Aufnahme: 1983
Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Königswinter
Zusammengestellt von Pfarrer Peter Hintze
in der Festschrift zur Einweihung des neuen Gemeindehauses im Jahr 1983:
Die Auswirkungen der Reformation auf die Gemeinde in Königswinter lassen sich heute nicht mehr bestimmen. Die alten Archive sind mehreren Kriegen zum Opfer gefallen und kein Chronist vermag klare Auskunft über das Königswinter der Reformationszeit zu geben. Als gesichert kann indes angenommen werden, daß für einen kurzen Zeitabschnitt bis ca. 1584 die Reformation auch in Königswinter zur Wirkung kam. Politische Auseinandersetzungen und die Niederlage des zum evangelischen Glauben übergetretenen Kölner Erzbischof Gebhardt Truchseß führten jedoch zu einem vorläufigen Ende. So heißt es in einer alten Chronik über Bonn und Umgebung: "Zur Straf davor, daß sie lutherisch geworden, (wurden) alle Weinberge zerstört." Königswinter könnte damit gemeint sein, wenngleich sich das auch nicht mit Sicherheit behaupten läßt. Das Siegel unserer Gemeinde enthält ebenfalls einen Hinweis auf die Reformationszeit. Die sich um das Kreuz windende Schlange ist das Wappen des großen Reformators Philipp Melanchthon, der während seines Aufenthaltes in Bonn im Jahre 1543 auch eine Zeitlang auf der Löwenburg gewesen sein soll. Dies wäre sicherlich kaum denkbar gewesen, wenn die Burggrafen vom Drachenfels ihm und seinen Plänen feindlich gesinnt gewesen wären. All dies sind indirekte Hinweise auf reformatorische Bemühungen in Königswinter. In der Folgezeit wird es dann aber still um die Reformation. Nur in Oberkassel kann sich das evangelische Bekenntnis allen Widerständen zum Trotz durchsetzen.
Erst im 19. Jahrhundert beginnt sich die Evangelische Gemeinde Königswinter zu entwickeln. Die Gründung der Bonner Universität, der evangelisch geprägte Staat Preußen, neue Verkehrsmittel wie Eisenbahn und Dampfschiffbetrieb waren die Voraussetzungen für eine Bevölkerungsbewegung, die schließlich auch den evangelischen Glauben wieder nach Königswinter brachte. So ist als erster evangelischer Mitbürger ein Herr von Zastrow erwähnt, der seit 1811 an der Steuerpartie als Steuerempfänger in Königswinter beschäftigt war. Die darauf folgenden Kriege brachten die evangelischen Soldaten des Ostens vielfach ins Rheinland, und manche von ihnen blieben hier ansässig. So auch ein später als Tagelöhner arbeitender Mitbürger namens Veutgen aus Ostpreußen. Allmählich aber wuchs die Zahl der Evangelischen durch Zuzug von außen, teils durch aktive Beamte, die hierher versetzt wurden, teils durch pensionierte Beamte und Offiziere, die im schönen Siebengebirge ihren Lebensabend verbringen wollten.
