70 Jahre Ittenbacher Wehr

Aufnahme: 1977

70 Jahre Ittenbacher Wehr

Ausstellung - Tag der "Offenen Tür"

Die Siebengebirgs-Zeitung berichtete:

Um die Jahrhundertwende lag der Brandschutz in Ittenbach noch sehr im Argen. Eine kleine Druckspritze war von der Gemeinde beschafft worden, jedoch fehlte die ausgebildete Mannschaft.

Dies erklärte Hauptbrandmeister Georg Löbach, Chef der Ittenbacher Wehr, am Sonntagmorgen bei der Eröffnung der 70-Jahrfeier der Freiwiligen Feuerwehr der Siebengebirgsgemeinde Ittenbach. Aus Anlaß dieses Jubiläums hatte die Wehr zu einem Tag der "Offenen Tür" eingeladen.

Draußen vor dem Gerätehaus hatte die Wehr ihre Fahrzeuge aufgestellt. Besonders die Jugend interessierte sich für die Einrichtung der roten Autos. Im Gerätehaus selber war in mühevoller Kleinarbeit eine Ausstellung vorbereitet worden und zu besichtigen, die einen Querschnitt durch das Feuerlöschwesen der letzten 70 Jahre in Ittenbach sowie im damaligen Siegkreis vermittelte.

So fanden vor allen Dingen Interesse die Pumpen von der Jahrhundertwende bis zum heutigen komfortablen Pumpgerät. Ebenso war eine Handpumpe ausgestellt worden, wie man sie zu Beginn des Feuerlöschwesens benutzte. Ferner konnte der Besucher sich anhand des Hebegerätes und der Rettungsschere informieren, wie man verunglückte Autos hebt und mittels der Rettungsschere eingeklemmte Verletzte befreit.

Ausgestellt waren auch Bergungs- und Atmungsgeräte sowie Rauchmeldeanlagen, Beleuchtungsgeräte und Ölbekämpfungsgeräte. Besonders belächelt wurde ein Horn, mit dem vor Jahrzehnten ein Feuerwehrmann durch den Ort raste und im Gefahrfalle die Wehrleute alarmierte. In die Neuzeit versetzt: Feuerlöscher, Atmungs- und Funkgeräte.

Zu erwähnen sei dann noch die ausführliche Chronik der Wehr, die auf einem besonderen Tisch gelesen werden konnte.

Die Feierlichkeiten begannen bereits am Samstagabend mit einem Gottesdienst und einem anschließenden Kameradschaftsabend. Am Sonntagvormittag konnte Wehrchef Löbach Bürgermeister Hank, Stadtdirektor Schmitz, viele Ratsmitglieder und Abordnungen der Nachbarwehren begrüßen. Mit dem Besuch war der Vorstand der Wehr sehr zufrieden.

Musikalisch wurde der Tag der „Offenen Tür" von den Spielmannszügen Eudenbach und Ittenbach umrahmt. Die Sängerinnen und Sänger des Kirchenchores und der "Eintracht" erfreuten mit gesanglichen Darbietungen.

Ständig besucht waren auch die Filmvorführungen über das Feuerlöschwesen in Ittenbach und im Allgemeinen. Die Frauen hatten einen guten Kaffee zubereitet und zu Mittag gab es eine schmackhafte Gulaschsuppe. Bürgermeister Hank dankte der Wehr für ihren Einsatz, besonders auf der Autobahn.

Und weiter aus der Chronik, die von Georg Löbach vorgetragen wurde. Auf Anregung des damaligen Bürgermeisters Kreitz aus Königswinter, der gleichzeitig Bürgermeister des Amtes Königswinter-Land war, wurde eine Pflichtfeuerwehr mit 40 Mitgliedern im Jahre 1905 gegründet. Otto Land wurde zum Leiter bestellt. Bald stellte sich heraus, daß eine Pflichtfeuerwehr fehl am Platze war.

