Aufnahme: 1991

In Ittenbach gab es immer schon viele Musiker

Wenn man in der Festschrift "25 Jahre Ittenbacher Bläsercorps e.V." von 1991 blättert, kann man nur staunen über die musikalische Seite von Ittenbach schon früher, auch zum Beispiel darüber, wie eine Tuba aufs Fahrrad kam ... und erfährt: Vor dem Krieg gab es bei der freiwilligen Feuerwehr ein Tambourcorps, nach dem Krieg entstand in der katholischen Gemeinde dank dem Küster und Organisten Josef Block ein Bläserkreis, und die "Blau-weißen Funken" hatten ein eigenes Fanfarencorps. "Aus dem Gedanken der Ortsverbundenheit" verbanden sie sich 1966 zum Ittenbacher Bläsercops e.V.  Lesen Sie selbst: 

Vorgeschichte des Ittenbacher Bläsercorps' e. V.

Eine freie Erzählung nach den Lebenserinnerungen des Verfassers Werner Otto

Es war vielerorts nichts Außergewöhnliches, aber auch nicht selbstverständlich, daß ein bestimmter Personenkreis sich mit Musik beschäftigte. Bereits vor dem zweiten Weltkrieg - und sicherlich auch schon früher - wurde in dem zu dieser Zeit noch sehr kleinen Ort Ittenbach musiziert. Vorherrschend war der Gesang, aber es fanden sich auch Interessenten für das Instrumentalmusizieren. Die Ausbildung zum Flöten- und Trommelspiel war der Anfang des organisierten gemeinsamen Spielens. Geprobt wurde in Wohnzimmern und Werkstätten. Spieler, die glaubten, sich einigermaßen auf ihrem Instrument auszukennen, gaben ihr Wissen an andere weiter. Das Ergebnis aller Bemühungen war die formlose Gründung eines Tambourcorps bei der freiwilligen Feuerwehr. Mit Flöten, Trommeln und Tambourstab wurde noch in den Kriegsjahren zum Beginn des Wonnemonats Mai aufgespielt. Zur Freude der Ortsbewohner zog der Spielmannszug mit Sang und Klang durch den Ort, um zum fröhlichen Wecken aufzuspielen und den Mai zu verkünden.

Diese Art des Musizierens mußte aber bald einen innerörtlichen Wandel erfahren. Im Rahmen des nationalsozialistischen Wirkens wurden Jugendgruppen unterschiedlicher Betätigungsmöglichkeiten, wie Sport und Spiel, Basteln, Segelfliegen und, was im musikalischen Bereich bedeutungsvoll war, ein Fanfarenzug gegründet. Auch dieses Unterfangen fand bald durch die Kriegsereignisse ein Ende. Zerstörung und Trauer überschatteten den ansonsten so friedlichen Ort Ittenbach. Doch zeigte sich bald, daß trotz allen Elends die Keimzellen des Musizierens nicht erloschen waren. Hier und da erklangen meist aus hinteren Räumen spärliche Hörnertöne. Nun galt es, sich für ein gemeinsames Spielen zu finden. Es war die katholische Kirchengemeinde, die ihre Hilfsbereitschaft anbot, zumal der inzwischen ortsansässige Organist und Küster Josef Block selbst Spieler eines Blasinstrumentes war. Er gab die ersten Unterrichtsstunden und bemühte sich um die Anschaffung der erforderlichen Musikinstrumente. Sein aufopferungsvolles Engagement scheute nicht vor den Mühen zurück, eine Tuba per Fahrrad aus der Eifel nach Ittenbach zu holen.

In einem kleinen Fachwerkhaus gegenüber der katholischen Pfarrkirche ist das gemeinsame Musizieren geprobt worden. Die Räume waren so klein, daß der Schalltrichter der Tuba bis fast zur Zimmerdecke reichte und so als ungewünschter Schalldämpfer wirkte. Einer blies zwangsläufig dem anderen in die Ohren. Im Winter wurde ein Kanonenofen gefeuert. Freuten sich zuerst alle über die wohltuende Wärme, fehlte es schon bald an der so notwendigen Atemluft. Doch diese Unannehmlichkeiten hatten sich bald gelohnt. Regelmäßiges Proben und Wunsch zur Selbstdarstellung führten dann auch zu öffentlichen Auftritten bei kirchlichen Veranstaltungen. Der damalige Pfarrer Hambüchen war selbst ein Freund der Blasmusik. Als Dank für den selbstlosen Einsatz bei den Proben und die geleistete Kirchenmusik lud er alle Bläser zum Besuch in eine im elterlichen Besitz stehende Likörfabrik nach Krefeld ein. Küche und Keller boten das Beste. Es gab viel Spaß und Frohsinn.

Die Bläsergruppe hatte sich gefestigt. Hier und da fanden sich weitere Interessenten, die zur Freude aller durch ihr Mitspielen die Mannschaft verstärkten. So kam es dann auch zu weltlichen Auftritten; der Bekanntheitsgrad wuchs. Die Nachfragen häuften sich, darunter auch eine aus dem Ort Ittenbach. Es waren die "Blau-Weißen Funken", deren Wunsch es war, die für die tänzerischen Darbietungen erforderliche Musikbegleitung selbst zu stellen. Erste Gespräche zwischen Funken und Bläsern fanden 1963 statt. Aus dem Gedanken der Ortsverbundenheit lag nichts näher, als dem Wunsche der Blau-Weißen Funken zu folgen. Was anfänglich mit Fanfarenspiel begann, wurde in "dicke Blasmusik" umfunktioniert. Als es galt, die Bläser passend zu den Funken zu uniformieren, streikte der Dirigent. Auf eigenen Wunsch des Dirigenten kam es dann im Einvernehmen aller Beteiligten zum Dirigentenwechsel. Der ortsansässige gelernte Pianist und Orgelspieler Willi Halm, der bereits das Fanfarencorps der "Blau-Weißen" leitete und selbst Tuba blies, wurde sein Nachfolger. Er brachte es sehr schnell fertig, daß in Zukunft die Bläser von Kirche und Funken zusammen übten und spielten.
Diese Fusion brachte allen Bläsern beachtlichen Auftrieb. Die musikalische Vereinigung strebte dann sehr schnell nach Unabhängigkeit und Eigenständigkeit, was zur Gründungsversammlung am 20.06.1966 führte.

Werner Otto

Zum Foto: Links der Männerbläserchor mit Josef Block 1948 (siehe Datensatz 1426), rechts das Fanfarencorps der "Blau-weißen Funken" Anfang der 1960er Jahre

Mit dem Link unten finden Sie die Festschrift von 1991 im Museum

Quelle
Festschrift des Ittenbacher Bläsercops von 1991, S. 6f.
Zur Verfügung gestellt von
Robert Halm Hier kommen Sie zur Festschrift
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