Aufnahme: 1965
Katholische Kirche Zur schmerzhaften Mutter in Ittenbach
Eine geschichtliche Aufzeichnung von H. Wicharz
Die Siebengebirgs-Zeitung berichtete:
Der Vorgängerbau der heutigen Ittenbacher Kirche war eine 1660 errichtete Kapelle. Mit Erlaubnis des Kurfürsten, Erzbischof Max. Heinrich holten die Ittenbacher die Steine zum Kapellenbau von der Burgruine auf dem Drachenfels. Die Burg hatte Erzbischof Ferdinand 1634 zerstören lassen, weil ihre Verteidigung und Unterhaltung zu kostspielig wurde. Otto Werner von Walpott zu Gudenau, der die Burgruine Drachenfels zu Lehen besaß, hinderte jedoch die Ittenbacher am Abtransport der Mauerreste. Die Ittenbacher Bürger beschwerten sich daraufhin beim Kurfürsten. Wie aus einer Urkunde vom 9. Juni 1660 zu ersehen ist, erteilte der Kurfürst dem Gudenauer einen strengen Befehl, die Ittenbacher "underthanen, die zur göttlichen Ehr die Steine gebraucht haben, in Abführung der zu vorbemeldtem Endt nötigen Stein nit zu hindern".
Diese erste Kapelle bildete ein Rechteck mit abgeschrägten Ecken zur Andeutung des Chores, mit je zwei kleinen Fenstern an den Längsseiten und einem kleinen Dachreiter für ein Glöckchen. Der erste Priester an dieser Kapelle war Pastor Gabriel Bussdorf. 1667 erklärte Erzbischof Max-Heinrich Ittenbach zur selbstständigen Pfarrei, die bis zu diesem Jahre nur eine Filiale von Königswinter war. Die neue Pfarrei wurde mit dem Einkommen des Pankratiusaltares der gesprengten Drachenfelser Burgkapelle ausgestattet. Das heißt: In der Drachenfelsburgkapelle befand sich ein dem hl. Pankratius geweihter Altar. Die Einkünfte dieses Altares bestanden aus dem Ertrag des damaligen Pankratiushofes zu Mehlem mit 13 Morgen Land sowie 1/2 Morgen in Aegidienberg. Dieses Einkommen war zunächst St. Remigius in Königswinter zugewiesen worden.
Der um die Kapelle liegende Platz wurde als Kirchhof eingerichtet. Bis dahin mussten die Ittenbacher ihre Verstorbenen mühselig über den "Leichenweg" dem Mittelbach entlang nach Königswinter bringen. Petrus Freybel wurde als erster Pastor an die neu eingerichtete Pfarrei berufen und wurde 1675 von Pastor Walramus Fink aus Niederdollendorf abgelöst. In die Amtszeit des letztgenannten, fällt eine äußerst interessante Stiftung. 1684 schenkte Dederich Schröder der Kirche zu Ittenbach eine Kuh, mit der Bedingung "dass selbige Kuh nit solle veräußert werden, sondern als ein immer wehrend oder eißerner Kuhe bleiben sollte." Diese Kuh wurde 1689 Johann Kurts überlassen. Als Pacht hatte er der Kirche jährlich einen .Cölnischen Dahler" zu zahlen. Sollte die Kuh sterben oder verunglücken, so müsse er der Kirche eine neue Kuh kaufen.
Diese absonderliche Stiftung der "eisernen Kuh" hielt sich noch lange Jahre. Es traten immer wieder neue "Pächter" auf. 1758 wird sie jedoch zuletzt urkundlich genannt. Wann die "eiserne Kuh" endgültig "verstarb", ist nicht festzustellen. Unter Pastor Joh. Mathias Preiss erhielt die Ittenbacher Kapelle ihre erste große Glocke. Sie trug die Inschrift: "S. Maria Mater dolorosa, ora pro nobis, est liberemur a tempestatibus, (Hl. Maria, schmerzhafte Mutter, bitte für uns um Bewahrung vor Ungewittern). Hoch Edeler Ehrenvater und Hochgelehrter H. H. Ferdinandus von Fabri, euer churfürstl. Durchlaucht in Coeln Wohlbester Hoflrath. W." Diese letzte Widmung galt wohl der Familie Fabri, die bis ins 19. Jahrhundert Patron der Ittenbacher Kapelle war.
Die Glocke tat ihren Dienst fast zweihundert Jahre lang bis zur Einschmelzung im Weltkriege. Im Jahre 1819 erhielt Ittenbach unter Pastor Plenz das erste Gemeindeschulhaus, südöstlich von der Kirche gelegen. Bis dahin bestand nur Privatunterricht, den ein Mann aus der Pfarrei erteilte, dem man diese Befähigung zutraute. Der Unterricht wurde nur im Winter erteilt, weil die armen Leute ihre Kinder zu anderer Jahreszeit für die Feldarbeit benötigten. Der Lehrer bekam als Entgelt von jedem Kinde monatlich 71/2 Stüber Geld und täglich ein Stück Holz zur Heizung. Wenn das Geld zum Leben mal nicht reichte, durfte der Lehrer bei den Familien seiner Schüler abwechselnd zu Mittag essen. So "aß er sich rund" ohne dabei "rund" zu werden.
Die 1660 errichtete Ittenbacher Pfarrkapelle wurde im Laufe der Jahre immer baufälliger und erreichte 1827 einen solch bedrohlichen Zustand, dass sich der Bürgermeister von Königswinter gezwungen sah, das Läuten zu verbieten. Als dann auch noch Bauinspektor Henne aus Siegburg in einem Gutachten erklärte, Turm, Schiff und Chor könnten jeden Augenblick einstürzen, ließ der Bürgermeister die Kapelle abbrechen.
Foto unten: Siebengebirgs-Zeitung Nr. 20 vom 14.05.1965
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