Abgebildete Personen
Aufnahme: 1981
150 mal Urlaub in Ittenbach
Ein holländisches Ehepaar hat schon 150 mal Urlaub in Ittenbach gemacht
Die Siebengebirgs-Zeitung berichtete:
"Freundschaften der Völker sind gut, doch Freundschaften von Familien zweier Länder sind noch besser." So Rolf Görres, Vorsitzender des Ittenbacher Verschönerungsvereins am Samstagvormittag in der Ittenbacher Gaststätte "Zur alter Post". Dort wurde ein holländisches Ehepaar geehrt, das seit über 30 Jahren nun schon mehr als 150 mal in Ittenbach und das immer in der gleichen Gaststätte Urlaub, und sei es auch nur für einige Tage, gemacht hat. Direktor J. H. Dorrestijn war überrascht, als er am Freitagabend zu einem erneuten Urlaub in Ittenbach eintraf und ihm eröffnet wurde, er solle am Samstagmorgen die behagliche Gaststätte nicht verlassen. Rolf Görres nutzte die kleine Feierstunde, dem Ehepaar Dorrestijn ein Buntbild mit einer Ansicht von Ittenbach zu überreichen und noch viele weitere schöne Urlaubstage im Siebengebirge, vornehmlich aber in Ittenbach, zu wünschen.
Manfred Siebertz und seine Mutter überraschten das holländische Ehepaar mit einer Kiste Siebengebirgswein. In all den Jahren hatte Gastwirt Manfred Siebertz herausgefunden, daß Herr und Frau Dorrestijn gerne einen guten Tropfen genießen. Marlene Rohleder vom städtischen Verkehrsamt ließ es sich auch nicht nehmen, die Glückwünsche der Stadt zu überbringen. Sie gratulierte mit einem Weinpräsent für den verhinderten Bürgermeister und mit einem Bildband und Informationsmaterial über Königswinter und Ittenbach namens des Verkehrsamtes.
Zu dieser für die Familie Dorrestijn unerwarteten Ehrung kamen auch alte Freunde: Karl Heider und Hans Prinz. Sie alle gratulierten mit einem flüssigen Präsent. Karl Heider bezeichnete Direktor Jan Hendrick Dorrestijn als "Freund des Landes". In seinen Dankesworten sagte der Jubiläumsurlauber, daß man auch in der heutigen schweren Zeit Mensch bleiben soll. Er hegte die Hoffnung, daß trotz aller Widerwärtigkeiten bald die Grenzen fallen mögen und daß es nur noch ein Europa ohne Pässe geben möge.
Beim Umtrunk erklärte Rolf Görres, daß die Familie des Freundes aus Holland bereits nach Ittenbach gekommen ist, als sich Deutschland noch von den Kriegsfolgen erholte, als Ittenbach noch im Aufbau war, als die ersten Holländer uns wieder Tulpen und Gemüse lieferten, als die holländischen Matjes wieder nach hier reisten und als viele Holländer wieder ihren höchsten Berg, den Drachenfels, bestiegen.
Eigentlich wollte das Ehepaar Dorrestijn 1949 irgendwo Urlaub machen, doch überall wurde es abgewiesen. Beim alten "Siebertz Pitter" erhielten sie für eine Nacht Unterkunft und Verpflegung. Am nächsten Tag reiste das Ehepaar, das in den folgenden Jahren mit Kindern und Enkelkindern nach Ittenbach kam, zum Nürburgring. Doch dort war sowohl Unterkunft als auch Verpflegung mehr schlecht als recht. Jan Dorrestijn rief vom Nürburgring aus Peter Siebertz an. Dieser war bereit, das holländische Ehepaar wieder aufzunehmen. Und daraus entstand die nun schon drei Jahrzehnte andauernde Freundschaft.
Jan Dorrestijn ist in Ittenbach längst kein Unbekannter mehr. Überall begrüßt man ihn als „Unser Jan". Als er am Freitag ankam und aus seinem Wagen ausstieg, riefen einige Ittenbacher sofort: „Das ist doch der Jan." Und Jan will sich nach seiner Pensionierung in Ittenbach eine Bleibe suchen und den Siebengebirgsort zur zweiten Heimat werden lassen. Dann will er auch alle Berge ersteigen. Bisher hat es trotz der vielen Besuche nur für Olberg, Drachenfels und Petersberg gereicht.
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