Aufnahme: 1982
75 Jahre Ittenbacher Feuerwehr - Ausstellung und Festakt
Zu diesen beiden Anlässen berichtete die Siebengebirgs-Zeitung 1982 in zwei Artikeln von Günther Steeg:
Ausstellung mit der Provinzial-Versicherung in der Kreissparkasse
"Feuer ist teuer - vorbeugen billig". Unter diesem Motto zeigt anläßlich der 75-Jahrfeier der Freiwilligen Feuerwehr Ittenbach die örtliche Kreissparkasse in Zusammenarbeit mit der Provinzialversicherung bis zum 30. August eine Informationsausstellung über die häufigsten Brandursachen und ihre Vermeidung im häuslichen Bereich. "Es geht uns darum", so Bezirksdirektor Hermann-Josef Fischenich von der Provinzial, "im Rahmen unserer Verpflichtung zur Schadensverhütung der Öffentlichkeit zu demonstrieren, was alles aus Unachtsamkeit im häuslichen Bereich passieren kann und wie sich das vermeiden ließe. Immer häufiger kommt es vor, daß Wohnungen oder ganze Häuser aus Leichtsinn oder Fahrlässigkeit in Schutt und Asche fallen."
Die dritte Schulklasse Ittenbach besuchte im Juli dieses Jahres die Feuerwehr. Anschließend wurde ihr zur Aufgabe gestellt, Bilder zum Thema "Brennendes Haus" zu malen. Die besten Kinderbilder dazu bildeten nun einen Teil der Ausstellung. Vervollständigt wird die Schau durch die 50 Jahne alte Tragkraftspritze, deren Leitungsvermögen 600 Liter pro Minute war. Als besondere Attraktion kann man die Feuerwehrhelme aus Österreich, der Schweiz, USA, England, Frankreich, Italien und der Bundesrepublik betrachten. Die Kostbarkeiten werden in einer verschlossenen Vitrine gezeigt, wurden jedoch für wenige Minuten für ein Pressebild aus dem Glaskasten herausgeholt. Die Ausstellung wird umrahmt von Bildern, Dokumenten, Urkunden und Schaustücken aus dem Depot und Archiv der Freiwilligen Feuerwehr. So ist das alte Ortsstatut der Feuerwehr der Landgemeinde Ittenbach aus dem Gründerjahr 1907 noch vorhanden. Zahlreiche Bilder dokumentieren die 75jährige Geschichte der Ittenbacher Feuerwehr. Furchtbar die Bilder der zahlreichen Unfälle, vor allem auf der Autobahn, bei denen die Feuerwehr im Einsatz war. Die Wehr ist heute eine gut geschulte Mannschaft und mit modernen technischen Geräten ausgerüstet und verfügt auch über eine Jugendwehr.
Mit jährlichen Theateraufführungen wird die Geselligkeit von der Wehr gepflegt. Direktor Rudolf Schreiber von der Sparkasse betonte, daß die Wehr hoffentlich nicht oder nur selten zum Einsatz gerufen werde. Direktor Fischenich von der Provinzial überreichte bereits 14 Tage vor dem Jubiläum der Ittenbacher Wehr eine Urkunde und ein Geldgeschenk.
Ittenbachs Wehrchef Georg Löbach bemerkte, daß zwar die Häuser heute aus Beton und Stahl nicht mehr so brandgefährdet seien als die früheren Häuser. Dafür sei aber die Brandgefahr heute doppelt so hoch durch die vielen brandgefährdeten Wohnungseinrichtungen. Die Ausstellung solle zeigen, wie man sich bei Bränden verhalten soll. Bürgermeister Günter Hank lobte die schlagkräftige Königswinterer Feuerwehr, die aus über 470 Mitgliedern besteht. Im Stadtgebiet Königswinter gibt es zehn Feuerwehrhäuser und das Gesamtvermögen aller Wehren im Stadtgebiet betrage rund zehn Millionen Mark. Damit sei der Feuerschutz in der Stadt Königswinter gewährleistet. Hank erinnerte an die Brände der Hotels Adler, Westfalenhof und Loreley, an den Brand bei der Firma Lauffer, den Brand in der Oberpleiser Pastorat und die zweimaligen Großbrände bei der Firma Didier. Direktor Fischenich von der Provinzial berichtete, daß vor 300 Jahren die erste Feuerkasse gegründet worden sei und daß heute die deutschen Feuerversicherer jährlich rund drei Milliarden Mark für Brandschäden zahlen.
Bildunterschrift: Die kleinen Ittenbacher bestaunen die erste Tragkraftspritze der Ittenbacher Feuerwehr aus dem Jahr 1932.
