Wie im Paradies - Kindheits- und Jugenderinnerungen an den großelterlichen Bauernhof "Unter den Eichen"

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Aufnahme: 1942

Wie im Paradies - Kindheits- und Jugenderinnerungen an den großelterlichen Bauernhof "Unter den Eichen"

von Heiner Rüschkamp, einem der Ittenbacher Enkel von Anton und Anna Leven vom Bauernhof "Unter den Eichen" im Hardtweg, der 2024 abgerissen worden ist:

‚Unter den Eichen’ bei den Großeltern
So heißt der großelterliche Bauernhof, der Stammsitz des „Eeche-Tünn“. Hier hatte Opa Antons erste Frau Albertine Christine die Kinder Albert, Maria und Christine und seine zweite Frau Anna die Kinder Margareta, Hedwig, Heinrich und Hilde geboren.
Es war für uns Kinder wie im Paradies: Pferde, Kühe, Schweine, Gänse und Hühner im Hofgelände; auf großen Wiesen waren Hochstämme mit allen möglichen Obstsorten vom späten Frühjahr bis in den Herbst, wie Kirschen von sauer über halbsauer bis süß, Äpfel, Birnen, Pflaumen, Mirabellen, Renekloden, Walnüsse, Mispeln zu finden. Dann war da auch noch der Naschgarten mit Pfirsichen, Aprikosen, weißen, roten und schwarzen Johannisbeeren, Stachelbeeren und Himbeeren. Im Hausgarten waren die Erdbeeren und der Rhabarber nicht sicher vor uns Kindern. Hier war gleich hinter dem Gartentor in der rechten Ecke ein riesiger Hortensienbusch, der im Spätherbst mit einigen Gabeln von strohreichem Mist gegen die Unbilden des Winters geschützt wurde und diese Sonderbehandlung im nächsten Frühsommer mit einer schier unglaublichen Blütenpracht dankbar heimzahlte.
Als ob das nicht schon genug war, wurde unser Erlebnispark durch eine Waldparzelle und den alten Steinbruch an der Perlenhardt ergänzt. Da dieser heute unter Naturschutz steht und mittlerweile völlig zugewachsen ist, kann man die enormen Abmessungen von ca. 100 x 50 m und einen Gesamthöhe von ca. 20 m in verschiedenen Terrassen einschließlich einer Grube nur noch erahnen oder auch entsprechendem Kartenmaterial entnehmen
Hier konnte man als Kind so richtig viel Blödsinn anstellen, Streiche ausüben oder auch nur ganz einfach spielen. Das haben meine Vettern Dieter und Jürgen und ich reichlich ausgenutzt, ohne jedoch etwas mutwillig zu zerstören. Wenn es den Erwachsenen zu viel wurde, gab es eine Standpauke oder einen sanften körperlichen Verweis und wir waren wieder eingenordet. Auch als Jugendliche hatten wir selten Langeweile, selbst wenn wir vermehrt zu Arbeitseinsätzen herangezogen wurden. Dazu später noch ausführlichere Betrachtungen.
Etwa Ende der Vierziger oder Anfang der Fünfziger wurde in Ittenbach eine Flurbereinigung durchgeführt. Vor dem Setzen der neuen Grenzsteine wurden die Stellen mit kleinen Holzpflöcken aus angespitzten Dachlatten markiert. Für Dieter und mich machte das überhaupt keinen Sinn. Frisch ans Werk haben wir so viele Hölzer, wie wir tragen konnten, ausgerissen und vorsichtshalber im hintersten Winkel des Holzschuppens zwischengelagert, ohne von einem Erwachsenen bemerkt zu werden. Am nächsten Tag wurden wir von den Vermessern darauf angesprochen und haben mit einem treuen Augenaufschlag unsere Unwissenheit und Unschuld beteuert. So ganz überzeugt waren sie wohl nicht und fragten im Bauernhof nach – ohne Erfolg.
