Aufnahme: 1965 (

Ittenbach am Fuße des Ölberges

Eine geschichtliche Aufzeichnung von H. Wicharz

Die Siebengebirgs-Zeitung berichtete:

Die Siebengebirgs-Zeitung hat sich die Aufgabe gestellt, nicht nur über das alltägliche Geschehen zu berichten, nicht nur amtliche Bekanntmachungen, Vereinsmitteilungen und dergleichen mehr zu veröffentlichen, nein, sie möchte als echtes Heimatblatt ihren Lesern die Heimat auch in geschichtlicher Form nahe bringen. Wen würde es nicht interessieren, wie seine Vorfahren gelebt und sein Heimatort entstanden ist?

Heute führt uns unsere Schilderung nach Ittenbach, einem Orte, der durch ein bitteres Geschehen, welches nun 20 Jahre zurückliegt, den letzten Kriegstagen 1945, weit über die Grenzen der nahen Heimat hinaus bekannt wurde. In diesen Tagen wird auf dem großen Soldatenfriedhof in Ittenbach gar mancher in stillem Gedenken am Grabe eines von ihm geliebten Menschen stehen, von dem ihm nichts weiter, als die Erinnerung blieb. Ittenbach ist ein alter Ort, mit einer weit zurückreichenden Geschichte. Er liegt am östlichen Abhang des höchsten der sieben Berge, dem Ölberg. Dieser Berg hat mit "Öl" nicht das Geringste zu tun. Es wachsen dort weder Olivenbäume, noch sind Erdölvorkommen bemerkt worden. Die aus hartem Basalt bestehende Bergkuppe war nach eine Einteilung Karls des Großen, die höchste Bodenerhebung im "Auelgau".

Über den Namen des Berges bestehen verschiedene Deutungen. Rektor Karl Gast aus Aegidienberg, führt zwei dieser unterschiedlichen Namensgebungen in seinem Buch "Aegidienberg im Wandel der Zeiten" wie folgt an: "Die eine führt "Ölberg" auf das lateinische Wort "olla" (Topf). althochdeutsch "ul" (Tropf, Krug) zurück und will damit besagen, dass der Ölberg oder "Auelberg" der Berg der Töpfer war, die in seinem Umkreis lebten und schafften. Demnach würde indirekt der Ton, aus dem die Töpfe entstehen, für die Namensgebung bedeutungsvoll gewesen sein. Eine andere Erklärung hat Kaplan Düster (früher Oberpleis, z. Zt. Pastor in Blatzheim bei Köln) in der Festschrift zur Oberpleiser Tausendjahrfeier (18.-26. September 1948) veröffentlicht. Im Zuge seiner Untersuchungen der vom Kölner Erzbischof Wichfried im Jahre 948 n. Chr. durch Urkunde ausgewiesenen und besiegelten Zehntgrenze der Propstei Oberpleis vertritt er die Ansicht, dass "Ölberg" - der Volksmund sagt "Olbrich" - auch "Molberich", d. h. Mahl- oder Malberg bedeuten könne. Ein Malberg wäre aber eine Ding-, eine Gerichtsstätte, die übrigens im "Niederrheinischen Jahrbuch" von 1843 (S. 102) für den Ölberg beschrieben ist."

Zu Füßen dieses Berges liegt der romantische Luftkurort Ittenbach, mit seinen behaglichen, bestgeführten Hotels, Gaststätten und Pensionen. In jeder Jahreszeit wird hier der Wanderer immer wieder neu überrascht von den Schönheiten, die seinen Augen durch die bewegten Linien der Kuppen, Täler, Wiesen und Wälder geboten werden. Im Frühling leuchtet dem Spaziergänger das erste helle Grün, im Sommer umfängt ihn der Schatten hoher Buchen und Tannen, im Herbst bietet sich ihm die unvergleichliche Farbenpracht der herrlichen Mischwälder, und im Winter laden des Gebirges verschneite Forsten und Abhänge zu Erholung und Wintersport ein. Die Schönheit der Landschaft und das gesunde milde Klima der mittleren Höhenlage bieten Gewähr für Entspannung und gute Erholung,

Verlockend ist ein Gang durch das nahe gelegene Wildgatter, einem Waldgebiet von mehreren hundert Morgen. Die Geschichte von Ittenbach beginnt 922. Idubag, wie Ittenbach früher hieß, wird in jenem Jahre erstmalig urkundlich erwähnt. Der Kölner Erzbischof Hermann I. von Köln, bestätigt den vereinigten Nonnen von Gerresheim und St. Ursula in Köln einen Grundbesitz in Ittenbach. Seltsamerweise vergehen dann 7 Jahrhunderte ohne das Ittenbach noch ein einziges Mal nachweislich erwähnt wird. Die Abtei Heisterbach war Zehntherr in Ittenbach mit einer jährlichen Einnahme von 24 Maltern Korn und 40 Malter Hafer. Auch reichten die Waldungen des Klosters bis ins Ittenbacher Gebiet. Vor Jahren fand man in den Wäldern um Ittenbach noch Grenzsteine mit dem Heisterbacher Abteizeichen. Der Laagshof war wahrscheinlich Eigentum des Klosters in Heisterbach während der Stöckerhof zur Propstei in Oberpleis gehörte.

Bild oben von 1970

Bild unten: abgedruckt in der Siebengebirgs-Zeitung Nr. 13 vom 26.03.1965

Quelle
Siebengebirgszeitung Nr. 13 vom 26. März 1965 (Text)
Zur Verfügung gestellt von
Annette Hirzel (Postkarte); Paul Winterscheid (SZ)
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