Aufnahme: 1944
Die Schmiede des Herrn Büllesfeld in Ittenbach
In Ittenbach gab es damals noch eine beachtliche Anzahl von Bauern. Jeder von denen besaß mindestens ein Pferd. Die Pferde mussten natürlich beschlagen werden, und das besorgte der Schmied im Dorf. Der Schmied hieß Büllesfeld. Der war ein großer, kräftiger Mann. Seine Schwester Maria wohnte neben der Schmiede, im Wohnteil des Hauses, das aus Fachwerk errichtet war. Sie verköstigte ihren Bruder Fritz, der immerzu reichlich beschäftigt war. Denn außer Pferde zu beschlagen verrichtete der auch noch sonstige Schmiedearbeiten und Reparaturen an den Geräten der Bauern.
Für uns Kinder war es interessant, zu beobachten, wie ein Pferd beschlagen wurde. Der Umgang mit den Pferden war für den Schmied nicht immer ungefährlich, denn nicht jedes davon willigte zwanglos ein. Mit einem Lederschurz versehen, das glühende Hufeisen mit einer Zange umfasst, näherte sich der Schmied dem misstrauisch äugenden Pferd und passte das Eisen dem Pferdefuss an. Dabei stand der Büllesfeld dann in einer gewaltigen, gräulichen Qualmwolke, die unangenehm nach verbranntem Horn stank. Das schien dem Schmied überhaupt nicht unangenehm zu sein.
Auch die Drachenfelsesel aus Königswinter kamen zum Beschlagen zur Ittenbacher Schmiede. Die wurden von einem Jungen, der Müller hieß, zu mehreren dorthin geleitet. Die Esel standen mit dem Kopf zur Wand der Schmiede nebeneinander und warteten geduldig auf den Hufschmied. Die Chance, nach der Abfertigung in der Schmiede auf einem Esel ein Stück in Richtung Königswinter reiten zu dürfen, wie das der "Eselstreiber" genannte Junge vorher oftmals erlaubte, lockte immer wieder ein Paar Kinder an.
Während die Esel vor der Schmiedewand vor sich hin dösten, ging ein Knirps, der ein Haselnuss-Stöckchen in der Hand hielt, hinter sie und steckte einem davon, ehe es jemand wahrnahm, dieses so tief er konnte in den After. Abgesehen davon, dass das Tier erschrak, hatte es offenbar auch starke Schmerzen, denn es schlug wie wild aus. Selbst sein Begleiter war nicht in der Lage, sich zu nähern, geschweige denn, es zu beruhigen. Erst als der Schmied hinzu kam, gelang es mit vereinten Kräften, das Stöckchen zu entfernen und den Esel zu beruhigen. Dieses Mal versuchte niemand, den wütenden Müller um Eselreiten zu bitten.
An der Schmiede war seit eh und je, so lange es Busse gab, eine Haltestelle. Vor der Schmiede stand eine Bank, die wartende Bus-Fahrgäste als Sitzgelegenheit nutzten.
Unter der Bank befand sich ein Kellerloch. Das machten sich einige Jugendliche zu nutze, um einem älteren Ehepaar, das auf der Bank sitzend den Bus erwartete, mit Mennige die Absätze zu bestreichen. Als nun der Bus endlich kam und die Frau einstigen wollte, sah der Mann die flammroten Absätze, machte seine Frau darauf aufmerksam und meinte frohlockend und lachend: "Esu kann’ste ävver net met mir no Bonn fahren!" Als er einsteigen wollte, rief ihn aber auch seine zunächst verärgerte Frau zurück und wies auf die Mennige an den Schuhen ihres Mannes hin. So blieb das Ehepaar zu Hause und Ittenbach war wieder einmal um eine Geschichte reicher, über die alle lachten.
Schmied Büllesfeld bei der Arbeit - siehe Link unten
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