Aufnahme: 2006
Vor 400 Jahren, im Jahr 1621, wütete die Pest auch in Königswinter
Deshalb machten sich ab 1622 auch die Königswinterer zu Pestwallfahrten auf. 20 Jahre später, 1641, wurde das Margarethenkreuz, dem die Margarethenhöhe ihren Namen verdankt, am Wallfahrtsweg von Ittenbach zum Petersberg (Petersberger Bittweg) errichtet.
Der Heimatverein Königswinter sorgte 2006 in Kooperation mit dem Bürgerverein VVI e.V. Ittenbach dafür, dass dieses Kreuz auf festeren Untergrund versetzt und damit gesichert wurde.
Über die Geschichte und Bedeutung des Margarethenkreuzes und die Initiative zur Sicherung berichtete der Bonner General-Anzeiger:
Es war am Morgen auf Sankt Laurentius anno 1622. Aus den Häusern in Königswinter huschten Männer, Frauen und Kinder. An der Kirche umringten sie Pfarrer Johannes Mertens. Der Geistliche blickte in traurige und verhärmte Gesichter. Alle hatten sie in den letzten Monaten Angehörige verloren.
377 Opfer hatte der schwarze Tod geholt, seitdem seit Pfingsten 1621 die Pest unerbittlich auch in dem Städtchen am Fuße des Drachenfels wütete. Die Älteren aus der Gruppe blickten mitleidig auf die Mädchen und Jungen. Was würden diese noch alles mitmachen müssen, wenn sie nicht überhaupt auch noch dahingerafft würden von der grassierenden Epidemie. Als sie selbst jung waren, da hatten sie erlebt, wie die Truppen des abgesetzten Erzbischofs und Kurfürsten von Köln, Gebhard Truchseß von Waldburg, unter Hauptmann Buys ihre Häuser in Brand gesteckt hatten. Im Jahre 1583 war's. Dann kamen die Söldner des Nachfolgers Ernst von Wittelsbach, befestigten das Örtchen Coinxwinter wieder und verteidigten es gegen die truchseßschen Truppen unter Casimir von der Pfalz. Ach, wer hatte am meisten zu leiden, die Armen.
Heute begaben sich die Königswinterer zum ersten Mal auf eine Pestwallfahrt zum Kloster Marienforst, zwischen Pech und Villip auf der anderen Rheinseite, um dort eine Reliquie des Heiligen Sebastianus, des Schutzheiligen gegen die Pest, anzurufen. Drei Kranke ließen sie in der Stadt zurück. Das Wunder geschah: Der Überlieferung nach waren diese von der Fäulnis Befallenen gesundet, als die Wallfahrer nach Hause zurückkehrten. Und es soll auf lange Zeit keine Pestfälle mehr in Königswinter gegeben haben. Bei den alljährlichen Prozessionen aber blieb es. Allerdings: Nachdem das linksrheinische Gebiet im Oktober 1794 von französischen Revolutionstruppen besetzt wurde, fand ab 1795 die Pestwallfahrt zum Petersberg statt. Diese Erhebung war durch die Ansiedlung der Augustiner und später vorübergehend auch der Zisterzienser schon lange Ziel von Bittgängen.
Aus Königswinter, Oberdollendorf, Heisterbacherrott und Ittenbach zogen Menschen zur Kapelle auf dem Plateau. Aus dem Jahre 1312 existieren erste urkundliche Hinweise auf Wallfahrten: In Avignon versammelte Bischöfe gewährten Gläubigen, die an bestimmten Festtagen zur Kapelle auf dem Petersberg pilgerten und dort eine Spende gaben, zum Nachlass ihrer zeitlichen Sündenstrafen einen Ablass von 40 Tagen. Der Köln Erzbischof dehnte den Erlass um weitere 40 Tage aus. Wallfahrtstage waren Weihnachten, Ostern, Christi Himmelfahrt, Pfingsten, die Festtage der Gottesmutter Maria und die sechs Freitage der Fastenzeit. Einen vollkommenen Ablass gewährte Papst Pius VI. 1779 all jenen, die innerhalb von sieben Jahren zu Peter und Paul, Mariä Verkündigung sowie zu einem der sechs Fastenfreitage zur Petersbergkapelle pilgerten.
