Aufnahme: 1935
Das Haus Hardtweg 47 in seinen ersten Jahren
Sigrid von Holst schreibt: "Unsere Familie verbrachte dort gerade die Ferien, als 1939 der Krieg ausbrach. Damit änderte sich alles. Da Köln praktisch als erste Stadt unter Bomben und Luftangriffen zu leiden hatte, die im Laufe der nächsten Jahre immer heftiger wurden, entschlossen sich die Grosseltern 1942 mit Tante Elsbeth, ihrer jüngsten noch unverheirateten Tochter, ihren Dauerwohnsitz ins Siebengebirge zu verlegen...
Im Herbst 1944 wurde Köln nach und nach vollständig zerstört. Um nach Ende dieses schrecklichen Krieges den Verlag wieder aufbauen zu können, versuchte unser Vater, Otto Schmidt jun., einige wichtige Dinge ins Haus im Siebengebirge zu bringen. So reiste er zweimal mit je einer Schreibmaschine im Rucksack und dann mit der Kartei. Es war ein beschwerliches Unterfangen.
Im Frühjahr 1945 hatten die Amerikaner den Rhein überquert und kämpften sich sehr langsam vor. Die Kämpfe um Ittenbach und die Hardthöhe gingen einige Male hin und her. In diesen Tagen, starb unser Opa und konnte während der anhaltenden Gefahr auch nicht auf dem Friedhof beerdigt werden, sondern Tante Elsbeth und Oma konnten ihm vorübergehend erstmal nur im Garten ein Grab schaufeln. Die endgültige Beerdigung fand dann im Herbst statt. Aus Erzählungen weiß ich, dass sein Sarg nicht in der Friedhofskapelle aufgestellt werden durfte, da er evangelisch war. Er stand am Eingang des Friedhofs auf zwei Stühlen.
Nun begann auch für Oma und Tante Elsbeth und alle Menschen eine neue Zeit. Sehr bald schon kamen die ersten Flüchtlinge aus dem Osten. Da diese meist evangelisch waren und hier in einer stockkatholischen Gegend landeten, hat Tante Elsbeth sich sehr liebevoll ihrer angenommen."
Elsbeth heiratete den esten evangelischen Lehrer an der Ittenbacher Schule, Rudi Moritz.
"Mit Rudi Moritz kam dann 1950 wieder eine männliche Unterstützung ins Haus. Tante Elsbeth und Onkel Rudi feierten ihre Hochzeit in der Christuskirche in Königswinter. Onkel Rudi kam wohl aus der Kriegsgefangenschaft, er stammte aus Danzig und war dort Rektor einer Volksschule gewesen. Seine Familie, Frau und vier Kinder - alle im Alter von uns vier - waren auf der Gustloff, einem Rechts am Haus das Luftbad des Großvaters großen Schiff, das die Menschen aus Danzig in Sicherheit bringen sollte, ums Leben gekommen."
Mehr Infos im Museum zum Lehrer Moritz - siehe Link unten
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