In der Siebengebirgs-Zeitung Nr. 35 vom 03.09.1982 erschien folgender Artikel ohne Bild von Günther Steeg unter der Überschrift:
Festakt zum 75jährigen Bestehen der Wehr
„Die Feuerwehr Ittenbach hat in den vergangenen 75 Jahren Hervorragendes geleistet." Mit diesen Worten sprach Stadtdirektor Franz-Josef Schmitz als Chef der Wehr der Löschgruppe Ittenbach beim Festkommers anläßlich des Jubiläums die Glückwünsche aus. In seiner Festansprache würdigte der Stadtdirektor die Hilfeleistung der Ittenbacher Wehr, die in den siebeneinhalb Jahrzehnten stets den Anforderungen gerecht wurde. Als Stützpunktfeuerwehr komme der Löschgruppe Ittenbach, so Schmitz, nicht nur eine besondere Aufgabe im Löschzug II zu, ihre Bedeutung zeige sich auch darin, daß zu ihrem Zuständigkeitsbereich der in der Stadt liegende Abschnitt der Autobahn Köln-Frankfurt gehöre. Der Ausbildungsstand sowie die Einsatzbereitschaft und die Erfahrung der Männer mache die Ittenbacher Wehr unentbehrlich bei Hilfeleistungen, bei Unfällen und Unglücken auf der Autobahn.
Vor allen Dingen dankte Schmitz den Blauröcken für die Freiwilligkeit. Das Wort „Gemeinsinn“, das man heute nur noch selten höre, sei über 75 Jahre in der Ittenbacher Wehr geübt worden. Eingehend auf den Dienst auf der Autobahn meinte der Festredner: „Wir alle wären wohl nicht in der Lage, bei den oft grauenvollen Unglücken Hilfe zu leisten. Daher besonderer Dank an die Ittenbacher Wehrkameraden." Schmitz ging auf ein Ereignis im Jahre 1923 ein. In der Inflationszeit bearbeiteten die Wehrleute ein zwei Morgen großes Ackerstück. Von dem Erlös der Ernte wurden Ausrüstungsgegenstände angeschafft. Dann erinnerte Schmitz an das Jahr 1952, als in Eigenarbeit ein Gerätehaus eingerichtet wurde. In einer Zeit, in der alles vom Staat erwartet wird, sind dies sicherlich Beispiele, die für viele unwirklich erscheinen." Schmitz überreichte ein Geldgeschenk. Humorvoll meinte Bürgermeister Günter Hank, der für jedes Jahr des Bestehens einen Liter Kölsch überreichte und einen Blumenstrauß an die Gattin des Wehrführers, Georg Löbach: „Wenn man die eingeborenen Ittenbacher Namen wie Halm, Büllesfeld, Leven und Haacks hört, muß man unwillkührlich an die Wehr denken. Heute sind die Enkel dieser Gründermitglieder in der Wehr. Stolz sein können wir darauf, was in den vergangenen 75 Jahren in Ittenbach geschehen ist. Die Feuerwehr ist auch ein Kristallisationspunkt gesellschaftlichen Lebens. Denn zum schweren Einsatz auf der Autobahn und bei Bränden gehören auch Entspannungszeiten." Dank sprach Hank auch den Wehrfrauen aus, die auf ihre Männer verzichten müssen, wenn die Sirene zum Einsatz ruft.
Bezirksbrandmeister Hank Schröder überbrachte die Glückwünsche des Deutschen Feuerwehrverbandes und sprach Worte des Dankes an Rat und Verwaltung für ihre stetige Unterstützung der Wehr. Kreisbrandmeister Heinz Kerz überreichte unter dem Beifall aller Wehrkameraden dem Ittenbacher Wehrchef, Hauptbrandmeister Georg Löbach, die Ehrennadel des Feuerwehrverbandes und zum Jubiläum der Wehr einen Silberteller. Zu den Gratulanten gehörten auch die Wehrfrauen, die Ittenbacher Chöre, Ratsmitglied Karl-Heinz Görres für die CDU, Ilse Kehren für die FDP und Pfarrer Heinrich Hambüchen. Görres dankte namens seiner Partei für den schnellen Einsatz, denn die Sirene sei noch nicht verstummt, dann rasten schon die ersten Wehrleute mit dem Einsatzwagen zur Brandstelle. Er brachte der Wehr nicht nur einen Scheck mit, sondern auch einen bayerischen Bierseidel. Ilse Kehren stiftete persönlich zwei Wehranzüge für die Jugend und einen weiteren von der FDP. Wir können mit Hochachtung auf die Wehr herabschauen", betonte Monsignore Pfarrer Heinrich Hambüchen, der ebenfalls ein Geschenk zur Ausgestaltung des Gerätehauses mitgebracht hatte: ein großes Bild der heiligen Barbara, der zweiten Schutzpatronin der Wehrleute. Stadtbrandmeister Theo Lämbgen gratulierte und schenkte im Namen der übrigen neun Wehren im Stadtgebiet einen Fotoapparat. Josef Pütz von der Altstadt-Wehr brachte eine Granitplatte zur Heimausgestaltung mit. Rolf Görres, der für die Ittenbacher Ortsvereine die Glückwünsche aussprach, hatte 250 Gläser mit Inschrift für das Jubiläum mitgebracht und für jede anwesende Dame eine rote Rose. Die Ittenbacher Bläser gestalteten die Festfeier musikalisch.
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