Am 22. Juli 1848 wurde dann Königswinter zusammen mit Honnef als Filialgemeinde von Oberkassel konstituiert. Bei der Verhandlung, die unter Vorsitz des Generalsuperintendenten Küpper stattfand, waren 13 stimmberechtigte Gemeindeglieder aus Königswinter und Honnef anwesend. Zu Presbytern der Filialgemeinde wurden der Konditor Zilles, der General von Delitz, ein Major Müller und Friedensrichter Ingenohl gewählt. Im Jahre 1849 richtete man einen eigenen Betsaal im Hause Hauptstrasse 33 ein. Zur Ausgestaltung dieses Gottedienstraumes haben auch katholische Mitbürger ca. 100 Taler gestiftet. Die Gottesdienste wurden von Pfarrer Schulze-Berge aus Oberkassel alle 14 Tage gehalten. Im Sommer war um 8 Uhr Gottesdienst, im Winter traf man sich um 11 Uhr. In der Gemeinde wurde jedoch rasch der Wunsch laut, an jedem Sonntag Gottesdienst zu feiern und das geistliche Leben der Gemeinde zu intensivieren. Das Ziel war die Bestellung eines eigenen Geistlichen für die Filialgemeinde. Mit Unterstützung der Pastoralhilfsgesellschaft in Barmen und durch großzügige Stiftungen aus der eigenen Gemeinde konnten schließlich die Mittel zur Anstellung eines Pfarrvikars aufgebracht werden. So konnte schließlich am 30. Juni 1861 der cand. min. Theodor Jordan aus Soest als Pfarrverweser durch den Pfarrer Schulze-Berge eingeführt werden. Die Seelenzahl betrug damals für den Bereich Königswinter genau 100, davon waren 24 in die Gruppe der Kinder zu rechnen, von denen 3 den Konfirmandenunterricht und 6 den Katechumenenunterricht besuchten. Erfreulich ist, daß Jordan über seine Zeit in Königswinter selbst schreibt: "Das Verhältnis zu der katholischen Bevölkerung war fortdauernd ein gutes". Allerdings weiß die Chronik auch von einigen "fanatischen" Predigten eines Kaplans Reinstetter zu berichten, die jedoch "wenig Beifall fanden". Insgesamt war Königswinter schon sehr früh vom ökumenischen Geist bestimmt, lange bevor dieser Begriff sich überhaupt verbreitete. Das wichtigste Ereignis des Jahres 1862 war der Versuch, einen Platz für den Bau einer Kirche in Königswinter zu erwerben. Zur Ansammlung eines Kirchbaufonds wurde eine Verlosung veranstaltet, die 631 Taler und 22 Silbergroschen erbrachte. Auch der katholische Pfarrer Clasen hatte einige Lose gekauft. Der Zufall wollte, daß dieser ein Bild Melanchthons gewann. Lächelnd hat er es entgegengenommen, der Überbringerin versprochen, es einrahmen zu lassen, und ihr dabei auch ein Bild Luthers gezeigt, das sich in seinem Besitz befand. Am 1. November 1862 ging Pfarrvikar Jordan als Pfarrer nach Sassendorf in Westfalen.
Als sein Nachfolger wurde am 4. November 1862 der cand. min. Emil Saenger als Pfarrverweser eingesetzt. Er hielt am 9. November seine Antrittspredigt über Apostelgeschichte 18, 9-10.
Ihm gelang es noch im selben Jahr einen Kirchbauplatz für 1000 Taler zu erwerben. Jetzt galt es, die notwendigen Mittel für den Kirchbau zu beschaffen. Eine Hauskollekte in der Rheinprovinz erbrachte 4176 Taler, 22 Silbergroschen und 7 Pfennig. Diese Kollekte erforderte den ganzen Einsatz des Pfarrverwesers. Er sammelte in allen wichtigen Gemeinden des Rheinlands und konnte in dieser Zeit seine Gemeinde nur ab und zu betreuen. Lassen wir ihn für einen kurzen Moment selbst mit seiner Chronik zu Wort kommen: "Unvergeßlich wird mir es bleiben, wie ich oft gerade bei Armen und Geringen eine Freudigkeit zum Geben fand, die mir die Groschen unendlich lieber machten als oft viele Taler, ich denke besonders an die Weberdörfer bei Rheydt und die Bauernhöfe bei Moers, aber hin und her auch an manche liebe Seele in den größeren, reichen Städten. Um dieser reichen Erfahrungen willen, gestehe ich, möchte ich die Beschwerden dieser Reisen nie entbehrt haben."
Der Tatkraft von cand. min. Saenger ist es zu verdanken, daß unsere Gemeinde so rasch die nötigen Mittel zum Bau einer Kirche beschaffen konnte. Im ganzen waren 7200 Taler für den Kirchbau verfügbar, so daß man den Bau in Angriff nehmen konnte. Der Baumeister Christian Heyden aus Barmen fertigte einen Plan, der am 24. Juni 1863 die Genehmigung der Gemeindeversammlung fand. Am 29. Juli fand die feierliche Grundsteinlegung in Verbindung mit der Ordination des Pfarrvikars Saenger statt. In der Grundsteinurkunde heißt es: "Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes wurde heute am 29. Juli des Jahres 1863 nach Christi Geburt, im dritten Jahr der Regierung Sr. Majestät des Königs Wilhelm I. von Preußen hierselbst zu Königswinter, zum Siegkreise in der preußischen Rheinprovinz gehörig, feierlich der Grundstein dieser evangelischen Kirche gelegt. Schon in der Zeit der Reformation, um die Mitte des Jahrhunderts, fanden sich wahrscheinlich bedeutendere evangelische Gemeinden in den Ortschaften Königswinter und Honnef während des 30jährigen Krieges verschwand die letzte Spur der Gemeinden. Die gegenwärtigen statistischen Verhältnisse der Gemeinde sind folgende:
Die Gesamtzahl der beständig hier wohnenden Evangelischen ist 148.
