Aufnahme: 1770
Am Pfingstmontag 1770 zog ein furchtbares Hagelunwetter über das Siebengebirge hinweg und machte die Ernte zunichte und die Menschen brotlos
In einem Zeitungsbericht aus den 1970er Jahren sind die Schilderungen des damaligen Bürgermeisters von 1770 abgedruckt. Pfingstmontag war im Jahr 1770 am 4. Juni.
Vielleicht ist dieses verheerende Unwetter der Anlass für die Hagelprozessionen gewesen, die seit Generationen am 4. Sonntag nach Ostern in Ittenbach stattfinden.
Unter der Überschrift "Ein Unwetter über dem Siebengebirge" und der Unterüberschrift "Die Feldfrucht wurde zerschlagen - eine große Hungersnot breitete sich aus" heißt es im Zeitungsartikel:
"Dollendorf: Große "Noth und Armseligkeit" ist im Jahre 1770 durch ein Hagelunwetter über unsere Heimat hereingebrochen. Bürgermeister Christian Hülder aus Oberdollendorf weiß diese Not in seiner Chronik erschütternd zu schildern:
Wegen allerhand fataler Wetter und auf Pfingstmontags-Abend eingefallenen Hagelschlags über Flerzheim, Cassel (Oberkassel), Rümmelinghofen (Römlinghoven), Feussel (Vinxel), Frankenforster-Hohn, Bucherrott, Sonnenberg und so fort, war auf einem schmalen Strich bis ins Hessische hinein alles total zerschlagen, weswegen nicht allein schlechte Frücht erzielt, sonders gänzlicher Mißwachs die Folge war, so zwar, daß wenn nicht aus Dänemark, Danzig und anderen Gemeinden mehr als 150 000 Malter Korn - nebenbei zu theuern Preisen - überreicht worden wären, das ganze Land vor Hunger hätte sterben müssen, wie denn auch Viele gestorben und verschmachtet sind. Denn schier die Bestbeerbten dahier in Dollendorf haben großen Hunger und Mangel gelitten und über die Halbscheid zu Heisterbach an der Pforten das Brod geholet, weilen dieselben dahir herum den Armen das Leben erhalten, wo sonsten der merhste Theil unserer Nachbarschaft als Cassel, Ober- und Niederdollendorf, ganz Stieldorf, Ittenbach, Königswinter und sofort viele Auswendige von Hunger hätten sterben müssen, die alle, über 3-, 4- und 5000, alle Tag zu Heisterbach ihr Stück Brod geholet, ein Jeder ohngefähr 1/2 Pfund schwer bis in den Arndt (Ernte) 1771. Auf Gründonnerstag 1771 sind zur Spendung allerorten bis zehntausend Menschen gewesen, also daß die Hälfte ohne Brod hat abgehen müssen, aber jedem der Letztern wurde ein Briefchen gegeben, gegen dessen Auswechselung er dann acht Tage später ein Fettmännchen (eine kleine Münze) und Brot erhielt."
Einen Augenzeugenbericht von Lucie Leven zur Hagelprozession und dem Perlenhardtskreuz finden Sie im Link unten
Etwas zu ergänzen?
Kennen Sie abgebildete Personen, das Jahr oder Hintergründe zu diesem Bild? Schicken Sie uns einen Hinweis – wir prüfen ihn und ergänzen das Objekt.