Aufnahme: 2017

Das Perlenhardt-Kreuz

Aus dem Nachlass der kürzlich verstorbenen Helene (Leni) Leven:

"Jedes Jahr, am 4. Sonntag nach Ostern, geht hier in Ittenbach die Hagelprozession. Wann das schlimme Unwetter war, das unsere Vorfahren zu dem Gelöbnis veranlaßte, jedes Jahr diese Prozession stattfinden zu lassen, um Gottes Schutz und Segen zu erbitten, für Haus und Hof, für Flur und Feld, gegen Ungewitter, Blitz und Hagelschlag, weiß man nicht. Bei dieser Prozession wird unter anderem auch am Perlenhardter Kreuz der Segen erteilt. Seit wann dort ein Kreuz steht, weiß man auch nicht.
Sicher ist:
"Anno 1802 haben die Eheleute Anton Leven und Anna Sybilia Funk dieses Creutz aufrichtan lassen zu Ehren Gottes und der schmertzhaften Mutter."
So lautete die Inschrift auf der Rückseite des Kreuzes, welches bis im Jahre 1938 an der Perlenhardt stand.

Mein Onkel Heinrich Leven, geb. l874 im Bauernhof Perlenhardt, schreibt dazu folgendes:
Die Stelle wo das Kreuz errichtet wurde, heißt in einem alten Kaufbrief von 1772, also 30 Jahre früher, "Am Pellenharts Creutz". Nun steht aber auf dieser Stelle noch ein alter Grabstein mit der Inschrift: "Anno 1704 den 2. Dag Marz starb Thönnes Schmitz MVHRRN (Mühren) GGDS".
Mein Vater, geb. 1833, wußte zu berichten, daß dieser Stein vom Ittenbacher Friedhof dahin versetzt worden sei, um die Stelle zu bezeichnen, wo bei der Hagelprozession der Segen erteilt wurde. Ich kann mir nicht denken, daß dieser Stein, der kaum 1 m hoch ist und nicht einmal ein ausgesprochenes Kreuz darstellt, den Anlaß zu der Flurbezeichnung "Am Pellenharts Creutz" gegeben haben soll. Sicher war ein früheres Kreuz verfallen und hat man dann diesen Stein als Ersatz vom Ittenbacher Friedhof weggeholt und hierhin versetzt.
Da die Frau Philipp Funk (die Schwiegermutter von Anton Leven) eine geborene Schmitz war, handelt es sich bei dem Thönnes Schmitz jedenfalls um einen Verwandten der Eheleute Funk.

Auf der Rückseite dieses Steines ist später von ungeübter Hand folgende Inschrift eingehauen worden:
"Anno 1826 den 30. Juni starb an einem Schlagfluß der ehrsame Johann Asbach aus Ittenbach. Zum Trost der armen Seelen Amen." Er war beim Grasmähen in der Ruster vom Tode überrascht worden, wie mein Vater erzählte. Ganz bestimmt war der ein Nachkomme der Familie Asbach, die Jahrzehnte lang in der Perlenhardt gewohnt hatte, vielleicht war er auch dort noch geboren und nun auch auf dem ererbten Heimatboden gestorben.
Bei den Eheleuten Anton Leven war jedenfalls noch die Erinnerung an ein früheres Kreuz erhalten und wurde deshalb ein Neues errichtet.

"Das Kreuz aus Eichenholz war einfach, jedoch nicht ganz kunstlos, oben die Dornenkrone, auf dem Querbalken die Hände, in halber Höhe eine kleine Abstellnische und unten die Füße." (Soweit mein Onkel H. Leven)

Wie oft mag meine Großmutter im 1. Weltkrieg am Perlenhardter Kreuz um Gottes Schutz für ihre acht Söhne gebetet haben!

Sinngemäß schreibt mein Onkel weiter: Mit der Zeit verfiel das Kreuz, und da sich am 6. Mai 1938 zum 150. Mal der Tag jährte, daß unser Stammvater Anton Leven, von Aegidienberg kommend, in die Perlenhardt eingeheiratet hatte, nahm man diesen Gedenktag zum Anlaß, ein neues Kreuz zu errichten.
Der Bildhauer Josef Perger aus Köln-Deutz hatte als Material den Königsbalken einer Windmühle aus Eichenholz, vielleicht schon hundert Jahre alt, also vollständig trocken, auf Lager.
Aus diesem Block wurde der aufrechte Stamm mit angearbeitetem Christuskörper, der Querbalken mit angearbeiteten Armen hergestellt. Auf der Rückseite des Kreuzes wurde folgende Inschrift angebracht:
"Anno 1802 haben die Eheleute Anton Leven und Anna Sybilla Funk, hier ein Kreuz enrrichtet, zu Ehren Gottes und der Schmerzhaften Mutter. Erneuert 1938 von deren Urenkeln."
Da das Kreuz zur Hagelprozession 1938 nicht rechtzeitig fertig geworden war, wurde im Jahre 1939 bei der Hagelprozesslon am neuen Perlenhardter Kreuz zum ersten und für einige Jahre zum letzten Mal der Segen erteilt. Als am 1. September 1939 der 2. Weltkrieg ausbrach, wurden alle Prozessionen verboten. Bei den schweren Kämpfen im März 1945, hier im Siebengebirge schlugen rund um das Kreuz die Granaten ein, die Baumkronen der beiden flankierenden Ahornbäume wurden zerfetzt, aber das Kreuz blieb unversehrt.
Im Jahre 1987 haben Nachfahren der Eheleute Anton Leven in der fünften Generation, die Gebrüder Walter und Rudi Leven, das Kreuz in ihrer Schreinerwerkstatt restauriert, so daß es 1988, als es sich zum 200. Mal jährte, daß unser Stammvater nach Ittenbach kam, im neuen Glanz erstrahlte.
Mögen die nachfolgenden Generationen das Kreuz in Ehren halten, damit auch in ferneren Zeiten bei der Hagelprozession am Perlenhardter Kreuz der Segen erteilt wird, über Haus und Hof, über Flur und Feld, gegen Ungewitter, Blitz und Hagelschlag.

Helene Leven

Quelle
Nachlass von Helene Leven
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Bruno Schmitz
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