Aufnahme: 1889
Feiern konnten die Ittenbacher auch früher schon - mit Böllerschüssen, Liedern, Raketenregen und bengalischer Beleuchtung bis in die Mitternachtsstunden
Das Echo des Siebengebirges kündigte am 30. Oktober 1889 das Goldene Försterjubiläum des Herrn Hegemeisters Beberstedt zu Stöckerhof an:
Sonntag, den 3. November begeht Herr Hegemeister Beberstedt zu Stöckerhof die Feier seines 50jährigen Dienstjubiläums. Der Jubilar erfreut sich trotz seines hohen Alters noch einer bewundernswerten Rüstigkeit und geistigen Frische. Möge es dem wackern Waidmann vergönnt sein, noch manches Jahr der Ausübung seines schönen ihm liebgewordenen Berufes obliegen zu können.
Gut eine Woche später liefert die Zeitung einen ausführlichen Bericht über ein grandioses Fest, das ganz Ittenbach mitgefeiert hat:
Ittenbach, 4. Nov. Die bereits angekündigte Feier des 50jährigen Försterjubiläums des Herrn Hegemeisters Beberstedt zu Stöckerhof hat einen würdigen und glänzenden Verlauf genommen. Sr. Majestät der König verlieh dem verdienten Forstmanne den Kronenorden. Mit demselben geschmückt, empfing er gestern nach vollendetem Gottesdienste zunächst die Glückwünsche seiner Vorgesetzten, des Herrn Oberforstmeisters von Köln, des Herrn Forstmeisters von Bonn, des Herrn Oberförsters Reusch von Siegburg und des Herrn Bürgermeisters Mirbach von Königswinter.
Sie fuhren mit dem Gefeierten nach dem Forsthause an der Löwenburg, wo sich dessen Fachgenossen, die Förster des Reviers Siebengebirge und der Ortsgeistliche eingefunden hatten, um ihre Glückwünsche darzubringen und durch passende Geschenke dem Ehrenmanne ihre Achtung und Anhänglichkeit zu bezeugen. Bei dem sich anschließenden gemeinsamen Mittagsmahle, gewürzt durch vortreffliche Küche und Keller des Löwenburgerhofes, wurde vom Herrn Oberforstmeister in schwungvoller begeisterter Rede das Wohl Sr. Majestät ausgebracht und ebenso begeistert aufgenommen; sodann seitens des Herrn Oberförsters der wechselreiche Lebenslauf des Jubilaren und dessen vorzügliche Pflichttreue und Verdienste um die praktische Forstwirthschaft lobend hervorgehoben. Dabei wurde auch mit Anerkennung seiner Gemahlin gedacht, die seit vielen Jahren ihm stets treu zur Seite gestanden und die Lasten seines schwierigen Berufes in fürsorglichster Weise zu erleichtern bestrebt sei. Gar zu rasch verflossen die heiteren Stunden und die von ferne herbeigekommenen Herren mußten des Heimweges gedenken, während die übrige Gesellschaft in Wort, Lied und froher Stimmung noch lange zusammen blieb. -
Auch die Gemeinde Ittenbach wollte den seltenen Tag nicht vorübergeben lassen, ohne dem Jubilar ihre Ehrenbezeugung darzubringen; gehört derselbe ihr ja doch bereits 26 Jahre an und hat ihn als treuen Beamter, als braven Mitbürger und als langjähriges Mitglied des Schulvorstandes kennen und achten zu lernen so häufig Gelegenheit gehabt.
Heute gegen Abend bewegte sich eine lange Reihe Lampionsträger zur Wohnung des Herrn Jubilare nach Stöckerhof, unter ihnen der hiesige Gesangverein „Concordia". Dort hatte sich um den Jubilar eine zahlreiche Gesellschaft geladener und befreundeter Damen und Herren eingefunden. Die Festfeier wurde vom Abhange des Oelberges aus durch weithin dröhnende Böllerschüsse angekündigt. Es folgte eine Huldigung der Schule durch Vortrag eines sinnigen Sprüchleins seitens einer Schülerin; dann trug der Gesangverein ein wohlgeübtes und meisterhaft gesungenes Waldlied vor, und hieran reihte sich eine längere Ansprache des Dirigenten Herrn Lehrer Meng an den Jubilar, worin namentlich hervorgehoben wurde, wie derselbe trotz der schwierigsten Verhältnisse stets festen Muth und Ausdauer bewiesen und sich seine ehrenvolle Stellung durch eigene Kraft und Thätigkeit errungen, dabei auch das Beispiel eines guten Christen und während der Minderjährigkeit seiner früh verwaisten Geschwister ein Muster liebevoller Pflegesorgfalt gewesen sei.
Ein donnerndes Hoch unter Böllergekrach gab Zeugniß, daß allen aus dem Herzen gesprochen war. Nachdem der Jubilar gerührt gedankt, wechselten Lied, Raketenregen und anderes Feuerwerk, wobei zur großen Heiterkeit der zahlreich Versammelten lebende Bilder in den reizendsten Stellungen in bengalischer Beleuchtung dargestellt wurden. Erst die Mitternachtsstunde konnte die Gäste zum Scheiden bewegen. Es steht zu hoffen, daß dem Herrn Jubilar noch auf lange Zeit dieser sein Ehrentag in froher Erinnerung verbleiben wird.
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