Aufnahme: 1933
Bauernkirmes und Erntefest in Ittenbach.
Unter dieser Überschrift berichtete der General-Anzeiger für Bonn und Umgegend am 25. Oktober 1933:
(Fotos von den Umzügen aus den 1930er Jahren finden Sie im Museum im Raum "Gruppen" in der Vitrine "Erntedankfest".)
Ittenbach, 24. Okt. In glücklicher Weise waren in diesem Jahre die Kirmes und das Erntefest verbunden worden, indem man die beiden ersten Tage, Sonntag und Montag ganz der Kirmes vorbehielt, und den dritten Tag dem Erntefest widmete. Manchem Fremden wird der Triumphbogen am Margarethenkreuz erst zum Bewußtsein gebracht haben, daß die großen Gasthäuser und Höfe dort oben schon zur Gemeinde Ittenbach gehören, von dort aus wiesen Flaggen an Masten den Weg zum Dorf und zum Kirmesplatz. Kein Haus, das nicht von einem Erntekranz geziert war, - überall Kornähren zwischen Tannengrün. Nachmittags setzte sich am Sportplatz der Erntezug in Bewegung. An der Spitze ritt der SA-Reitersturm von Königswinter, dem eine Musikkapelle in Bauernkitteln folgte, und dann die SA. Dann kam in buntem Zuge heran die Bauern mit ihren Geräten, mit Walze und Schleife, Säetuch und Sensen, alles mit Blumen geziert, Schnitterinnen mit Garben und die Heuträger mit den Heubündeln. Zwischendurch sah man viele geschmückte Erntewagen. Der eine von ihnen zeigte im Hintergrund das alte Margarethenkreuz, auch Gemüse und Kartoffelwagen fehlten nicht. Sehr hübsch war der Wagen der Spinnstube, und vom Wagen der Drescher flog manchmal eine ganze Wanne voll Spreu zwischen die Zuschauer. Sieben Zwerge zogen einen Wagen mit Prachtobst von der Perlenhardt, auf einem anderen Wagen sah man junge Männer und Mädels eifrig am Kartoffelschälen und -reiben und backen: Richtige frische „Gilgenberger Rievkoche" wurden dort ausgeteilt. Als eng mit dem Bauerntum verwandt hatten auch die Bäcker und Metzger ihre Wagen im Zuge. Die Kleinsiedler zeigten an ihrem Wagen ein Schild mit dem Spruch "Bienen und Schafe ernähren den Mann im Schlafe", und ein weiteres Schild empfahl kostenlose Bodenuntersuchungen. Daß es auch Siebengebirgs-Mais gibt, war manchem wohl noch unbekannt, die Kolben zeigten eine schöne Reife. Zum Schluß fuhr in einem Wagen "der Baas" im Zylinder (Clemens Leven), neben sich die würdige Hausfrau, und über beiden schwankte ein mächtiger Erntekranz. Er hielt auch eine Festrede, als der Zug wieder auf dem Sportplatz gelandet war, und gab Gott die Ehre, ohne dessen Segen kein Werk gelingen und keine Ernte gedeihen kann. Anschließend sprach Bürgermeister Lorenz-Königswinter. Endlich sei die Zeit gekommen, daß ein Berufsstand mit dem anderen zusammengehe. Nun gelte es, dem Führer Adolf Hitler erneut das Vertrauen auszusprechen am 12. November bei der Wahl und dem Volksentscheid. Ein Sieg-Heil auf den Führer, das Deutschlandlied und das Horst Wessel-Lied beendeten den offiziellen Teil der Feier, die aber noch lange beim echten deftigen Bauerntanz in den verschiedenen Gasthäusern und Tanzsälen fortgesetzt wurde.
Etwas zu ergänzen?
Kennen Sie abgebildete Personen, das Jahr oder Hintergründe zu diesem Bild? Schicken Sie uns einen Hinweis – wir prüfen ihn und ergänzen das Objekt.