Zumindest einen Nachlass ihrer zeitlichen Sündenstrafen erlangten alle, die an anderen per Verordnung festgelegten Tagen während der Fastenzeit auf den Berg stiefelten. Aus Erzählungen von Oberdollendorfer Greisen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts ist bekannt, dass Pilger, in Büßergewänder gehüllt, mit schweren Kreuzen beladen, von weit her kamen, um für ihre Sünden Abbitte zu leisten. Auf dem Petersberg flehten die Menschen auch um gute Ernten und besseres Wetter. Holzkreuze markierten die Bittwege zunächst.
Es fing an in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts- da wurde an diesen Pfaden eine Reihe von gestifteten Andachtswerken aus Stein errichtet. Wenn die Ittenbacher aus dem Tal loszogen, ging es über die Rosenau, wo sie bereits 1622, im Pestjahr also, ein Kreuz aufstellten. Damals gehörte Ittenbach noch zur Pfarrei Königswinter; erst 1660 erhielt der Ort eine eigene Kapelle. Und die Gläubigen von dort dürften auch bei der ersten Prozession nach Marienforst dabeigewesen sein.
1641 errichteten ein Ittenbacher und seine Frau mit Hilfe der „Naperschaft“ ein Kreuz aus Trachyt mit einer Reliefdarstellung der Heiligen Margarethe und des Drachens. Wobei der Drachen den Teufel und die Heilige Margarethe als Bezwingerin des Drachens die Tugend symbolisieren dürften. Schlimme Jahre lagen hinter den Menschen. Der Dreißigjährige Krieg tobte noch immer. 1632 hatten die Truppen des schwedischen Generals Baudissin Königswinter geplündert und die Burg Drachenfels erobert. Zwei Jahre später ließ der Kölner Erzbischof und Kurfürst Ferdinand von Bayern als Landesherr die ruinöse Burg Drachenfels schleifen, damit sich dort kein Räubergesindel festsetzen konnte. Vielleicht hing das Votivkreuz mit all diesen Ereignissen zusammen? Möglicherweise stifteten die Eheleute das Kreuz auch aus einem anderen Grunde – die heilige Margarethe gilt auch als Schutzpatronen von werdenden Müttern in schwierigen Schwangerschaften. Jedenfalls steht das Steinkreuz nun seit 365 Jahren auf der Anhöhe, deren Name Margarethenhöhe auf dieses Denkmal zurückzuführen ist.
DAS KREUZ
Die Ittenbacher ziehen noch immer am Margarethenkreuz vorbei, wenn sie am fünften Sonntag nach Ostern ihre Hagelprozession durchführen. Wegen des Ausbaus der Königswinterer Straße wurde es jedoch von der angestammten Stelle versetzt und steht nun wenig beachtet neben dem Ölbergringweg, von einer Hecke fast verdeckt, und unter Bäumen, deren herabfallenden Blätter dem Stein nicht gut tun. Noch schlimmer: Das Kreuz droht an seinem Standort umzustürzen. Der Vorsitzende des Heimatvereins Siebengebirge, Heinrich Blumenthal, hat sich deshalb auf Anregung von Manfred Stützer, dem 2. Vorsitzenden des Bürgervereins Ittenbach, mit der Unteren Denkmalbehörde in Verbindung gesetzt und vorgeschlagen, das Kreuz etwa zehn bis 15 Meter nach Süden zu verrücken. Auch das Rheinische Amt für Denkmalpflege sagte nach einem Ortstermin: Um das Kreuz dauerhaft zu sichern, seien Abbau und Wiedererrichtung auf neuem Fundament sowie eine schonende Reinigung anzuraten.
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