Auswirkungen hatte die Neueinteilung der Flurstücke schon, denn ursprünglich war der gesamte Hang oberhalb der ‚Eiche’ rechts und links des unbefestigten Hardtwegs bis zum Rusterweg unbebaut und die Felder wurden allesamt von Opa beackert. Ausgenommen war ein kleines Feld unterhalb des Anwesens Dreidoppel, welches von Opas Bruder, Ohm Johann und dessen Sohn Bernhard, bestellt wurde.
Abgesehen vom obersten kleinen Zipfel auf der linken Hangseite, der Mutter Grete als Baugrundstück überschrieben worden war, waren auf einmal Wege, wo vorher Ackerland war und Flächen, die vorher von Opa beackert worden waren, hatte jetzt ein Anderer unter dem Pflug.
Der Hardtweg war im unteren Bereich ursprünglich ein sehr enger Hohlweg, der in einem Schlenker in Richtung ‚Linde’ verlief und direkt gegenüber dem Wohnhaus Eudenberg auf die Hauptstraße mündete. Vom Abzweig ‚Draveler Wiese’ am Hof ‚Lindlar’ bis zur Hofeinfahrt ‚Eiche’ am Tannenweg wurde der Hardtweg einseitig in Richtung Westen verbreitert und geradeaus auf die Hauptstraße und den Holzlagerplatz des Sägewerks zu, entlang des Brandweihers, verlegt. Hierfür wurde ein Teilstück des Rottbach verrohrt und der Aushub mit auf Schienen fahrenden Loren in das versumpfte Gelände transportiert, auf dem sich heute der Mühlsteinbrunnen ‚Linde’ befindet.
Nichts gegen eine mögliche Arrondierung des Landbesitzes um den jeweiligen Hof, aber hier wurde des Guten zu viel getan. Denn im Zuge der Flurbereinigung waren ihm nur noch etwa ein Drittel seiner ursprünglichen Ackerfläche zugeteilt worden.
Mir sind auch noch Gespräche erinnerlich, dass Opa sich habe über den Tisch ziehen lassen und sich viel zu wenig gewehrt habe. Da der Ackerbau nie sein Steckenpferd war, schien ihn das alles nicht weiter zu interessieren, obwohl er umfangreicher Flächen verlustig gegangen war. Hauptsache, er behielt seinen Steinbruch.
Mit dieser Idylle war es Ende der fünfziger Jahre vorbei, als Oma Anna 1959 verstarb und auch Opa Anton mit 80 Jahren nicht mehr der Jüngste war. Die Landwirtschaft warf nicht mehr genügend ab und alleine konnte es Ohm Hein auch nicht richten, da ihm der im Krieg erlittene Armdurchschuss mehr und mehr zu schaffen machte. Ein gewisser Ausgleich wurde dann und wann durch den lukrativen Verkauf von einzelnen Baugrundstücken erzielt.
Einige Zeit später wurde dann auch die Abbaugenehmigung für den alten Steinbruch, der oberhalb des Parkplatzes am Kantering/Ecke Weg zur Frühmess-Eiche auf dem Gebiet der Stadt Bad Honnef liegt, wegen mangelnder Nachfrage und damit fehlender Einnahmen zurückgegeben. Die Erneuerung der in die Jahre gekommenen Brech- und Hebezeuge lohnte nicht mehr. Kaum war die Löschung der Konzession rechtswirksam, wurde für die Restaurierung einer holländischen Kathedrale händeringend ein Trachyt-Steinbruch gesucht. - Pech!
Opa Anton und Onkel Heinrich haben dann einen neuen Steinbruch unterhalb von Aegidienberg in Richtung Wülscheid an der A3 gekauft, bei dem die dort anstehende Grauwacke ohne aufwändige Geräte abgebaut werden konnte. Dieser Bruch wurde nach einigen Jahren wieder aufgegeben und dürfte der ICE-Strecke Köln - Frankfurt zum Opfer gefallen sein.

Auf dem Foto oben sind Anna und Anton Leven mit ihren Kindern und Enkeln in der Einfahrt zum Bauernhof "Unter den Eichen" im Hardtweg fotografiert, unten ohne Enkelkinder.

Zur Verfügung gestellt von
Heiner Rüschkamp
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