Das Presbyterium bilden gegenwärtig der Pfarrvikar Saenger als Vorsitzender, Herr Bauinspektor Graefinghoff und Steuerempfänger Schuster als Älteste, Herr Rentner Clarenbach als Kirchmeister und Herr Gerichtsvollzieher Georgi als Diakon."
Soweit die Urkunde. Am 31. Oktober 1864, am Reformationstage also, wurde die neue Kirche durch Generalsuperintendent Eberts eingeweiht. Zwei Glocken, vom Glockengießer Claren in Sieglar, für 640 Taler gefertigt, verkündeten der ganzen Stadt die Freude der Evangelischen Gemeinde.
Im August 1872 wurde dann die sehnlichst erwartete neue Orgel in die Kirche eingebaut, nachdem im Vorjahr der Bau einer Orgelbühne erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Die Gesamtkosten des von Orgelbauer Adolf Ibach gebauten Instruments beliefen sich auf 665 Taler, wobei die alte Orgel für 100 Taler in Zahlung genommen wurde. Als weitere Baumaßnahme erfolgte der dringend notwendig gewordene Bau eines Pfarrhauses, um den Pfarrverweser Saenger heftig ringen mußte. Am 9. September 1874 konnte schließlich das Pfarrhaus neben der Kirche bezogen worden. Die Bausumme betrug 8350 Taler.
Das Jahr 1876 brachte dann den Evangelischen in Honnef und Königswinter die Selbständigkeit im Rahmen eines gemeinsamen Pfarrverbandes. Pfarrvikar Saenger wurde der erste Pfarrer dieser Gemeinde. Von nun an machte das Gemeindeleben deutliche Fortschritte. Im Jahr 1886 wurde eine evangelische Volksschule errichtet, die damals die Bezeichnung "Evangelische Privat-Elementarschule" führte. Die Schule wurde mit freiwilligen Abgaben der Gemeindeglieder finanziert. Die Spendenfreudigkeit der kleinen Gemeinde war beträchtlich. Die Schule wurde dann am 1. Mai 1886 mit 29 Schülern im Konfirmandenzimmer des pfarrhauses eröffnet. Es sollte bis zum Jahre 1895 dauern bis endlich aus der Privatschule eine öffentliche Volksschule wurde. Als Schulraum diente nun das von der Evangelischen Gemeinde erbaute Schul- und Gemeindehaus im heutigen Küferweg.
Im Jahre 1894 hatte der Pfarrer des pfarrverbandes Königswinter-Honnef Emil Saenger nach 33 Jahren intensiver Aufbauarbeit in der Gemeinde eine Berufung zum Konsistorialrat der Provinz Brandenburg angenommen. Sein Nachfolger wurde Ernst Rentrop, der zuerst als Pfarrverweser, später als Pfarrer die Gemeinde fast ein halbes Jahrhundert lang durch gute und schwere Zeiten hindurchführte. Pfarrer Rentrop hatte als erste Aufgabe die Trennung des Pfarrverbandes vorzubereiten, da in Königswinter und Honnef der Wunsch groß war, jeweils eine selbständige Gemeinde zu bilden. Am 1. Juli 1895 war es dann so weit. Königswinter wurde durch staatliche Urkunde zur selbständigen Gemeinde erklärt, wenig später, am 18. August 1895 wurde der bisherige Pfarrverweser Rentrop als Pfarrer der Kirchengemeinde Königswinter feierlich in sein Amt eingeführt. Die Zahl der Gemeindemitglieder betrug zu diesem Zeitpunkt 343. Da die Steuerkraft der Gemeinde nun erfreulich zugenommen hatte, konnte man sich an die Ausgestaltung der Kirche machen. Hierzu gehörten die bis heute erhaltenen Kirchenfenster, eine erweiterte Orgelbühne und später auch das ausdrucksstarke Altarbild des Düsseldorfer Malers H. J. Sinkei, eines Schülers des in Königswinter geborenen Malers Franz Ittenbach. Auch das publizistische Leben der jungen Gemeinde erfährt eine Bereicherung. Die Gemeinden Oberkassel, Honnef und Königswinter beginnen im Jahr 1903 mit der Herausgabe eines kirchlichen Monatsblattes mit dem Titel: Evangelische Glocken am Drachenfels.
