Aufnahme: 1931
Per Zeitungsannonce warben die Ittenbacher Hotels und Restaurants ins "Winterwunderland"
Die Anzeige stand am 14. März 1925 im General-Anzeiger für Bonn und Umgegend.
Die 1928 fertiggestellte L 331 war im Winter auch eine ideale Rodelbahn.
Ein ausführlicher Bericht im Echo des Siebengebirges vom 10. Februar 1931 lässt uns heute staunen, was damals alles geboten wurde, um die kleinen und großen Schneefans ins Siebengebirge zu holen und die Gasthäuser zu füllen. Lesen Sie selbst:
Königswinter, 9. Febr. Blauer Himmel, lachender Sonnenschein und dazu Schnee, wunderbar schöner, trockener Schnee. Wetter wie in der Schweiz und wie es herrlicher nicht zu denken ist. So war das Winterwetter der letzten Woche. Kein Wunder, wenn Groß und Klein hinauszog in die Wunderwelt des Winters.
Den Hauptanziehungspunkt bildete der Margarethenhof, wie man in landläufigem Ausdruck die Gegend zwischen Oel- und Lohrberg nennt. Von Tag zu Tag steigerte sich hier der Verkehr. Freitag hatten die Gymnasien Honnef - Königswinter, Godesberg und Bonn rodelfrei. Von morgens früh bis abends spät vergnügten sich die Schüler bei Ski- und Rodelfahren. Auch am Samstag herrschte Hochbetrieb. Doch der Sonntag sollte alles dagewesene überbieten. Nicht nach hunderten, nein nach tausenden zählten die Menschen, welche zum Sport auszogen, oder aber die, die sich mit der Jugend freuen wollten. Dazu eine Winterlandschaft, die in ihrer Schönheit zu beschreiben schier unmöglich ist. Der Maler Rauhreif hatte die bezauberndsten Bilder gemalt. Auf allen Wegen kamen die Menschen. Ueber die Löwenburgerstraße kam Honnef, über die Verschönerungsstraße Königswinter, über die Rosenauerstraße die beiden Dollendorf und Oberkassel. Ueberall ein schier endloser, lückenloser Zug, so wie Pfingsten zum Drachenfels. Doch die Ittenbacher- oder wie sie neuerdings heißt die Siebengebirgsstraße hatte den größten Sturm zu bewältigen. Hier schoben sich Fußgänger, Rodel- und mit Pferden bespannte Schlitten sowie Autos aneinander vorbei. Auf und ab wogte der Verkehr. Diese Straße hat heute die Feuerprobe bestanden. Begünstigt durch ihre Breite wickelte sich dieser Betrieb glatt ab. Ein herrlicher Ueberblick bot sich vom Nasseplatz. Hier bietet der weite Blick auf die Ittenbacherstraße eine gute Sicht. Die Reichspost, die Honnefer Wagen zur Aushilfe geholt, kroch Raupen gleich, Wagen auf Wagen die steile Kurve hinan, von leichten Autos überholt. Andere Wagen blieben wegen "Ueberanstrengung" in der Kurve liegen, dazwischen ungezählte Rodelschlitten, die stets auszuweichen wußten und schneidig die scharfen Kurven nahmen. Seinen Augen nicht trauend sah man sogar die größten Sonderwagen der Bonner Verkehrsgesellschaften herangeschlichen kommen, die große Scharen brachten. Direkte Verbindung Oelberg - Bonn, die Fahrt zu 1,50 Mk. Was will man bequemer und wohlfeiler haben? Selbst die Rhein-Sieg hatte auf der Strecke Dollendorf - Verschönerungsstraße Sonderfahrten eingelegt. Zur schönsten Sommerzeit hat das Gebirge noch nicht so viele Menschen zusammengesehen wie heute. Von der Höhe gesehen glich das Ganze einem großen Pützchens Markt, nur daß statt der Buden Autos vertreten waren. Daß hier oben jeder eine Tasse Kaffee bekommen konnte, war ganz unmöglich. Viele wanderten mit leerem Magen bis Königswinter und fanden dort die nötige Stärkung.
Am Startplatz, vor dem Margarethenkreuz standen die Zuschauer wie Mauern. Die Fahrt der Rodler ging bis zur Ferdinandstraße oder Dicker Stein in der Breiten Wiese und dauerte kaum 5 Minuten, wohingegen der Aufstieg 20 Minuten währte. Doch bald hatte Herr Halm die "Not" der Rodler erkannt und holte die Schar an der Breiten Wiese mit seinem großen Autobus ab und brachte sie für 20 Pfg. wieder schleunigst zum Startplatz auf der Höhe. Nach Ittenbach zu war der Rodelsport nicht minder. Ueberall sah man nur freudige Gesichter. Aber auch die Skier kamen auf ihre Rechnung. Der Hauptsportplatz war an der Löwenburg, doch auch anderwärts lag man fleißig dem Skisport ob. Auf Weg und Steg stieß man auf Rodler; am Drachenfels, Wolkenburg, Bergbrunnensteg, Oelberg, Rosenau oben und unten, sogar von der Kuppe Wasserfall kam man auf Schlitten herunter, von Saurenberg, Hölle und Siefen ganz zu schweigen.
Die Stadt hatte ein gutes Herz für die Kleinen, denn der Turnplatz war wieder für Eissport hergerichtet: gekehrt und mit Wasser bespritzt. Ueberall herrschte eitel Lust und Freude. „Sit transit gloria mundi“. Auch diese Herrlichkeit ist nicht von langer Dauer. Schade, Königswinter und das Gebirge hätten schon ihre Freude daran.
Ein Foto im Museum vom Skifahren am Löwenburger Hof um 1930 finden Sie im 1. Link unten, vom Rodelspaß auf der Margarethenhöhe 1932 im 2. Link unten
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