Aufnahme: 1969 (Text: 2004)

Gebietsreform: Rund 50 Orte aus den Ämtern Oberkassel, Oberpleis und Königswinter-Land wuchsen zum heutigen Stadtgebiet zusammen.

Im August 1969 trat die kommunale Neuordnung in Kraft

Ein Rückblick nach 35 Jahren - im August 2004

"Was haben wir mit Oberpleis zu tun?"

Unter dieser Überschrift berichtete der Bonner General-Anzeiger im Jahr 2004:

Es war eine schwere Geburt, die vor 35 Jahren nach heißen Diskussionen und einem Urteil des Verfassungsgerichtshofs endete: 31 000 Bewohner von Königswinter, Ober- und Niederdollendorf, Römlinghoven, Stieldorf, Vinxel, Heisterbacherrott, Thomasberg, Ittenbach und Oberpleis mit seinen zahlreichen Ortschaften wurden zur Stadt Königswinter zusammengeschlossen. Bis dahin hatte die Verwaltungszuständigkeit auf dem heutigen Stadtgebiet neben dem Rathaus in der Altstadt bei den Ämtern Oberkassel, Königswinter-Land und Oberpleis gelegen.
Im August 1969 schlug die Geburtsstunde der „neuen“ Stadt: Der Landtag hatte mit den Stimmen der SPD und FDP gegen die CDU das Gesetz zur kommunalen Neuordnung des Raumes Bonn verabschiedet. Dass sich damit letztlich der Vorschlag des nordrhein-Westfälischen Innenministers Willi Weyer durchsetzte, der auch die Eingemeindung von Oberkassel. und Beuel nach Bonn vorangetrieben hatte, erschien im Vorfeld der Neuordnung alles andere als selbstverständlich - zu unterschiedlich waren die Vorstellungen und Wünsche in den einzelnen Gemeinden. Gemeinsam war ihnen lediglich der argwöhnische Blick auf Bonn, das als damalige Bundeshauptstadt wiederholt versucht hatte, dem Landkreis Bonn Teile des Siegkreises zuzuschlagen, um dem Regierungssitz mit leistungsstärkeren Gemeinden im Umland bei der Bewältigung der immer größer werdenden Aufgaben zu helfen.
Von vornherein stand damals fest, dass sich die Stadt Bonn linksrheinisch bis zur Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz ausdehnen wollte, Bad Godesberg also „geschluckt“ werden sollte. Auch rechtsrheinisch waren zeitweise derartige Bestrebungen im Gespräch. Die „Gefahr“, dass Bonn neben Beuel und Oberkassel auch Ober- und Niederdollendorf, Königswinter und Bad Honnef eingemeinden wollte, stand lange im Raum.
Dann aber schmiedete man neue Pläne, die später Wirklichkeit werden sollten: Der Landkreis Bonn wurde komplett aufgelöst, und rings um die Bundeshauptstadt sollte, wie es dann auch geschah, als „Halskrause“
der Rhein-Sieg-Kreis entstehen. Jetzt plädierten viele für einen Zusammenschluss von Königswinter mit Nieder- und Oberdollendorf und Bad Honnef, während die Berggemeinden Aegidienberg, Ittenbach, Oberpleis und Heisterbacherrott eine eigene Gemeinde bilden sollten. Kaum waren solche Ideen ausgesprochen, schon hagelte es Kritik aus mindestens einer Gemeinde, die mit der Neuordnung andere Vorstellungen verband. In der Rückschau einen Überblick über die unterschiedlichen Positionen zu gewinnen, fällt nicht unbedingt leicht:
Zwischen Ober- und Niederdollendorf bestand Mitte der 60er Jahre bereits eine kommunale Arbeitsgemeinschaft zwecks Gründung einer neuen Gemeinde. Wie auch Heisterbacherrott wurden beide Orte vom „Amt Oberkassel“ verwaltet. Doch wollte sich die Dollendorfer CDU nicht mit Heisterbacherrott, Ittenbach, Oberpleis und Oberkassel zusammenschließen - was von der SPD wiederum befürwortet wurde. Ferner wollten die Christdemokraten eine Verwaltungsgrenze zwischen Niederdollendorf und Königswinter verhindern.
