Aufnahme: 1933
80 Jahre Kriegsende - 80 Jahre Befreiung von der NS-Diktatur
die 1933 begann und 12 Jahre später, am 8. Mai 1945, nach 6 Jahren Krieg mit 60 Millionen Toten endete
Ein Rückblick auf das Jahr 1933 in Ittenbach und die damaligen Wahlergebnisse
In der Festschrift vom Bürgerverein VVI e.V. von 1999 steht unter der Überschrift „Hitler hatte wenig Freunde in Ittenbach“ (S. 13):
„Hitler und seine Nationalsozialistische Arbeiterpartei NSDAP hatten vor 1933 keine nennenswerte Wählerbasis in Ittenbach. Im katholischen Rheinland hatte die Zentrumspartei, vor allem auf dem Lande, bei Landtags- und Reichstagswahlen eine Zustimmung von 70 Prozent und mehr. Die SPD hatte erst nach dem 1. Weltkrieg in Königswinter-Altstadt und Dollendorf Fuß fassen können, in Ittenbach allerdings nicht. Zur Bismarck-Zeit kam der Ort dadurch mit der Sozialdemokratie in Berührung, daß der Ölberg beliebtes Ausflugsziel der Kölner SPD war, die dort Feste mit politischen Kundgebungen feierte, was wiederholt die Königswinterer Polizei auf den Plan rief. Aber anders als im Rheintal ist nicht bekannt, ob die Steinbrucharbeiter aktiv die SPD unterstützten. In der Kommunalpolitik spielten Parteien sowieso keine Rolle. Man wählte nach Listen.“
Im Oktober 1932 hatte Ittenbach 861 Einwohner.
Im März 1933 hält die Ittenbacher Schul-Chronik fest, dass Adolf Hitler zum 30. Januar des Jahres Kanzler des Deutschen Reiches wurde. Der Lehrer Adolf Sawinsky trug dazu ein: „Man rechnete mit einem alsbaldigen Versagen H. (Hitlers) als Kanzler u. gab ihm 6 Wochen bis zu seiner Abwirtschaftung. Hitler schickte den Reichstag nach Hause u. rief das Volk zur erneuten Stellungnahme für oder gegen ihn auf. Der Reichstagsbrand veranlaßte den preuß. Polizeimeister Goering zum sofortigen Eingreifen u. mit dem 5. März, als dem Wahltag zum Reichstag, wurde die nat.soz. Bewegung machtpolit. Siegerin über ihre sämtl. Gegner. Wie aber das flache Land noch gegen H. stand, zeigt auch der Ausfall der Wahl in Ittenbach.“
Die Reichstagswahl in Ittenbach(499 abgegebene Stimmen):
1) Nat.soz. deutsche Arbeiterpartei 88
2) Soz. Partei Deutschlands 24
3) K.P.D. 46
4) Zentrum 270
5) Kampffront Schwarz-weiß-rot 66
6) Deutsche Volkspartei 4
7) Staatspartei 1
Die Landtagswahl in Ittenbach (496 abgegebene Stimmen)
1) N.S.D.A.P. 87
2) mit Hindenbg. f. ein nat. Preußen 6
3) SPD 25
4) KPD 46
5) Zentrum 266
6) Schwarz-weiß-rot 61
7) Deutsche Volkspartei 4
8) Staatspartei 1
Wahlbeteiligung insgesamt (mit ausw. Wählern) 84,5 % - für Ittb. allein 81 %.
„Am 12.3. waren die Neuwahlen zu den Kommunalparlamenten. Die Gemeinderatswahl brachte kein nat.soz. Mitglied in den Gemeinderat“, steht in der Schul-Chronik.
In der VVI-Festschrift (S. 13) heißt es:
„Der demokratische Schein des Hitler-Regimes hielt aber nicht viel länger als ein Jahr. Aufgrund einer neuen Gemeindeverfassung wurden am 16. Mai 1934 die Gemeinderäte ohne Wahl neu berufen – `auf Vorschlag des Gauleiters´. Und der saß in Köln… In ihrem Rassenwahn waren die Nazis konsequent: Die Berufenen hatten zu bescheinigen, daß sie selbst und `falls sie verheiratet sind, auch ihre Ehefrauen arischer Abstammung sind´…
Wie sehr die politische Gleichschaltung im Laufe der Jahre gewirkt hatte, zeigte sich im April 1938, als Hitler vom deutschen Volk ein „Treuebekenntnis“ verlangte. In ganz Königswinter stimmten nur neun Bürger mit „Nein“, aber 5259 mit „Ja“. Es war keine freie und geheime Abstimmung. Ein halbes Jahr später brannten die Synagogen. Auch in Königswinter und Oberdollendorf wurden jüdische Gebetshäuser und Geschäfte zerstört. In Ittenbach selbst lebten, soweit bekannt, keine Juden.“
Einen kleinen Einblick in Ittenbach in der NS-Zeit erhalten Sie im Museum - mit dem Link unten
Postkarte mit Gemälde von Ittenbach aus dem Jahr 1933
Die VVI-Festschrift und die Ittenbacher Schul-Chronik finden Sie im Raum "Schriften" im Museum.
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