Im Mai 1907 wurde dann eine freiwillige Feuerwehr gegründet. 26 Männer meldeten sich und wählten nach einigen Diskussionen Otto Land wieder zu ihrem Leiter. Drei Abteilungen wurden gebildet, mit den Abteilungsleitern Peter Büllesfeld, Friedrich Halm und Clemens Leven. Zwei Hornisten sorgten für die Alarmierung, ein Sanitäter erhielt die notwendige Ausbildung. Doch mit der Gründung allein war es nicht getan. Es stellte sich heraus, daß fast alles fehlte, was zu einer ordentlichen Brandbekämpfung notwendig war. Einzelne Gerätschaften wurden von der Gemeinde, andere von Spendern beschafft.

Die Uniformen wurden von den Wehrmännern selbst bezahlt. Ein auswärtiger Brand, bei dem die Ittenbacher Feuerwehr tatkräftig Hilfe leistete, gab Anlaß zur Beschaffung einer Schlauchkarre. Dank der Einsatzfreudigkeit der Wehrmänner war die Feuerwehr bis 1914 in bester Ordnung. Der Ausbruch des ersten Weltkrieges brachte einen schweren Rückschlag. Fast alle Mitglieder wurden zum Heeresdienst einberufen.

Nach dem Krieg blieb die Zahl der Mitglieder wegen Uniformmangel auf 26 begrenzt.

Im Jahr 1922 fand zum ersten Male der Kreisfeuerwehrtag in Ittenbach statt. Um bei diesem Tag eine bessere Übungs- und Einsatzmöglichkeit zu haben, erhielt die Feuerwehr eine ältere Druckspritze von der Feuerwehr Siegburg.

Das Jahr 1933 brachte den Zusammenschluß der Feuerwehren innerhalb der Stadt und des Amtes Königswinter. Die Feuerwehr Ittenbach bildete den Löschzug vier. Alle Wehrleute über 60 Jahre wurden aus dem aktiven Dienst entlassen und die Zahl der Mitglieder auf 36 erhöht. Die unbedingte Freiwilligkeit wurde eingeschränkt und die Feuerwehr erhielt immer mehr polizeilichen Charakter.

Zum Kreisfeuerwehrtag 1934 in Ittenbach erhielt die Feuerwehr die erste Motorspritze. Der zweite Weltkrieg brachte einen neuen Rückschlag, wieder wurden fast alle Aktiven an die Front gerufen. 1945 wurden alle Geräte und auch das Gerätehaus vernichtet. Bei der Neuaufstellung im gleichen Jahr übernahm Karl Haacks die Führung der Wehr.

Im Jahre 1946 konnte durch einige Mitglieder eine Motorspritze "kompensiert" werden. Kreisbrandmeister Reusch brachte die ersten 200 Meter Schlauch und so konnte ein geordneter Übungsbetrieb wieder beginnen. Das Jahr 1955 brachte der Feuerwehr das erste Löschfahrzeug.

1967 wurde als eine der ersten im Siegkreis eine Jugendfeuerwehr gegründet. Im gleichen Jahr trat Karl Haacks nach 22-jähriger Tätigkeit als Oberbrandmeister zurück. Er wurde Ehrenoberbrandmeister. Georg Löbach übernahm die Führung der Wehr.

1969 erhielt die Feuerwehr das erste Großfahrzeug. Mit diesem Fahrzeug wurde der Aufgabenbereich der Feuerwehr auf die Bundesautobahn erweitert.

1969, das Jahr der Gebietsreform, machte die ehemals selbständige Feuerwehr wieder zu einer Löschgruppe der Stadt Königswinter. Im März 1970 konnte die Feuerwehr in das neuerbaute jetzige Gerätehaus einziehen. Es ist dies die vierte Unterkunft in den vergangenen 70 Jahren. Das neue Kriegerdenkmal wurde hauptsächlich von der Feuerwehr erstellt. Außerdem wurden von der Feuerwehr eine Schutzhütte am Oelbergrundweg und eine an der Frühmeßeiche errichtet.

Die Löschgruppe hat 34 Aktive, 18 Mitglieder in der Alterswehr und 13 in der Jugendwehr. gst.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 35 vom 02.09.1977
Zur Verfügung gestellt von
Paul Winterscheidt
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