Aufnahme: 1985
"Mit dem Kopf gegen die Wand bringt nichts"
Unter dieser Überschrift berichtete das EXTRA BLATT zur Diskussion über Südtangente und Verkehrsentlastung in Ittenbach:
"Erhöhter Verkehr auf der L 331 seit Öffnung der B 42n. Belästigung der Ittenbacher durch Lärm und Schmutz. Eine Möglichkeit, diesen Ortsteil zu entlasten, wird im Bau der Südtangente gesehen. Das hingegen ist eine umstrittene Auffassung. Der SPD-Ortsteilverband hatte jetzt die Bürger zur Diskussion in die Gaststätte Sonneneck eingeladen. ,,Eines muß verhindert werden: Daß an Ittenbach die Entwicklung vorbeigeht. Die Ittenbacher sind in dieser Frage die Tangiertesten", bemerkte der SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Wilhelm Nöbel, der eigens wegen dieser Thematik ins Siebengebirge gekommen war. Allerdings sei das Problem Südtangente in einer etwas prekären Ausgangslage. Im Februar '83 habe er mit eine Dringlichkeitsentscheidung unterzeichnet. Der Kreisausschuß und der Kreistag hätten danach auch einstimmig so beschlossen. Sei der Bau damals für die SPD-Ortsvereine aus Königswinter, Bad Honnef und St. Augustin eine klare Sache gewesen, so plädierten die St. Augustiner Sozialdemokraten nun gegen die Südtangente, und auch in der Kreistagsfraktion und im Unterbezirk bestünde eine Mehrheit, die sich gegenüber dieser Tangente ablehnend verhalte.
- Beschlußlage sei die Aussage im Wahlprogramm, die Verkehrsabflüsse nach Fertigstellung der A 560 (Buisdorf-Menden) abzuwarten. Zudem machte Wim Nöbel auf eine Unterbezirkskonferenz am 27. September, die sich mit Verkehrsplanung beschäftigen wird, aufmerksam. Dann gelte es, nicht zuletzt für die Ittenbacher, Vorschläge in die Debatte einzubringen. - Als Gedankenaustausch diente denn auch die Diskussion. Zahlen legte SPD-Ortsvereinsvorsitzender Henning Nase auf den Tisch. - Alle Nord-Süd-Linien seien durch die B 42 n entlastet worden, so Aegidienberg-Thomasberg, Thomasberg-Stieldorf. Zusätzlich belastet worden, so hätten es die Verkehrszählungen ergeben, die Ost-West-Linien, also die Strecke Ittenbach zur B 42 n und Thomasberg-Oberdollendorf. Entlastung in der Spitzenzeit zwischen 7 und 8 Uhr habe Niederdollendorf erfahren. So seien im Mai '84 1033 Kfz, ein Jahr später nur noch 307 Kfz registriert worden. Mit 272 zu 504 Kfz hätten sich in Oberdollendorf, Heisterbacher Straße, Abzweig K 25, die Verhältnisse zur gleichen Zeit verschlechtert. Auf der Margarethenhöhe Richtung B 42 n seien 1984 im Mai 405, 1985 679 Kfz gezählt worden. Im Innenbereich Ittenbachs wären die Zahlen von 431 auf 680 geklettert. Zurückgegangen sei aber die Zahl der Kraftwagen, die Ittenbach Richtung Oberpleis passieren. - Nutzer aus dem Talbereich Königswinters, Bad Honnefs und eventuell auch aus Rheinland-Pfalz, die nun die B 42 n bevorzugen, um in den Siegburger oder St. Augustiner Raum zu gelangen. Nicht zu koordinieren sei nach Nases Ansicht die Situation von Ittenbach - Verkehrszunahme durch die Autobahnabfahrt - und Dollendorf - durch Zunahme aus dem Thomasberger Raum. Durch die Südtangente würde der Verkehr nicht zurückgehen, die Thomasberger würden diese Strecke nicht nutzen. Durch diese Tangente, so die Meinung Nases, könne höchstens der ursprüngliche Zustand, aber keine Verbesserung darüber hinaus erzielt werden. Vorschläge, die in der letzten Regionalkonferenz gemacht worden waren, fanden Anklang: Die ,,Verbannung" des Schwerlastverkehrs - außer Anlieger - aus Ittenbach, sobald die Anbindung an die A 560 in Buisdorf erfolgt sei, der Bau einer Umgehungsstraße, vielleicht mit Tunnel, wenngleich das in der Ittenbacher Umgebung sicher schwierig sei. Ohne dieses Problem konkret beurteilen zu können, regte Dr. Nöbel an, möglichst schnell wegen einer Umgehungsstraße vorzusprechen. Statt der Millionen für die Südtangente könne dann vielleicht mit einem kleineren Teil dessen eine Umgehung in Tieflage in Ittenbach geschaffen werden. Mit Abfahrtsverbot - Schildern an der Autobahn könne der Fall Schwerverkehr „geritzt" ?ein, sobald die Anbindung der A 560 vollzogen sei. Danach sollten zudem schnellstens verkehrsberuhigende Maßnahmen im Ort, wie sie von Diskussionsteilnehmern erörtert worden waren, vorgenommen werden. Mit dem Kopf gegen die Wand rennen, reiche nicht aus, bringe nichts. - „Ittenbach muß zum Problem des Unterbezirks gemacht werden", meinte Nöbel. An einem Konzept, welches dem SPD-Unterbezirk vorgetragen werden soll, arbeiten die Ittenbacher nun. Die Hilfe ihres Abgeordneten ist ihnen gewiß. Zur Schnellbahntrasse Köln-Frankfurt bemerkte der Bundestagsabgeordnete, daß deren Bau wohl kaum zu stoppen sei. Sein Rat: Nicht in die Position des Zuschauens und der Nörgelei gehen sondern die Trassierung beeinflussen, Lärmschutzmaßnahmen fordern. Die Bahn habe verlauten lassen, lieber in Tunnel als in langwierige Prozesse Geld zu stecken."
Bildunterschrift: Zur Diskussion über die Verkehrsverhältnisse waren auch Dr. Wilhelm Nöbel (2.v.r.) und Henning Nase (r) gekommen. Links Ortsteilbeauftragte Marianne Schöler und deren Stellvertreter Dieter Ebel.
Etwas zu ergänzen?
Kennen Sie abgebildete Personen, das Jahr oder Hintergründe zu diesem Bild? Schicken Sie uns einen Hinweis – wir prüfen ihn und ergänzen das Objekt.