Aufnahme: 2002

"Wir sind doch ein Dorf und keine Großstadt"

Parkgebühren und 18 neue Schilder sind den Ittenbachern suspekt. Pendler sollen von der Kirchstraße vertrieben werden. Bedenken gegen absolutes Halteverbot

Unter diesen Überschriften berichtete der Bonner General-Anzeiger über die Bürgerversammlung:

ITTENBACH. Der Straßenverkehr bleibt für die Ittenbacher ein brisantes Thema. Die Stadtverwaltung hatte die Bürger für Dienstagabend zu einer Informationsveranstaltung und Anhörung rund um das Verkehrskonzept Marienplatz und Kirchstraße in die „Alte Post“ eingeladen. Bürgermeister Peter Wirtz sowie Heinz-Georg Willmeroth, Gernot Horn und Walter Stricker von der Stadtverwaltung vertraten die Kommune. Bedrohlich klang manches, was sie sich anhören mussten: „Sie werden sich eine Ohrfeige holen“, warnte ein Bürger, der von seinem Sitz aufgesprungen war.
Zuvor hatte Horn eine grobe Planung präsentiert, mit der Verkehrsprobleme im Ittenbacher Ortskern gelöst werden sollen. Vor allem die Kirchstraße soll entlastet werden. Zurzeit werde sie zur Hauptverkehrszeit zwischen 6 und 10 Uhr besonders bergauf als Ausweichstrecke für Pendler von der Königswinterer Straße genutzt. 208 Fahrzeuge bewegten sich bei einer Verkehrsdatenerhebung im Juni zwischen 6 und 10 Uhr aus Richtung Kindergarten zur Kirche. „Diesen Durchgangsverkehr kann man loswerden“, sagte Horn - und zwar durch Postierung von Einfahrtverbotsschildern an der unteren Mündung der Kirchstraße. Irma Schneider, Vorsitzende des Bürgervereins VVI, gab zu bedenken: „Von einer Schließung wären viele Eltern betroffen, die ihre Kinder zur Schule bringen möchten.“ Die Kirchstraße soll nach Horns Aussage auf keinen Fall Einbahnstraße werden. Es gehe nur um die untere Zufahrt. Eine Einbahnstraßenregelung biete sich deshalb nicht an, weil dadurch bergab fahrende „Raser“ begünstigt würden. Schon jetzt fahren 15 Prozent der gemessenen Fahrzeuge zur genannten Zeit schneller als 52 Stundenkilometer in Richtung Kindergarten.
Das Konzept der Verwaltung sieht eine verkehrsberuhigte Straße vor, in der alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind. Sie soll ab der Kirche bis zur Einmündung des Pfarrer-Franßen-Wegs eingerichtet werden. Während dieser Vorschlag auf Zustimmung bei den Bürgern traf, regte sich Widerstand gegen härtere Parkvorschriften. „Parkplätze kosten die Stadt Geld“, gab Horn zu bedenken - Geld, das über Parkscheinautomaten am Marienplatz wieder hereingeholt werden könne. Eine Parkscheibenpflicht wurde für den Bereich Königswinterer Straße und Kirchstraße bis zum Gotteshaus vorgeschlagen. Im weiteren Bereich - also auch in der verkehrsberuhigten Kirchstraße - könnte Dauerparkraum angeboten werden.
Ein absolutes Halteverbot von 15 Metern Länge schlug die Verwaltung an der Einmündung der Kirchstraße in die Königswinterer Straße am Marienplatz vor. „Wir beobachten dort sehr kritische Verkehrssituationen“, erläuterte Horn die Notwendigkeit. Rückstaus und Gefahrensituationen beim Abbiegen könnten entschärft werden. Etliche Ittenbacher fanden jedoch, dass diese Lösung zu weit gehe. Gerade Kurzparker könnten dann ihre Wagen nicht mehr beladen. Franz Gasper von der CDU argumentierte für das Halteverbot: „Der Gehweg soll nicht zum Parken benutzt werden.“
Das vorgetragene Parkkonzept - die Vertreter der Stadt legten Wert auf dessen Vorläufigkeit - wurde scharf kritisiert: Ittenbachs Geschäftsleute würden gegenüber anderen Ortsteilen benachteiligt, hieß es. „Wir sind kein Wohnraum wie das Bonner Zentrum“, gab Annette Hirzel vom VVI zu bedenken. Vor sechs Jahren habe man 1400 Unterschriften gegen Parkgebühren gesammelt. Das dürfe heute nicht vergessen sein, forderte Hirzel. „18 neue Schilder - wir sind doch ein Dorf und keine Großstadt“, wandte ein weiterer Bürger gegen das Konzept ein. Mit Blick auf das Gesamtkonzept mahnte Bäckermeister Frank Blesgen: „Ittenbach hat ein schönes Gefüge - ändern Sie da bloß nicht zu viel.“

Quelle
Bonner General-Anzeiger vom 19.12.2002
Zur Verfügung gestellt von
Annette Hirzel
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