Aufnahme: 1990
120 Jahre Verschönerungsverein für das Siebengebirge
Wer heutzutage vom Rhein aufsteigend das Siebengebirge durchwandert und vom Drachenfels, Ölberg, Löwenburg oder von einem anderen der vielen Berggipfel seinen Blick über das stromdurchglänzte Rheintal bis weit in die am Horizont verschwimmenden Eifelberge und im Osten und Süden bis in die Höhen des Westerwaldes schweifen läßt, denkt wohl kaum an die Gefahren, von denen Deutschlands ältestes und wohl auch schönstes Naturschutzgebiet bis in die 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts bedroht war.
Die zahlreichen staatlichen und privaten Steinbruchbetriebe, deren Entstehen zum Teil bis in die Römerzeit zurückreicht, hatten im Laufe der Jahrhunderte am Drachenfels, am Ölberg, an der Wolkenburg, am Petersberg, am Stenzelberg und an vielen anderen Stellen des Siebengebirges gewaltige Zerstörungen herbeigeführt und häßliche Schutthalden hinterlassen. Der vielen Einzelbesitzern gehörende Wald diente überwiegend der Brennholzgewinnung und ließ einen den Möglichkeiten des durchweg guten Bodens entsprechenden Waldbau nicht aufkommen. Das ganze Gebiet war nur von wenigen, schlechten Wegen durchzogen, so daß weite Teile des Siebengebirges dem Wanderer unzugänglich waren.
Die einzigartigen Reize und Schönheiten der Siebengebirgslandschaft der Allgemeinheit zu erhalten und zu erschließen, war in der Mitte des vorigen Jahrhunderts das Ziel einiger Männer, das sie durch die Gründung eines Vereins zu verwirklichen hofften. Im Hotel „Goldener Stern" in Bonn wurde am 4. Dezember 1869, also vor nunmehr 120 Jahren von 22 Freunden des Siebengebirges der „Verschönerungsverein für das Siebengebirge" gegründet. Der Verein bezweckt die Herstellung Unterhaltung von Fahr-, Reit- und Fußwegen im Siebengebirge sowie solcher Anlagen, welche zu Bequemlichkeit und Annehmlichkeit der Besucher beitragen können. Auf der ersten Generalversammlung des Vereins im April 1870, ebenfalls im „Goldenen Stern", zählte der Verein bereits 450 Mitglieder, die insgesamt ein Beitragsaufkommen von 7230 Mark gezeichnet hatten. Zum ersten Vorsitzenden wurde auf Vorschlag des damaligen Bonner Oberbürgermeisters Kaufmann der Berghauptmann Heinrich von Dechen einstimmig gewählt. An ihn erinnert noch heute ein Denkmal im Siebengebirge. Unter seinem 19 Jahre währenden Vorsitz erbaute der Verschönerungsverein durch Mitgliedsbeiträge und Spenden die Straßen von Königswinter auf den Drachenfels, von der Löwenburg nach Heisterbach und vom Drachenfels zum Margarethenhof. Hinzu kamen in späteren Jahren die Straßen von der Rosenau zum Petersberg und von Hohenhonnef zur Löwenburg. Die Straße vom Wintermühlenhof zur Rosenau kam durch Kauf in das Eigentum des Vereins. Hand in Hand mit diesem Straßenbau ging ein umfangreicher Ausbau der Fußwege, die das ganze Siebengebirge nach den verschiedensten Richtungen erschlossen. Ferner wurden zahlreiche Aussichtspunkte geschaffen, Bänke und Wegweiser in großer Zahl aufgestellt.
Von Anfang an aber war auch das Streben des Vereins, dem weiteren Verfall des Siebengebirges, der gewerblichen Ausbeutung und der baulichen Nutzung des Siebengebirges Einhalt zu gebieten. Die Steinbrüche wurden stillgelegt. Dafür sorgte Justizrat Humbroich. An diesen Streiter für den Erhalt des Siebengebirges erinnert ein Denkmal am Ölberg und eine Straße in Römlinghoven. Vor allem der Drachenfels war durch den Steinbruchbetrieb gefährdet. Um ihn jedoch im Siebengebirge vollends zum Erliegen zu bringen, stellten die Städte Bonn und Köln sowie die Provinzialverwaltung Gelder zur Verfügung, und mit einer Lotterie kamen insgesamt 1,5 Millonen Mark zusammen, womit das entsprechende Gelände gekauft wurde.
Am 7. Juni 1922 wurde durch die preußische Regierung das Siebengebirge zum Naturschutzgebiet erklärt. Ein kleiner Verein war zum Gestalter des Naturschutzes für eine der schönsten Landschaften des Rheinlandes geworden. In Würdigung der im Siebengebirge geleisteten Arbeit, wegen des hohen Erholungswertes, in Anbetracht seiner landschaftlichen Schönheit und wegen seiner geologischen Einmaligkeit wurde das Naturschutzgebiet Siebengebirge im Jahre 1971 durch den Ministerausschuß des Europarates mit dem Europadiplom ausgezeichnet. Seit 1972 wird der Verschönerungsverein für das Siebengebirge von Dr. Richard Faßbender geführt.
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