Abgebildete Personen
Aufnahme: 1916
Im Ersten Weltkrieg: Französische Gefangene auf der Margarethenhöhe - und ihre militärischen Unterscheidungsmerkmale
Eine Aufnahme aus Paul Bachems Album, die er so beschriftet hat:
"Französische Gefange auf Gut Margarethenkreuz (Hof) im Mai 1916
in der Mitte hinten Ehepaar Paul Hubert Bachem
vorn liegend Franz Haags"
Ein Militärexperte - Dr. Lothar Schimmelpfennig - hat ganz genau hingeschaut und 100 Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges Folgendes herausgefunden:
- Person ganz rechts: Angehöriger (Offizier) der französischen Luftwaffe / Armée de l’air; Erkennungsmerkmal: Schirmmütze und Rock
- links daneben: französischer Subalternoffizier im Range eines Leutnants; Erkennungsmerkmal: verzierter Kragenspiegel ohne Sterne, Rock mit zwei Taschen
- die dritte Person von rechts und die dritte von links oben: Zuaven (s.u.) im Mannschaftsdienstgrad; Erkennungsmerkmal: Kopfbedeckung und das Äußere, nämlich sehr dunkler Teint sowie typischer traditioneller Schnurrbart
- vierte Person links oben: französischer Offizier im Range eines Hauptmanns; Erkennungsmerkmal: verzierter Kragenspiegel mit zwei Sternen, Rock mit zwei Taschen.
Die übrigen Kriegsgefangenen sind „einfache“ Mannschaftsdienstgrade der französischen Infanterie. Angehörige der Artillerie oder Kavallerie sind nicht erkennbar. Es handelt sich hier also bei allen Personen, auch den Zuaven, um Angehörige der französischen Armee. Ich erkenne keine Engländer, Amerikaner, Russen etc. Noch ein Unterscheidungsmerkmal zwischen den Offizieren und Mannschaften ist, dass die Offiziere Stiefel tragen (auch bei der Infanterie waren die Offiziere beritten!) und die Soldaten Schuhe mit Wickelgamaschen.
Die Zusammenstellung ist dennoch interessant, weil sie nicht homogen ist. Man hätte doch denken können, dass man auf einem Bauernhof nur kräftige Leute einquartiert mit einem Berufshintergrund aus der Landwirtschaft. Wir aber sehen hier Nord-Afrikaner, einen Luftwaffenangehörigen (möglicherweise Pilot und Techniker), zwei Offiziere und eine Gruppe von Mannschaften unterschiedlichen Alters. Das war gewollt! Die Logik dieser Zusammensetzung der Gefangenen findet sich in der Vermeidung von Verbrüderung untereinander und der Planung von Revolten in der Gefangenschaft. Die Zuaven waren nicht beliebt bei der französischen Truppe. Der Pilot wurde beim Heer beneidet. Oft war er auch ein wenig überheblich. Er steht auch bewusst an der Seite! Die Mannschaften mussten arbeiten. Die beiden Offiziere brauchten gemäß Haager Landkriegsordnung nicht zu arbeiten. Ihnen standen Sonderrationen zu. Auch das brachte Neid! Aber sie mussten die Disziplin unter den Gefangenen aufrecht erhalten. Sie teilten auch die Arbeit ein.
Zuaven nannten sich die Angehörigen historischer Infanterieeinheiten. Der Name geht auf den kabylischen Stamm der Zuaven im Distrikt Zuaua (Zuavia) in der algerischen Provinz Constantine zurück, die bereits zu Zeiten des Osmanischen Reiches Söldnertruppen stellten, die für ihre Tapferkeit berühmt waren (ein berühmter Führer der Zuaven war der Rif-Kabylen-Scheich Abd el Karim im Befreiungskampf gegen die Franzosen). Ihre Berühmtheit war aber auch zweifelhaft, weil sie oft keinen Sold bekamen, sondern nur das Recht zur Plünderung mit all der begleitenden Gewalt. Oft waren sie aber auch nur willkommenes Kanonenfutter.
Zu Beginn der Eroberung Algeriens stellte Frankreich am 1. Oktober 1830 ein Corps des Zouaves auf, das unter dem Befehl des Generals Clauzel stand. Der Begriff Zuave wurde bald allgemein für in Nordafrika rekrutierte Söldner gebraucht. Die Zuaven trugen auffällige, an türkisch-orientalische Trachten angelehnte Uniformen. Auf dem Foto sieht man, dass man ihnen ihre traditionelle Kopfbedeckung gelassen hat, vielleicht aus Respekt, vielleicht, um sie gegen ihre Mitgefangenen abzusondern.
Im Krimkrieg zeichneten sich die Zuavenregimenter mehrfach aus (unter anderem bei den Schlachten von Alma, Inkerman und Malakoff) und begründeten den legendären Ruf dieser Einheiten.
Dies veranlasste zeitweise auch andere Länder, Zuaveneinheiten aufzustellen, die allerdings nicht aus Nordafrikanern bestanden, sondern lediglich die bunten Trachten der französischen Vorbilder übernahmen. So stellten die Unionsstaaten wie auch die Konföderierten im Amerikanischen Bürgerkrieg verschiedene Zuavenregimenter auf; auch in Brasilien, den Päpstlichen Staaten und der Türkei gab es entsprechende Truppen.
Die Zuaven entwickelten sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu einer regulären Infanterietruppe der französischen Armee mit Elitecharakter. Zu den Zuavenregimentern mit ihren algerisch-nordafrikanischen Soldaten wurde ein Großteil der wehrpflichtigen europäischen Einwohner Französisch-Nordafrikas eingezogen, aber auch Franzosen aus dem Mutterland. Dies hatte zwei Gründe: A.: man wurde unliebsame, weil evtl. kriminelle oder politisch unzuverlässige Franzosen los und konnte sie in der Truppe kontrollieren, B.: das Regiment war nicht mehr homogen von Nordafrikanern besetzt, so konnte evtl. eine Rebellion vermieden werden.
Infolge der algerischen Unabhängigkeit löste man die letzten Zuaven-Einheiten 1963 auf.
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