Ein wichtiger Einschnitt im Gemeindeleben war der Ausbruch des 1. Weltkrieges. Die Gemeinde Königswinter erfuhr die grausame Wirkung des Krieges sehr rasch. Lehrvikar Jüngst, der Pfarrer Rentrop zugeordnet war, wurde am 11. September 1914 zum Waffendienst einberufen, schon am 26. September starb er im Kugelhagel vor Reims. Pfarrer Rentrop wurde im Jahre 1922 durch das Vertrauen der Pfarrer der Kreissynode Bonn zum Superinterdenten gewählt. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung hielt er sich treu zur Bekennenden Kirche und ließ sich auch durch Drohungen und eine staatlich verfügte Amtsenthebung nicht von seinem Weg abbringen. Gestützt von seinen Pfarrern war er der Synode Bonn in schwerer Zeit ein treuer Seelsorger und Leiter. Am 30. April 1937 starb er im Alter von 68 Jahren. Die Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft war für die kleine Gemeinde Königswinter eine starke Herausforderung. Nicht stolz, aber voller Dankbarkeit, darf der Chronist heute feststellen, daß die Evangelische Gemeinde Königswinter von den Wirren, die damals große Teile unserer Kirche erfaßte, weitgehend verschont blieb. Bei den Presbyteriumswahlen im Jahr 1933 wurde nur ein einziges Gemeindeglied zum Presbyter gewählt, das mit den Deutschen Christen, einer national-sozialistischen Kirchenorganisation, sympathisierte. Die anderen Presbyter wurden aus dem Kreis derer gewählt, die die Kirche unter keinen Umständen in den Dienst der NS-Propaganda stellen wollten. Auch in den folgenden Jahren widersteht das Presbyterium dem staatlichen Druck und unterstützt seine Pfarrer im treuen Festhalten am Bekenntnis zu unserem alleinigen Herrn und Heiland Jesus Christus. Im Jahre 1934 befassen sich drei Presbyteriumssitzungen ausdrücklich mit der NS-Propaganda gegen die Kirche. Pfarrer Rentrop und, mit einer Ausnahme, alle Presbyter, wenden sich energisch gegen die Gründung einer Ortsgruppe der Deutschen Christen (DC), so wie gegen Angriffe, die von Seiten der DC gegen Rentrop erfolgt waren. Am 28. August 1934 erfolgt dann die Amtsenthebung von Pfarrer Rentrop als Superintendent, die von einem Bischof der DC in Koblenz verfügt wurde. Durch die Treue der Kreissynode konnte Pfarrer Rentrop sein Amt jedoch als bekennender Pfarrer weiterführen. Nach seinem Tod war es der Mehrheitswunsch des Presbyteriums, wieder einen bekenntnistreuen Pfarrer zu finden, der dem menschenverachtenden Regime des Nationalsozialismus mit kritischer Standfestigkeit entgegentrete. Am 14. Oktober 1937 entschied sich das Presbyterium für Pfarrer Hermann Röhrig aus Pfalzfeld, der am 12. Dezember in sein Amt eingeführt werden konnte. In der Folgezeit nahm der Druck auf die Kirche zu. Am 21. März 1939 wurden die Kollekten der "Bekennenden Kirche" verboten. Mit Kriegsbeginn mußte sich auch die Kirche der Luftschutzordnung unterwerfen. Das Presbyterium bildete die Einsatzgruppe für den Luftschutzdienst. Der Pfarrer wurde Luftschutzleiter. Die Keller des Pfarrhauses und des Gemeindehauses wurden zu Luftschutzkellern für die Gottesdienstbesucher erklärt. Im Jahre 1940 mußten zwei Kirchenglocken für die Waffenschmieden abgeliefert werden. Für die Zeit des Krieges gibt es nur wenige spärliche Nachrichten über das Gemeindeleben. Erwähnung sollte noch finden, daß durch den Mut der Pfarrersfamilie Röhrig eine jüdische Familie vor dem sicheren Tod bewahrt werden konnte.
