Aufnahme: 1930 (ca.)
Der Unternehmer Albert Sawinsky verlegt im Jahr 1922 seine Troisdorfer Vexier- und Spielwarenfabrik bis ca. 1932 ins Margarethenkreuz auf die Margarethenhöhe.
Albert Sawinsky (geb. am 28.12.1884) ist bis zur Weltwirtschaftskrise ein weltweit erfolgreicher Unternehmer. Sein 1889 geborener Bruder Adolf Sawinsky lebt schon seit 1909 als Dorfschullehrer in Ittenbach. Die beiden Brüder sind befreundet mit der Familie Thomas vom Löwenburger Hof.
(Johann) Albert (geb. 28.12.1884), drittes von insgesamt fünf Kindern des von Siegburg nach Troisdorf übergesiedelten Ehepaares Karl und Helene Sawinsky, führt schon als junger Mann im Jahr 1910 eine Vexier- und Spielwarenfabrik in Troisdorf. In Deutschland werden vor dem Ersten Weltkrieg ca. 80 % der weltweiten Spielwarenproduktion hergestellt. Die deutsche Spielwarenindustrie ist in dieser Zeit die größte der Welt und nahezu konkurrenzlos. Vexierspiele - das sind Gedulds-, Rätsel- oder Knobelspiele – sind in dieser Zeit groß in Mode. Albert hat zerlegbare Miniaturmöbel und ganze Zimmerinventare aus Holz in Mini-Puppenhausgröße patentieren lassen, die in stundenlanger Geduldsarbeit zusammenzupuzzeln sind.
Mit seiner Produktion hat er weltweit Erfolg:
Bereits 1903 reist er nach Amerika zur 5 Monate dauernden Weltausstellung DAMUKA (Deutsche Armee-, Militär- und Kolonial-Ausstellung) in St. Louis, Missouri. 1905 und 1906 stellte er in Lüttich und Görlitz, in Paris, Brüssel, Marseille, Nizza und Monte Carlo aus, 1907 in Berlin, wo das Kronprinzenpaar persönlich seine Ausstellung besucht, 1908 in Hamburg, Lübeck, Königsberg, München. 1910 baut er seine Produktion mit einem neuen Betrieb auf dem elterlichen Grundstück in Troisdorf aus und präsentiert seine Spielwaren in Wien, wo Kaiser Franz-Josef persönlich seinen Stand besucht und er zum Hoflieferant des Kaisers wird.
Im selben Jahr 1910 heiratet er Clara Cremer aus Sistig in der Eifel.
Ein Jahr später ist er mit seinen Produkten auch auf der Ersten Internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden vertreten.
1914 stirbt seine Frau Clara. In diesem schicksalsschweren Jahr stellt er in Köln und in Malmö aus, wo er „die sensationelle Nachricht“ vom Kriegsausbruch erhält.
Nach dem Gestellungsbefehl 1915 tritt er als Freiwilliger der Armee bei und wird bei Kämpfen in Frankreich verletzt, rückt wieder ins Feld aus und wird am Kriegsende aufgrund seiner englischen und französischen Sprachkenntnisse als Dolmetscher in Anspruch genommen. Als rühriger Geschäftsmann gründet er 1919 das erste Kino in Troisdorf.
Am 15. Mai 1922 heiratet er Maria Rechtmann aus Köln, die dort viele Immobilien besitzt. Sie wohnen zunächst in ihrem elterlichen Haus in der Helenenstraße, wo auch ihr ältester Sohn Albert geboren wird.
In diesem Jahr ist Albert noch präsent auf der MIAMA-Ausstellung (Mitteldeutsche Ausstellung für Siedelung, Sozialfürsorge und Arbeit) 1922 in Magdeburg, bevor auch ihn die politischen Ereignisse des Jahres 1923 treffen: die Besetzung des Rheinlandes durch die Franzosen.
Er verlegt nun seine Spielwarenfabrik auf die Margarethenhöhe in Ittenbach, und zwar in das Gut Margarethenkreuz. Die gesamte Familie zieht nun von Köln ebenfalls hierher, wo sie "über der Ökonomie", d.h. im oberen Stock über dem Bauernhof wohnen.
In seinen Aufzeichnungen vom 4. Dezember 1923 blickt er auf die Ereignisse des Jahres zurück:
"Durch die gewaltmäßigen Eingriffe der Franzosen … lagen alle Fabriken und Bergwerke still und die Arbeiter bezogen Arbeitslosenunterstützung, die gegen das strenge Verbot der Franzosen an die Leute bezahlt wurden… Ich benutzte diese ruhige Zeit, wo keinerlei Geschäfte mit dem Ausland gemacht werden konnten, um meine Spielwaren-Fabrik nach dem Siebengebirge (Margaretenkreuz) zu verlegen (war vorher in Troisdorf). Nachdem ich den Betrieb fertig eingerichtet hatte, war die politische Lage noch immer unverändert, die Franzosen duldeten nicht, dass deutsche Erzeugnisse exportiert wurden. Die Eisenbahnen lagen noch immer still, und daher ließen wir den Betrieb ruhen. Da die Arbeitslöhne pro Stunde infolge der Geldentwertung schon bis zu 1 Billion Mark heraufgewachsen waren, konnten wir (gemeint sind unter "wir" ich selbst und mein neu aufgenommener Sozius Herr P.H. Bachem, Gutsbesitzer von Margaretenkreuz), auch nicht auf Vorrat arbeiten lassen."
Paul Hubert Bachem, der Besitzer des Margarethenhofes, wird also sein Compagnon. Nach dem Stillstand durch die französische Besatzung ist die Produktion auf der Margarethenhöhe zwar weitergegangen und sein Betrieb hat weiter expandiert, aber zwischen französischer Besatzung und Weltwirtschaftskrise bleibt der Erfolg aus. Der Enkel von Paul Hubert Bachem, Paul Herbert Bachem, heutiger Besitzer vom Margarethenkreuz, weiß vom Erzählen, dass sein Großvater auf diese Zeit nicht gut zu sprechen war. Er hätte viel Geld in die Spielzeugfabrik auf seinem Hof investiert und verloren.
In diesen Jahren hat Albert Sawinsky noch auf der "Gesolei" in Düsseldorf ausgestellt, und zwar im Jahr 1926, dann 1931 auf der Bau-Ausstellung Berlin, im selben Jahr auf der London Invention Exhibition und am 1. Mai 1933 auf der 1. Ausstellung unter Adolf Hitler.
Am 30. September 1934 zieht Albert Sawinsky mit seiner Familie zurück nach Köln, nun in die Roßstraße.
Auf dem Briefkopf der Forma von 1932 steht:
PRÄMIERUNGEN IN FAST ALLEN GRÖSSTEN AUSSTELLUNGEN, UNTER ANDEREM IN DER WELTAUSSTELLUNG
ST. LOUIS, MO. V. ST. A. 1904
BERLIN, ARMEE-AUSSTELG. 1907
DRESDEN, INT. HYGIENE 1911
MAGEDBURG, MIAMI 1922
DÜSSELDORF, GESOLEI 1926 u.s.w.
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