Aufnahme: 1937
Das Sägewerk der Gebrüder Eudenberg an der Königswinterer Straße brannte - und die Löscharbeiten stanken zum Himmel
Das Sägewerk, das Peter Eudenberg mit seinen Brüdern Josef und Matthias betrieb, stand an der Königswinterer Straße ungefähr gegenüber der heutigen Teichanlage Linde - ein Foto im Museum von 1928 finden Sie im Link unten
Hier der Zeitungsbericht in der Bergischen Post vom 6. August 1937 unter der Überschrift "Großfeuer zerstört ein Sägewerk":
"WLD Siegburg, 5. Aug. Mittwochnachmittag kurz nach 18 Uhr entstand in einem Sägewerk in Ittenbach aus bisher unbekannter Ursache ein großes Schadenfeuer. Die Feuerwehren Ittenbach, Königswinter und Siegburg waren rasch zur Stelle, konnten aber infolge Wassermangels zunächst wenig ausrichten. Erst als man den Damm eines größeren Fischweihers durchstach, um dem zurzeit wegen Entschlammungsarbeiten trockengelegten Brandweiher neues Wasser zuzuführen, gelang es, die umliegenden Wohngebäude zu retten und das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Man war genötigt, die Motorspritze vorher aus einem Jauchekeller zu speisen. Das große Sägewerk mit wertvollen Maschinen und bedeutenden Holzbeständen sowie benachbarte Stallgebäude fielen dem Feuer zum Opfer. Der Wert des verbrannten Holzbestandes allein beträgt 15 000 RM" (Anm.: Reichsmark).
Eine weitere Meldung wird dem Bericht hinzugefügt:
"WLD Siegburg, 5. Aug. Zu dem Großfeuer in Ittenbach, durch das ein Sägewerk in Schutt und Asche gelegt wurde, erfahren wir noch, dass die Brandursache nicht eindeutig geklärt ist. Als das Feuer ausbrach, war die Belegschaft noch an der Arbeit, doch fraßen sich die Flammen zu schnell weiter, daß die Leute nichts ausrichten konten. Die Ittenbacher Feuerwehr sowie die Feuerwehr von Siegburg und Königswinter setzten alles daran, um dem verheerenden Element Einhalt zu gebieten. Das Unglück wollte es, daß zur Entschlammung der Brandweiher geleert war, so daß man zuerst sogar mit Jauche spritzen mußte. Erst als man an Fischteichen und Weihern in der Umgebung die Dämme durchstochen und das Wasser in den Bach geleitet hatte, konnte man dem Feuer energischer entgegentreten. Man mußte sich aber schließlich darauf beschränken, anstoßende Wohnhäuser, die sofort nach dem Ausbruch des Brandes geräumt worden waren, vor dem Uebergreifen des Brandes zu schützen. was denn auch schließlich gelang. Nur ein Stallgebäude wurde vernichtet.
Das Werk brannte vollkommen nieder, und damit auch ein größeres Holzlager. Der Gesamtschaden kann noch nicht übersehen werden."
In der Ittenbacher Schul-Chronik Teil 1 (siehe Raum "Schriften") hat Lehrer Adolf Sawinsky diesen Brand am 4. August 1937 ausführlich beschrieben:
"4.8. Ein Schadenfeuer größeren Ausmaßes suchte gestern unseren Ort heim. Gegen 18.15 Uhr brach im Sägewerk Gebr. Eudenberg Feuer aus. Man bemerkte plötzlich, daß das Teerdach der Werkstatt brannte. Das Feuer nahm schnell großen Umfang an u. fand an den dort lagernden Hölzern reiche Nahrung.
Die sofort angerufene Ittb. Feuerwehr unter Leitung von Brandmeister Robert Görres war mit fast vollzähliger Mannschaft in kürzester Zeit an der Brandstätte. Die stark gefährdeten Häuser in unmittelbarer Nähe der Brandstätte Eudenberg, Hermes u. Thomas Paul wurden geräumt.
Anfangs gestaltete sich die Bekämpfung des Brandes infolge Wassermangel außergewöhnlich schwierig. Der Brandweiher, der in unmittelbarer Nähe der Brandstelle liegt, war abgelassen worden, weil er entschlammt werden sollte u. der ausführende Arbeiter Wilh. Dahm jun. Hühscheid sein Arbeitsverhältnis zur Gemeinde kündigte. Der Druck der Wasserleitung genügte nicht, um der Ausdehnung des Feuers wirksam zu begegnen. Deshalb war man genötigt, die Motorspritze in einem Jauchekeller anzulegen u. mit Jauche zu löschen.
Durch diese (??) Löschung es, das Wohnhaus Eudenberg u. die Stellmacherei Hermes, die schon
Feuer gefangen hatten, im letzten Augenblick zu retten. Mittlerweile war auch die K’winterer Feuerwehr unter Leitung von Hptbrandmstr. Nitegen eingetroffen, die zusammen mit der Ittb. Wehr die Stallungen des Wohnhauses Eudenberg, aus dem das Vieh gerettet war, niederreißen mußte, weil sich in dem dort lagernden Heu u. dem Gebälk bereits gefährliche Feuerherde gebildet hatten, die leicht auf die Wohnhäuser hätten übergreifen können.
So wurde das Feuer schließlich auf seinen Herd beschränkt. Das Sägewerk u. die in ihm lagernden Holzbestände i.W. von etwa 15 000 Rm brannten leider vollständig nieder, ebenso die Maschinen, die einen Wert von mehreren tausend Mark darstellten, wurden schwer beschädigt. Als schließlich die Siegburger Feuerwehr eintraf, gelang es nach Durchbrechung des Dammes eines Fischweihers am Haus Tannenhof, dem Brandweiher neues Wasser zuzuführen u. den Brand nach Einbruch der Dunkelheit niederzukämpfen.
Es verdient besonders anerkannt zu werden, daß sich die Bevölkerung von Ittenbach u. der Umgegend, sowie viele der in Ittb. weilenden Kurgäste aufopfernd an der Arbeit beteiligten.
Landrat Weisheit war ebenfalls anwesend.
6.8. Ein beachtenswerter Artikel im W.B. das „Kind im Brunnen“ beschäftigt sich mit den Lehren aus dem Ittb. Großfeuer. Demnach haben die polizeilichen Erhebungen ergeben, daß der Fa E. vom Dampfkessel-Überwachungsverein unter einer Androhung einer Strafe von 200 Rm die Inbetriebnahme der Lokomobile verboten war. Außerdem stellte die amtliche Brandschau weitere erhebliche Fahrlässigkeiten fest, die dann zur Ursache des Feuers führte."
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