Das Kriegsende war für die Struktur der Gemeinde von großer Bedeutung. Ein Strom von Flüchtlingen kam ins Rheinland und fand hier eine neue Heimat, manchmal allerdings nur unter großeh Schwierigkeiten. Es brauchte viele Jahre, bis die einheimische Bevölkerung und die Heimatvertriebenen in Königswinter zu einer neuen Gemeinschaft zusammengewachsen waren. Eine Besonderheit der Nachkriegsjahre war auch das sprunghafte Ansteigen der Anträge auf Wiedereintritt in die Kirche. Viele Menschen, die während der NS-Zeit die Kirche verlassen hatten, drängten nun in die Gemeinde zurück. Das Presbyterium prüfte sorgfältig jeden Antrag, zeigte sich aber bei der Abwicklung großzügig. Im Jahre 1947 wurde die Gemeinde durch den plötzlichen Tod von Pfarrer Röhrig erschrocken. Er starb ab 7. März 1947 und hinterließ seine Frau mit einer großen Kinderschar. Im Nachruf heißt es: "Pfarrer Röhrig gehörte zu den Pfarrern, die in stiller treuer Arbeit ihren Dienst mit ganzer Hingabe und Verantwortung tun. Schon als junger Mann fühlte er sich zum Dienst in der Kirche gerufen und hat von dem Augenblick an sein Leben und Wirken unter das Wort des Apostels Paulus gestellt: "Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn, ob wir aber leben oder sterben, so sind wir des Herrn." Die Arbeit der letzten Zeit, die über seine Kraft ging, zumal seine Gesundheit durch die Unterernährung der letzten Jahre sehr geschwächt war, hat ihn verzehrt. Ist doch die einst kleine Gemeinde Königswinter heute zu einer großen Flüchtlingsgemeinde geworden."
Bis zum Amtsantritt des neuen Pfarrers wurde unsere Gemeinde durch Pfarrer Melzer betreut. Am 8. Juli 1947 wurde dann Pfarrer Lic. Adolf Hamel zum Pfarrer gewählt. Seine wissenschaftliche Tätigkeit führte ihn jedoch sehr bald auf einen Lehrstuhl für Kirchengeschichte der Universität Mainz, so daß die Gemeinde bereits 1951 Pfarrer Hans Groß zum Nachfolger wählte. Pfarrer Groß hat sich vor allem mit liturgischen und konfessionellen Fragen beschäftigt. Ihm ist es zu verdanken, daß seit dem 7. März 1953 das Abendmahl je einmal im Monat "im" Gottesdienst gefeiert wurde. Als Beitrag zur Behebung der großen Wohnungsnot in unserer Stadt wurde während seiner Zeit 1955/56 ein Wohnhaus auf dem Grundstück Remigiusstraße Nr. 15 erbaut. Am 1. Mai 1960 verabschiedete sich Pfarrer Groß von der Gemeinde Königswinter und wechselte auf eine Pfarrstelle nach Wuppertal.
Sein Nachfolger wurde Pfarrer Erwin Krakowski, der am 12. März 1961 von Superintendent Klocke in sein Amt eingeführt wurde. Neben Königswinter hatte der Pfarrer auch die Außenbezirke Aegidienberg und Ittenbach zu versorgen. In Aegidienberg konnte im Jahre 1961 die Friedenskirche errichtet und eingeweiht werden. Den Errichtungsbeschluß hatte das Presbyterium in der Vakanzzeit 1960 gefaßt. Auch Ittenbach bekam wenig später eine eigene Kirche. Am 26. März 1967, am Ostersonntag, konnte die Auferstehungskirche feierlich ihrer Bestimmung übergeben werden. Die Christuskirche in Königswinter konnte 1964 ihr 100jähriges Jubiläum feiern. Bei dieser Gelegenheit erhielt sie ihren Namen.