Auch der damalige Königswinterer Bürgermeister Richard Faßbender hielt einen Zusammenschluss zu einer Rheingemeinde für notwendig; mit der Idee, Oberpleis solle seinerseits das Zentrum einer neuen Berggemeinde bilden, traf Faßbender damals den Nerv vieler Königswinterer: „Was haben wir mit Oberpleis zu tun“, so die rhetorische Frage des Lehrers und
Heimatforschers Theo Hardenberg während einer Versammlung. Schärfsten Protest rief auch der Vorschlag von Günter Hank, dem späteren Bürgermeister der „neuen“ Stadt Königswinter, hervor, sich mit Bad Honnef zusammenzuschließen: „Dann verliert Königswinter seine Existenz und Bad Honnef dominiert“, schallte es ihm entgegen.
Die Heisterbacherrotter Bürger plädierten dafür, ihren Ort und auch Thomasberg mit in die Rheingemeinde zu integrieren. In Thomasberg, das bis dahin vom Amt Oberpleis verwaltet wurde, war die Stimmung indessen geteilt: Einige Thomasberger wollten den Zusammenschluss mit Heisterbacherrott und den Rheingemeinden, andere sprachen sich für Oberpleis aus, wieder andere befürworteten die Gründung einer neuen Gemeinde mit Ittenbach und Heisterbacherrott. Das wiederum wollte der Heisterbacherrotter Bürgermeister Fritz Müller nicht: „Wir sind bisher gut von Oberkassel verwaltet worden, und so soll es auch bleiben“.
Während sich derweil im Talbereich die Stimmen für eine Vereinigung des Amtes Oberkassel mit Königswinter, Ittenbach und Aegidienberg mehrten, wollte der Ittenbacher Bürgermeister Karl Haacks davon nichts wissen: „Ich bin nur für ein kleines Gebilde, höchstens Königswinter mit Ittenbach und Aegidienberg. Nach dem Ersten Weltkrieg waren Ittenbach und Aegidienberg im Amt „Konigswinter-Land“ zusammengefasst, hatten aber ihre eigene Gemeindeverwaltung.
Auch in Oberpleis, das im Gegensatz zur Ballungsrandzone am Rhein von ausgesprochen ländlicher Struktur war, hielt sich Widerstand gegen eine Vereinigung mit den Rheingemeinden. Karl Lamers etwa, der damalige Oberpleiser CDU-Sprecher, wurde nicht müde, gegen diese Fusion zu kämpfen. Zum Amt Oberpleis gehörte neben den heutigen Bonner Stadtteilen Hoholz und Ungarten auch das Kirchspiel Stieldorf. Der Stieldorfer Bürgermeister Heinrich Horn war 1966 für einen Zusammenschluss der Gemeinden Ittenbach, Oberpleis, Heisterbacherrott, Stieldorf und eventuell noch Oberkassel.
Der Oberpleiser Amtsbürgermeister Anton Weber stimmte dem zu, wollte aber noch Aegidienberg hinzunehmen und das ganze „Großgemeinde Pleistal" nennen. Gleichzeitig keimten in Stieldorf ernsthafte Bestrebungen auf, sich mit Beuel zusammenzuschließen.
Während der Scharmützel im Siebengebirge bereitete man in Düsseldorf längst den „großen Wurf“ vor: Nach und nach fand Innenminister Willy Weyer in den einzelnen Amts- und Gemeindevertretungen mit seinen Plänen Zustimmung für die Großgemeinde Königswinter, einzig in Oberpleis hielt sich hartnäckiger Widerstand, sein Amtsbürgermeister Anton Weber trat nach dem Zusammenschluss aus Protest von allen seinen Ämtern zurück.
Den Lauf der Dinge konnte er damit nicht aufhalten: Mit den Stimmen von SPD und FDP beschloss der Landtag gegen die CDU das Gesetz zur kommunalen Neuordnung des Raumes Bonn. Im November 1969 wurde der neue Stadtrat gewählt. Bürgermeister der heutigen Stadt wurde Günter Hank (CDU), der die Geschicke der Drachenfelsstadt 21 Jahre lang bestimmte.

Quelle
General-Anzeiger Bonn vom 07./08.08.2004
Zur Verfügung gestellt von
Annette Hirzel
Räume & Galerien
Dorfgeschichten und Ereignisse
Aufrufe
409

Etwas zu ergänzen?

Kennen Sie abgebildete Personen, das Jahr oder Hintergründe zu diesem Bild? Schicken Sie uns einen Hinweis – wir prüfen ihn und ergänzen das Objekt.