Aufnahme: 1877

"Frische Krametsvögel" oder "Krammetsvögel" waren damals Delikatessen auch auf der Ittenbacher Kirmes

"Die Wacholderdrossel wurde früher „Krammetsvogel“ (seltener: Kramtsvogel, Krammetvogel oder Krummetvogel) genannt, der Name ist abgeleitet von der alten Bezeichnung „Krammet“ (auch: Kranewitt) für den Wacholder... Früher wurden die Vögel, vor allem während der Zugzeiten, auch in Mitteleuropa z.T. massenhaft gefangen. Krammetsvögel sind in zahlreichen alten Rezeptbüchern erwähnt... Mit einer Körperlänge 27 cm ist die Wacholderdrossel nur wenig kleiner als die bekanntere Amsel, jedoch deutlich schwerer...

Die Wacholderdrossel wurde mit Schlingen, früher Dohnen genannt, aus Pferdehaar gefangen. Die Schlingen wurden in oder in die Nähe von Vogelbeeren mit Früchten gehängt. Viele Drosseln verendeten qualvoll, da sie nicht sofort erstickten, sondern sich zu Tode zappelten. Im Sauerland bekamen die Fänger Anfang des 20. Jahrhunderts 11 bis 18 Pfennig pro Vogel. Im Deutschen Reich wurde am 30. Mai 1908 der Fang von Wacholderdrosseln und anderen Drosselarten mit Schlingen verboten. Erreicht wurde dies vor allem durch den persönlichen Einsatz von Lina Hähnle sowie der Aufklärungsarbeit des von ihr gegründeten Bundes für Vogelschutz (BfV), dem Vorläufer des heutigen NABU", erfährt man auf wikipedia.de - siehe 1. Link unten

Beim Landschaftverband Westfalen Lippe online kann man Fotos von der damaligen Krametsvogeljad sehen - siehe 2. Link unten

Und hier eine kleine Begebenheit aus dem Westerwald:

"Ende Februar 1840 meldete sich der Förster Wilhelm BUCHSIEB beim Fürstlich Wiedischen Oberforstamt in Neuwied und schilderte, er habe sich im verflossenen Herbst „alle Mühe gegeben, die Hochfürstliche Küche mit Krametsvögel zu versehen“. In der Annahme, die von ihm gelieferte Anzahl von Vögeln sei die höchste aus einem der insgesamt 18 wiedischen Reviere, bat er um die Gewährung der für diesen Fall aus gesetzten Prämie. Tatsächlich erfüllte Buchsieb mit170 eingelieferten Krammetsvögeln die erforderliche Bedingung. Die an ihn ausgezahlte Prämie belief sich auf drei Gulden 36 Kreuzer... Wenn nun 170 Krammetsvögel das Spitzenergebnis einer Fangsaison in einem der 18 Forstreviere der ehemaligen Grafschaft Wied darstellen, so lässt das sicherlich auf eine geringe Intensität des Vogelfanges schließen. Bezeichnenderweise bedienten Buchsieb und seine Kollegen auch nicht die Nachfrage eines städtischen Marktes, sondern lieferten die Beute an die Hofküche ihres Dienstherren" (aus: Zur Nutzung von Vögeln in der Westerw. Seenplatte im 18./19. Jahrhundert, in: Fauna Flora Rheinland-Pfalz 10: Heft 1 (2003): S.293-296. Landau).

Quelle
Echo des Siebengebirges vom 17.10.1877
Zur Verfügung gestellt von
Hans-Dieter Proff Mehr Infos auf wikipedia.de - Bilder von der damaligen Krammetsvogeljagd
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