Aufnahme: 1945
Vor 80 Jahren: NS-Wirren am Drachenfels
In ihren „Notizen zur Geschichte des Kulturdenkmal Rüdenet“ von 1987 streift die Zeitzeugin Elsbeth Wiese, die Ur-Ur-Enkelin des Königswinterer Notars Clemens August Schaefer, der 1811 Eigentümer des Weinguts Rüdenet und 1814 Bürgermeister von Königswinter wurde, auch die Ereignisse auf und um den Rüdenet zu Kriegsende.
Sie schreibt unter der Überschrift:
DER RÜDENET ÜBERLEBT KNAPP DIE NS-WIRREN
Auf Schloß Drachenburg begannen in der NS-Zeit Aktivitäten der Reichsarbeitsfront. NS-Größen entwickelten Pläne zur Enteignung und Auflösung des Rüdenet, der auch sie magisch anzog. Während dieser Zeit arbeitete ich in Berlin. Angeblich mußte durch das Gelände eine Straße gebaut werden. Ein Sportplatz sollte entstehen. In Wirklichkeit wollten sie den Rüdenet haben. Alle Gespräche und rechtlichen Schritte nutzten nichts. Empört insistierte ich in Berlin so lange direkt in der Reichskanzlei, bis zufällig Adolf Hitler selbst auf den Streit aufmerksam wurde. Der Rüdenet blieb - nicht zuletzt weil meine beiden Brüder im Krieg waren und er die wirtschaftlche Grundlage der Familien war - erhalten.
Heute kaum vorstellbare Kriegswirren - u. a. die Zerstörung von Köln, Bonn, Berlin, die Abwesenheit der Männer, Hunger und Elend - führten dazu, daß Verwandte und Freunde auf dem Rüdenet Schutz suchten, der ein intaktes Wirtschaftsgut war. Der in den Berg führende Stollen diente als Fluchtstätte, als Tiefflieger auch hierher kamen. Unsinnigerweise wurde zu Kriegsende der Rüdenet von Schloß Drachenburg aus durch 40 deutsche Soldaten mit Flakgeschützen und anderem Kriegswerkzeug besetzt, die die Amerikaner am Rheinübergang hindern sollten. Nach mehreren Treffern im Haus, beendete ein Laken am Balkon hier den Krieg! Amerikanische Soldaten entdeckten den Rüdenet, von denen etliche und ihre Kinder später als Gäste wiederkamen.
Den vollständigen Text von Elsbeth Wiese finden Sie im Museum im Link unten
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