Aufnahme: 1970

Fachwerkhaus Hochgeschurz Ittenbach

Die Siebengebirgs-Zeitung berichtete:
Das alte Haus in Ittenbach

Gedanken zum Abbruch eines alten Fachwerkhauses

Unser heutiges Titelbild zeigt das alte Hochgeschurz-Haus auf dem Falkenstein in Ittenbach. (Anm. Museumsredaktion: Paul Bachem, der dieses Foto vor dem Abriss 1969 aufgenommen hatte, hat auf der Rückseite des Fotos den Namen "Unkelbach" im Falkensteiner Gässchen 7a festgehalten). Es hat leider 1969 einem Neubau weichen müssen. Typisch für die Bauweise der wohlhabenderen Alteingesessenen waren ein Erdgeschoß aus Gestein und ein Obergeschoß aus Eichenfachwerk. Dem Hauptgebäude war auf der Rückseite ein Anbau angegliedert. Das Dach dieses Anbaues ruhte auf der Mittelpfette des Hauptgebäudes und auf der Mauerlatte. Unter diesem Dach befanden sich oben die Räume für die Kinder oder das Hausgesinde und darunter Abstellräume oder Vorratskammern. Oft reichte dieses Dach bis an Erdbodennähe. Die Fenster waren sehr klein. Wenn sie auf dem Foto größer erscheinen, so erklärt sich das aus der Tatsache, dass man in jüngster Zeit dem Wunsche nach „mehr Licht und Luft“ nachgegeben hat.

Diese uns heute befremdende Scheu vor Sonnenlicht verlieh dem Hause im Innern eine verträumte Geborgenheit und ein beachtliches Maß an Sicherheit vor Landstreichern und Dieben, denn die Bewohner waren nur auf sich selbst gestellt oder auf die Nachbarn angewiesen. Von ein oder mehreren Birnbäumen, die in nächster Umgebung des Gebäudes standen, wurde diese Dunkelheit noch unterstrichen. Die Birnbaumsorten können wir bis zum Jahre 1700 zurück verfolgen.
Die Früchte verwendet man zum „Krauten“ (Birnenkraut), zum Süßen, anstelle von Bienenhonig, weil es noch keinen Zucker gab, und ferner zum Schnitzeln und Trockenobst für die Winterlagerung). Häufig standen auch Eschen oder Eichen, selten Linden, in der Nähe der Gebäude, die aber kaum das Lebensalter dieser halbwilden Altobstsorten (Hönderbirren, Schmalzbirren, Olligsbirren) erreichten.

Auch erkannte man hierin natürliche „Blitzfänger“. Strohgedeckte Häuser waren in der Minderheit. Die meisten Häuser - auch dieses alte Fachwerkhaus - waren bedeckt mit den leichten, beinahe unverwüstlichen Rundziegeln, die in dem nahe gelegenen „Pannenschopp“ hergestellt wurden (am Schamott-Loch, jetzt Königswinterer Siedlung). Allerdings verwendete man dabei auch „Strühwösche“ (besenförmig gebundenes Stroh, die zum Abdichten gegen Schneeverwehungen unter die Ziegel gelegt wurden.

Das Holz des Fachwerkes war teils mit einem Flanschbeil behauen, teils handgesägt. Dieses Baumaterial aus der einheimischen Wintereiche garantierte unbegrenzte Lebensdauer. Fichte und Kiefer waren noch nicht eingeführt.

Die Familie Hochgeschurz läßt sich bis über das Jahr 1750 hinaus rückverfolgen. Es ist glaubhaft verbürgt, dass sie mindestens in einer Generation ihren Lebensunterhalt und recht und schlecht aus einem Fuhrgeschäft bestritt. Allein zum Abtransport des Ölbergbasaltes besaß Hochgeschurz 48 Zugpferde. Auf einem holprigen, oft sehr steilen Karrenweg, der an einigen Stellen noch heute erkennbar ist, gelangte das im Steinbruch gewonnene „Holländische Pflaster“ (quaderförmige Blöcke, 8 Zoll dick) an die Verladerampen am Rhein in Königswinter.

Zum Beschlagen der vielen Pferde in Ittenbach fehlte es damals nicht an Huf- bzw. Wagenschmieden. Die Lindlahrs-Schmiede, die Staffels-Schmiede und eine noch ältere in Gräfenhohn.
Infolge Auflösung der „Gewerkschaft zum Abbau des Ölbergs“ auf Grund einer Preußischen Verfügung erlag auch dieser einträgliche Erwerb dem Wandel der Zeit. Zu Ende war eine Epoche, in der Steinbrüche als „Goldgruben“ galten, wo man „steinreich“ werden konnte und sich damit brüstete, als „Steinerner“ oder „Hölzerner“ auf die Welt gekommen zu sein.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 25 vom 27.06.1970
Zur Verfügung gestellt von
Paul Winterscheidt
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