Aufnahme: 1974

Bei der Ittenbacher Prunksitzung blieb kein Auge trocken

Die Siebengebirgs-Zeitung berichtete:

Wenn die Ittenbacher „Heudräger" zur Prunksitzung einladen, dann ist auch an einem Mittwoch der „Ittenbacher Gürzenich rappelvoll", wie Kommandant Karl-Heinz Görres zu Beginn erfreut feststellte. „Die Asse waren im Mai schon für die Wochenenden ausgebucht, da mussten wir auf den Mittwoch ausweichen." Das tat der Stimmung im Saal der „Alten Post" jedoch in keinster Weise Abbruch. Neben den Vorträgen waren es vor allem die Blau-Weißen Funken, das Bläserkorps und nicht zuletzt die Mannen des MGV, die dafür sorgten, daß vier schöne Stunden lang kein Auge trocken blieb. „Präsenteet die Kombüs, set esu joot un doot dat." Mit diesem rheinischen „Kommando" ging es auf zum Funkentanz der Blau-Weißen aus Ittenbach mit dem süßen Mariechen Gabi Krajewski und Tanzoffizier Bruno Bergmann, der Alo Halm ablöste. Für den Funkentanz mit „Stippeföttche" gab es den ersten stürmischen Beifall. Als „Eisbrecher" betätigte sich dann Hänschen Remig mit seinem Vortrag. Die „Rheintour" fand nicht nur die von ihm erfundene Oma — „Ne, ne, ne, su jet Schönes han ich im Fernsehen noch nie jesehn" — umwerfend, sondern auch die Jecken im Saal.

Schlag auf Schlag gings weiter mit den „Zwei Bedrööften" aus dem Vorgebirge, die mit ihrem gesalzenen und gepfefferten Vortrag selbst den letzten Jecken aus dem Häuschen brachten. Bei ihrem 16. Auftritt in Ittenbach waren sie Superklasse. Einen tollen Tanz legten anschließend die „Kazi-Funken" aus Lohmar aufs Parkett. Ihr Tanzmariechen zeigte geradezu akrobatisches Können. Hervorragend auch die zwei „Lotterbove" aus Köln als Kurarzt und Kurgast. Die Schimpfkanonade des Kurgastes „Mömmesfresser" brachte den Saal fast zum Bersten. Willi Armbröster aus Dollendorf als italienischer Gastarbeiter hatte mit seinem gekonnten Vortrag ebenso die Lacher auf seiner Seite. Den drei Habo-Parodisten aus Euskirchen folgten die „Vier Sternenburger" aus Bonn mit einer hinreißenden „Hitparade", in der politische „Sangesbrüder" aus Bonn parodiert wurden, natürlich auch Außenminister Scheel mit seinem Hit „Hoch auf dem gelben Wagen".

Ein Höhepunkt des Abends war wieder der Vortrag des MGV Ittenbach. Beginnend mit dem „Jägerchor" aus Freischütz wurden Breschnew-Besuch und Ostverträge auf die Schippe genommen. Zur bekannten Melodie von „Heinerle" besang man das Bonner „Steinerle". Mit „Isis und Osiris" aus der Zauberflöte bat man um „reine Herzen der Politiker", und schließlich besang man Barzels Abgang auf die Melodie des Wolgalieds. Die Ansage machte „Manni" Görres. Als Gesangs-Solisten traten hervor — in wabbelijer Botz — Norbert Schmitz und — mit schwarzem Bart — Hans Halm. Die Mannen des MGV waren in Phantasiekostüme gekleidet. Diese Parodien waren so gut gemacht und so hervorragend vorgetragen, daß der ganze Saal begeistert mitging. Am Klavier wurde der Chor von Willi Hülder begleitet, dessen Einstudierung die Ittenbacher Sänger einen Großteil ihres karnevalistischen Erfolges verdanken. Mit „duftenden" Tüchern winkend und mit Hoch-Rufen empfingen die Ittenbacher das Pleeser Prinzenpaar Alfons und Maria Wegen samt Gefolge. Der Funkentanz mit Tanzmariechen Elisabeth Bussen und Tanzoffizier Rainer Lichtenberg fand ebensoviel Beifall wie die Ansprache von Prinz Alfons und die launige Rede von Erich Westhofen sowie die Begrüßung von Präsident Helmut Reuter.

Als Geschenk der Pleeser Jecken überreichte Prinz Alfons „Pleeser Wind — Schallplatten mit Pleeser Tön". Der Kommandant der Ittenbacher Blau-Weißen Funken, der mit Humor und bekannter Schlagfertigkeit durchs Programm führte, konnte auch Bürgermeister Günter Hank begrüßen, der Karl-Heinz Görres einen „Büggel" mit 120,— DM überreichte, „in ein- und zwei-Pfennig-Stücken, damit die Funken beim Zählen nicht auf krumme Gedanken kommen". Görres begrüßte auch die Stadtverordneten Matheis und Jungbluth sowie den neuen Vorsitzenden des VVI, Dr. Krause, und meinte, der VVI sei in der Vergangenheit ja ein Verein gewesen, „den man kitzeln musste, damit er lachte". Görres ehrte besonders den 75jährigen Theo Otto, der in seinem hohen Alter dem Bläserkorps noch immer die Treue hält und einer der besten Trompeter des Bläserkorps ist. Er dankte auch dem Vorsitzenden des Bläserkorps, Willi Höcker, und dem Dirigenten Willi Halm für ihre Arbeit und Mühe. Ebenso dankte er Alo Halm, der sieben Jahre lang als Tanzoffizier die Ittenbacher erfreute. Mit dem Hit „Viva Espagna" beendete das Bläserkorps, das sich auch an diesem Abend wieder die Herzen der Ittenbacher mit seinem mitreißenden Spiel erobert hatte, gegen Mitternacht den bunten Reigen dieser Prunksitzung. W. Scheffen

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 7 vom 15. Febr. 1974
Zur Verfügung gestellt von
Friedrich Müller
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