Aufnahme: 1944
Ittenbacher "Max- und Moritz-Geburten" in den letzten Kriegsmonaten
Eine Glückwunsch-Grafik von Paul Bachem zur Geburt von Hans-Dieter und Karl-Heinz Halm:
Beim Postautos Schäng,
Och wie nett,
Koomen Zwillinge aan, -
Jesund un adrett!
Dä Schäng jetz jet ze laachen het.
"Margarethenkreuz" dat freut sich met!
Am 3. November 1944
Hedwig Halm war die Tochter des Ittenbacher Bäckermeisters Heinrich Dahm und seiner Frau Katharina geb. Schmitt. Sie hatte Jean bzw. Johann Halm geheiratet, mit dem sie damals in Königswinter wohnte und der als Postauto-Fahrer tätig war. Am 3. November 1944 brachte sie die Zwillinge Hans-Dieter und Karl-Heinz im Hotel Margarethenhof in Ittenbach zur Welt. Zu der Zeit hatte die NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt) dieses Hotel als "Müttererholungsheim" gepachtet. Hunderte schwangere Frauen aus ausgebombten Städten an Rhein und Ruhr brachten hier ihre Kinder zur Welt, wie mehrere Zeitungen über die Jahrzehnte berichteten.
Vermutlich wegen der besonderen Umstände einer Zwillingsgeburt sind auch die beiden Halm-Söhne, deren Großeltern in Ittenbach lebten, hier entbunden worden. Auch in den anderen Hotels und Fremdenheimen in Ittenbach wurden seit Sommer 1943 schwangere Frauen und Mütter mit Kindern aus Kriegsgebieten untergebracht, erfährt man in der Ittenbacher Schul-Chronik.
Im Hotel "Gut Margarethenkreuz" gegenüber dem Hotel Margarethenhof lebte damals der Maler und Grafiker Paul Bachem, der den Betrieb in dieser Zeit mit seiner Schwester Lilly weiterführte. Er hatte in Köln studiert, dort bis zu den ersten Fliegerangriffen im Frühjahr 1942 gearbeitet und war dann in sein Elternhaus im Margarethenkreuz zurückgekehrt. Seine Partnerin Tony Heinen aus Oberpleis, die als freie Künstlerin in Köln gearbeitet hatte, war mit ihm nach Ittenbach und hier zu ihrer Schwägerin Berta Heinen im Haus des Bäckermeisters Dahm gezogen, bis Paul und Tony im Sommer 1943 heirateten und sich im Margarethenkreuz ihr Atelier einrichteten.
Zur Geburt der Zwillinge "zauberte" Paul Bachem eine "Max- und Moritz-im-Postauto"-Glückwunsch-Grafik mit Gedicht auf Kölsch. Im Hintergrund links sieht man den "Margarethenhof", rechts das "Gut Margarethenkreuz". Hans-Dieter Halm hat dieses gerahmte Bild mit der Widmung des Künstlers auf der Rückseite aufbewahrt.
Über die Umstände ihrer Geburt in den schwierigen Kriegszeiten haben die Zwillinge von ihrer Mutter nicht viel erfahren können. Aber sie hatte über die Jahrzehnte einen Zeitungsausschnitt aufbewahrt, der auf die Umstände der Geburt ihrer Zwillinge genau gepasst hat und der "Max und Moritz" als fröhliche Einjährige zeigt. Ob es sich dabei wirklich um Karl-Heinz und Hans-Dieter gehandelt hat, bleibt offen.
Max und Moritz von heute
Vor einem Jahr, da hättet ihr uns mal sehen sollen! Unserer Mami traten die Tränen in die Augen, als wir zum erstenmal in ihre Arme gelegt wurden! Ach, was waren wir für winzige Kerlchen! Unser Leben hing am spinnwebdünnen Faden. Unser Papa war in der Klinik auf dem Flur unruhig hin- und hergelaufen und hatte sich alle 5 Minuten den Schweiß von der Stirn gewischt und dazu gestöhnt. Väter stellen sich ja immer schlimmer an, wenn Kinder auf die Welt kommen sollen als die Mütter. „Es ist ein Junge!“ hatte die Schwester rasch gerufen. Unser Papa ließ sich erschöpft auf einen Stuhl fallen und rief: „Das ist glücklich überstanden!“ Eine halbe Stunde später kam die Schwester noch einmal zur Tür heraus und rief wieder: „Es ein Junge! Der Mama geht es gut. Kommen Sie in einer halben Stunde wieder!“ Da war der glückliche Vater zur Feier des Tages und nach all den ausgestandenen Leiden nebenan ein Schnäpschen zu seiner Erholung trinken gegangen. Als er uns dann beide sah, etwas später, fragte er unsere Mutti: „Sehe ich vielleicht alles doppelt?“ Da lachte die Mami zum erstenmal ein bißchen, denn vorher hatte sie ja geweint, weil wir gar zu klein und kaum lebensfähig aussahen. Ihr seht ja, liebe große Leute, daß sich das inzwischen sehr geändert hat. Wir sind heute kräftig und groß und lachen für unser Leben gern. Unsere Mami hat genug Milch für uns beide. Sie ist die Einzige, die uns unterscheiden kann. Selbst unser Papi muß sie oft fragen: „Wer ist wohl"
Hier endet der Text im fast 8 Jahrzehnte lang aufbewahrten Zeitungsausschnitt.
Zeitungsartikel von 1945:
Etwas zu ergänzen?
Kennen Sie abgebildete Personen, das Jahr oder Hintergründe zu diesem Bild? Schicken Sie uns einen Hinweis – wir prüfen ihn und ergänzen das Objekt.