm entstehen könnte“, sagt Schneider.
Angepackt wird alljährlich im April vor dem Brunnenfest: Dann macht der Verkehrs- und Verschönerungsverein seinem Namen alle Ehre und säubert den Ort. Gerade bei der Ortspflege möchte Schneider zukünftig noch mehr bewegen. So möchte sie auch spontane Säuberungsaktionen starten und Patenschaften organisieren, in denen Freiwillige die Sauberkeit gewisser Teile Ittenbachs zu ihrer Aufgabe machen.
Das Ortsbild und das Lebensklima in Ittenbach stehen im Vordergrund der Arbeit des VVI, dagegen wird nur ein Fest von dem Verein selbst gefeiert: das jährliche Altenfest in Verbindung mit Chören, Männergesangverein oder Schulen. Darüber hinaus übernimmt der VVI die Terminkoordinierung für den Festkalender, während die anderen Vereine des Orts die Feiern ausrichten.
Ein neues Vorhaben, mit dem der VVI seinen Mitgliedern ein Angebot machen möchte, wird konkret geplant: „Wir wollen eine Reihe von Vorträgen anbieten zum Thema Natur, Umwelt oder Bepflanzung“, kündigt Schneider an. Auch diese Vortrage würden das Profil des VVI ergänzen, für ein schöneres Ittenbach einzutreten. Teamorientierung - so lautet das Schlagwort, das sich Irma Schneider auf die Fahnen geschrieben hat. Die neue Vorsitzende hält nicht viel von straffen Strukturen im Verein: „Auf Dauer ist es effektiver, weniger hierarchisch zu führen. Das motiviert mehr“, glaubt sie. Nach dem Vorstandswechsel im vergangenen Juli ist eine Männerdomäne gebrochen worden. Macht möchte die neue Vorsitzende nicht haben - daran sei sie nicht interessiert. Jetzt gehe es darum, im Vorstand die Aufgaben sinnvoll zu verteilen, als Kollektiv die Belange der Ittenbacher Bürger vorwärts zu bringen. „Auch die Jugend soll wieder mehr eingebunden werden. Es bringt nichts, sich nur über die zu ärgern. Man sollte lieber mit ihnen sprechen“, glaubt Schneider. Dabei denkt sie auch an die Zukunft des Vereins, denn sie kündigt jetzt schon an, dass sie sich nicht an den Vorsitz klammern wird: „Ich möchte mein Amt nicht ewig halten.“
Infos zum Verein VVI Ittenbach:
Vorsitzende: Irma Schneider
2. Vorsitzende: Annette Hirzel
Geschäftsführer: Thomas Loreck
Kassierer: Stefan Krzikalla
Beisitzer: Klaus Uwe Meier, Werner Schramm, Manfred Stützer
Gegründet: 1949 (wiedergegründet, war von den Nationalsozialisten verboten worden)
Mitglieder: 170
Bildunterschrift:
Der Marienplatz in Ittenbach ist die Visitenkarte des Ortes. Vor allem der gemauerte Brunnen mit der Marienfigur liegt vielen Bürgern am Herzen. Er wird jährlich gereinigt und mit Blumen geschmückt.
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