In die Amtszeit von Pfarrer Krakowski fällt auch der Bau unseres Kindergartens am Küferweg.
Am 1. 4. 1974 tritt Pfarrer Krakowski in den Ruhestand, am 27. November 1974 verstarb er in Königswinter, wo er am 30. 11. 1974 nach einer Trauerfeier in der Christuskirche auf dem Alten Friedhof beigesetzt wurde. Der Gemeindeteil Aegidienberg wurde zum 1.4. 1974 zur selbständigen Gemeinde erklärt, die jedoch noch bis zum 1. 4. 1977 pfarramtlich mit Königswinter verbunden blieb.
Zum Nachfolger von Pfarrer Krakowski wurde am 2. März 1975 Pfarrer Ekkehard Jacoby aus der Christuskirchengemeinde Rheinhausen kommend, von Superintendent Klocke in der Auferstehungskirche in Ittenbach in sein Amt eingeführt. Pfarrer Jacoby bemühte sich intensiv um die Belebung unserer Chöre und Gemeindekreise und er engagierte sich sehr stark bei der Gründung einer Alt-Kleiderstube, die auch in den Folgejahren große Erfolge verzeichnen konnte. In seine Amtszeit fällt auch der Einbau einer neuen Orgel in der Christuskirche, die am 14. Dezember 1975 in einem Gottesdienst feierlich in Besitz genommen wurde. Pfarrer Jacoby hat sich auch besonders um eine Verbindung zu unseren Brüdern und Schwestern im anderen Teil Deutschlands bemüht. So rief er eine Patenschaft zur Kirchengemeinde Oybin ins Leben, die bis auf den heutigen Tag besteht. Zum 1. 9. 1979 übernahm Pfarrer Jacoby einen Dienst in der Bundesgrenzschutzseelsorge. Er wurde Grenzschutzoberpfarrer beim Grenzschutzkommando West
Sein Nachfolger wurde Pastor Peter Hintze aus Bad Honnef, der schon seit 1977 als Vikar in der Gemeinde tätig war. Zum 1. 10. 1979 wurde Hintze als Pastor vom Landeskirchenamt mit der Verwaltung der Pfarrstelle Königswinter betraut und dann am 1. Juni 1980 nach erfolgter Wahl durch das Presbyterium von Superintendent Wirths in sein Amt als Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Königswinter eingeführt. In der Folgezeit entschließt sich das Presbyterium zum Bau eines Gemeindehauses in Ittenbach. Die Planungsgruppe Stieldorf mit Herrn Dipl. Ing. Hornschuh als verantwortlichem Architekt erhält den Planungsauftrag. Am 27. Juni 1982 wurde der Grundstein gelegt. Die von Ernst Schwarzmeier künstlerisch gestaltete Grundsteinurkunde hat folgenden Wortlaut:
URKUNDE
In der Heiligen Schrift heißt es: Lasset Euch auch selbst wie lebendige Steine aufbauen als ein geistliches Haus, um geistliche Opfer darzubringen, die Gott angenehm sind durch Jesus Christus.
In der Hoffnung auf die Erfüllung dieses Schriftwortes schaffen wir unserem Gemeindeleben neuen Raum und bauen dieses Gemeindehaus. Es soll allen Menschen in unserer Stadt zur Stätte der Begegnung und der inneren Einkehr werden. Die Planungsgruppe Stieldorf erstellte die Pläne. Die ganze Gemeinde ist nun aufgerufen, das Haus mit Leben zu füllen. Wir legen diesen Grundstein A D 1982, als Günter Hank Bürgermeister, Peter Hintze Pfarrer und Friedemann Schwarzmeier Kirchmeister von Königswinter sind.
3. Sonntag nach Trinitatis 27. Juni 1982
Das Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Königswinter:
Sieglinde Grieche Sigrid von Holst Friedemann Schwarzmeier Heinz Hoffmann Armgard Körfgen Peter Hintze Ursula Steuermann Kurt Werner Obermeit Eva Pöhls Gerhard Klammer
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