Triumphbogen aus Schnee für das Goldhochzeitspaar Gilgen und persönliche Erinnerungen

Abgebildete Personen

Aufnahme: 1942

Triumphbogen aus Schnee für das Goldhochzeitspaar Gilgen und persönliche Erinnerungen

Im schneereichen Jahr 1942 feierte das Ehepaar Gilgen auf dem Lahrring Goldhochzeit. Die Nachbarschaft baute ihnen zu Ehren einen Triumphbogen aus Schnee. An den Fahnen erkennt man, dass auch die Nazis schon mit von der Partie waren.

Manfred Wilhelmy erinnert sich:
Goldene Hochzeit der Gilgens in Ittenbach-Lahr, Am Wiesenplätzchen
"1942 belief sich die Anzahl der Einwohner von Ittenbach auf ca. 1000. Es kannte demgemäß jeder jeden Mitbewohner. Leute, die das 50. Ehejahr erreichten, galten damals als ungewöhnlich alt. In ihrer "Öttemicher Mundart" sagte man, dass diese begnadeten Leute als "en Jnad für (vor) Jott" waren, und somit als höchst ehrwürdig angesehen wurden. Wenn eine Goldhochzeit im Dorf bekannt wurde, fühlten sich eine große Anzahl Leute mit dem "Wir-Gefühl", das man bei Familienangehörigen kennt, in dieses Geschehnis gleichermaßen einbezogen. Demgemäß war man lange vor dem Festtag unter Beteiligung vieler Helfer beschäftigt, Vorbereitungen für das seltene Ereignis zu treffen, damit ein dementsprechend würdiger Rahmen geschaffen werde. Allen voran sah sich dazu in besonderes hohem Maße die nähere Nahbarschaft berufen, zu der ich u.a. auch als Elfjähriger zählte. Es lag, wie damals in jedem Jahr üblich, zur Winterzeit bis zum späten Frühjahr hinein eine große Menge Schnee. Das war auch der Fall bei Gilgens Goldhochzeit. Jemand hatte die Idee, eine Wand aus Schnee zu errichten, welche die gesamte Breite des Weges "Am Wiesenplätzchen" einnahm, um in dieser einen Triumphbogen zu fertigen. Dazu wurde eine gewaltige Menge Schnee aufgehäuft, so gut wie eben möglich verdichtet und dann eine glatte, senkrechte Schneewand hergestellt. Der Anton Leven von der "Eiche" (genannt Eeche Tünn) war Steinbruchbesitzer und skizzierte mit der Handkante, seinem Verständnis für Bruchsteinmauerwerk einer Kirche entsprechend, auf der Talseite der Schneewand einen gotischen Spitzbogen, Dieser wurde danach in der vorgezeichneten Form in der Schneewand durchbrochen. Die Familie Meurer, die als allernächster Nachbar unterhalb des Hauses Gilgen (Drekes Huus genannt) am Lahrring wohnte, hatte die Initiative ergriffen, gemeinsam mit der übrigen Nachbarschaft dem festlichen Rahmen eine weitergehende Ausprägung zu verleihen, indem bei Meurers Girlanden aus Ilex-Blättern gefertigt wurden. Jeder Helfer legte die Blätter in Kreisform und reichte diese jemandem, der mit einer Packnadel genannten großen, spitzen Nadel die Blätter durchstieß. Am Ende der Nadel befand sich ein Öhr, durch welches ein Faden lief, an dem die Blattkränze aufgereiht wurden. Ich wurde damals alt genug befunden, um mich an der Sisyphusarbeit zu beteiligen. Die Girlande umrahmte schließlich den Triumphbogen, den die Goldhochzeiter durchschritten, wobei sie fotografiert wurden. Ittenbach hatte damals, dem Bedürfnis nach menschlicher Geselligkeitt geschuldet, eine Anzahl von Vereinen, die bei solchen und ähnlichen Gelegenheiten ihr Können darboten. Mit Gesang und Musik wurden z.B. dem Jubelpaar "Standchen" dargebracht, wobei eine große Anzahl Freunde, Verwandte und Zuschauer versammelt waren."

In der Ittenbacher Schul-Chronik notierte Lehrer Adolf Sawinsky zum 26. Februar 1942:
"Die Eheleute Johann Gilgen, Lahr feierten das Fest der Goldenen Hochzeit. Das ganze Dorf bzw. die Nachbarschaft nahm an diesem Fest teil."

Quelle
Sammlung Lucie Leven
Zur Verfügung gestellt von
Lucie Leven
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