Aufnahme: 1903

Pfingsten und Pfingstdienstag damals: "Eine Wetter-Katastrophe"

Unter dieser Überschrift berichtete die Königswinterer Zeitung vom 4. Juni 1903 nach sommerlich-sonnigen Pfingsttagen mit Scharen von Ausflüglern im Siebengebirge von einem ungeahnt heftigen Unwetter, das v.a. im Ittenbacher Tal gewütet hat:

"Die herrlichen Pfingsttage, die Tausende und Abertausende von auswärtigen Besuchern in unsere Stadt und das Siebengebirge geführt hatten, fanden am Dienstag Nachmittag einen ebenso unerwarteten, wie jähen und betrübenden Abschluß durch ein furchtbares Unwetter, das gegen 2 Uhr ausbrach, mehrere Stunden andauerte und in den Verheerungen, die es hier und in der Umgebung anrichtete, eine Katastrophe darstellte, wie sie in ähnlicher Weise von den ältesten Bewohnern Königswinters nicht erlebt worden ist. Selbst jenes Unwetter, welches im Jahre 1859 am Tage vor Pfingsten einen Teil des Rheinlandes und vor allem das Brohlthal heimsuchte, wurde von dem des verflossenen Dienstag bei weitem übertroffen. Schon gegen Mittag machte sich im Südwesten eine Gewitterbildung bemerkbar, aber niemand ahnte, daß sich daraus so Furchtbares entwickeln werde, wie es bald nachher unsere Bevölkerung in Angst und Schrecken setzten sollte. Man hoffte auf den von den Landleuten herbeigewünschten Regen und eine wohtuende Abkühlung, aber als gegen 2 Uhr Nachmittag ein gewaltiger Wolkenbruch niederging und ungeheure Wassermassen stundenlang unter schrecklichen Donnerschlägen und unaufhörlichen Blitzen herabströmten, sah man sich einem Naturereignisse gegenüber, dessen Folgen geradezu furchtbare waren… Vom Gebirge wälzten sich ungeheure Wassermassen auf die Stadt zu…

Am schlimmsten dürfte das Unwetter im Ittenbacher Thal gehaust haben, sodann auch im Nachtigallenthal. Der sogenannte Mirbach richtete große Verheerungen an… Glücklicherweise ist durch die Katastrophe kein Menschenleben verloren gegangen. Mit welcher Vehemenz das Wasser aus dem Ittenbacher Tale der Stadt zugeströmt ist, mag man u.a. daraus entnehmen, daß Fische, (Forellen ec.) von dorther bis in die Nähe des Bahnhofes geschleudert und daselbst von Arbeitern aus dem Schlamm gezogen worden sind."

Unter der Überschrift “Von Nah und Fern“ steht auf derselben Zeitungsseite zum 4. Juni:

"Wie groß der Fremdenverkehr in den Pfingsttagen hier gewesen ist, läßt sich u. a. aus der Tatsache erkennen, daß die Fähre Königswinter-Mehlem über 20000 Personen übergesetzt hat. Mit den getroffenen Einrichtungen hätte sie allerdings die doppelte Zahl Passagiere befördern können. Vielleicht ist das der Fährgesellschaft gelegentlich der nächsten Pfingsten beschieden. Die Frequenz auf den Rheindampfern war in diesem Jahr die größte, die bis jetzt dagewesen ist, ein Beweis, mit welcher Vorliebe das Publikum die prächtig eingerichteten Rheindampfer benutzt. Die Drachenfelsbahn beförderte an den beiden Feiertagen 7500 Personen gegen rund 1800 im vorigen Jahr und die Petersbergbahn über 3000 gegenüber ca. 1000 im Jahr 1902."

Zum vollständigen Zeitungsartikel auf zeitpunkt.nrw - siehe 1. Link unten

Mehr Infos im Museum zur alten Ansichtskarte - siehe 2. Link unten

Quelle
Königswinterer Zeitung Nr. 67 vom 04.06.1903
Zur Verfügung gestellt von
Annette Hirzel Königswinterer Zeitung vom 4. Juni 1903 - Infos zur alten Ansichtskarte im Museum
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