Aufnahme: 1945
Die Ittenbacher Schul-Chronik ab 1945 ist ein lesenswertes Zeugnis, wie der Schulunterricht nach dem Krieg in Ittenbach wieder begann
Schon 1863 hatte der damalige Lehrer Meng mit handschriftlichen Aufzeichnungen des Ittenbacher Schullebens begonnen. Viele Lehrer dokumentierten seitdem bis 1945 handschriftlich in zwei dicken Bänden Berichtenswertes aus und um die Ittenbacher Schule, das Ortsleben und auch weit darüber hinaus.
Der letzte Eintrag am Ende des Zweiten Weltkrieges von Lehrer Adolf Sawinsky, datiert vom 9. März 1945, lautete: "Die Lage wird immer kritischer. Es gelingt mir, mit einem Militärwagen nach Ittenbach zu fahren, wo ich abends spät unter Einschlägen von Granaten eintreffe. Erst hier erfahre ich, dass der Feind bei Remagen über die Brücke kommen konnte u. einen ständig größer werdenden Brückenkopf bildete."
Die Schule war Anfang 1945 von einer Bombe getroffen worden und ausgebrannt. Auch einige Wohnhäuser waren damals zerstört worden. Lange hatte man geglaubt, die zwei alten Chronik-Bände seien dabei auch verbrannt. Viele Jahre später aber stellte sich heraus, dass sie vor den Flammen gerettet worden waren. Eine angeheiratete Nichte von Adolf Sawinsky, Marlies Sawinsky, hatte sich daran gesetzt, den Nachlass ihres Onkels zu sichten. Über Jahre schrieb sie die beiden alten handgeschriebenen Chronik-Bände ab und stellte sie auch unserem Museum zur Verfügung. Sie können sie im Raum "Schriften" nachlesen.
Wiederbeginn des Unterrichts am 11. September 1945
Vom Herbst 1944 bis September 1945 war der Schulunterricht in Ittenbach ausgefallen. Dann übernahm Schwester Adelviva (Johanna Messeneder) vom armen Kinde Jesus den Unterricht der Klassen 1 bis 4. Diese Genossenschaft hatte "den größten Raum ihres Hauses der Gemeinde als Schulraum zur Verfügung" gestellt... Eine Schwester aus dieser Genossenschaft wurde von der Regierung in Köln und vom Schulamt in Siegburg mit dem Unterricht betraut."
Der Schulbeginn am 11. September 1945 wurde mit einem Gottesdienst gefeiert, dem sich eine kleine Eröffnungsfeier im Garten mit Pfarrer Hambüchen, Bürgermeister Leven, den Schwestern des Hauses, den Kindern und Eltern anschloss. Schwester Adelviva "stellte die Leitmotive für die neue Zusammenarbeit auf. Sie hießen Wahrheit, Höflichkeit und Fleiß. Die Eltern aber bat sie um ihre treue und ernste Mitarbeit."
So steht es in der Schul-Chronik vom 11.09.1945, die Schwester Adelviva mit dem Unterrichtsbeginn anlegte. Sie war davon ausgegangen, dass die alte Chronik "in den furchtbaren Geschehnissen der letzten Monate vernichtet wurde" und sah es als ihre Pflicht, "eine neue entstehen zu lassen. Was sie in Jahren und Jahrzehnten berichten wird, wissen wir nicht. Wir hoffen nur, dass sie von Freude und schönen Stunden zu erzählen weiß, von jungen Menschen, denen die Schule zur zweiten Heimat geworden, die froh und glücklich die Bildungsstätte ihrer Kindheit verlassen haben und in Familie und Beruf ihren Platz voll und ganz auszufüllen vermögen. So legen wir denn die dunkle Zukunft in des Herrgotts Hände und beginnen mit ihm diese neue Aufgabe, indem wir an die Spitze unserer Chronik "M i t G o t t" schreiben."
In der kälter werdenden Jahreszeit wurde es schwierig, den Unterricht aufrecht zu erhalten. "Der Winter ist sehr fühlbar und die Not der Menschen hier zeigt sich immer mehr. Der Schulunterricht ist schlecht, denn viele Kinder haben schlechte oder gar keine Schuhe. Holz ist ebenfalls knapp. Ob wir imstande sind, den Unterricht weiter zu erteilen, wissen wir nicht, da der Holzvorrat sehr klein ist. Durch das schlechte Wetter ist das Holzschlagen in den Wäldern nicht möglich."
Erst am 25. Februar 1946 begann auch für die Oberstufe der Unterricht, und zwar nachmittags von 3 bis 6 Uhr. An dem Tag "wurde auch die Lehrerin für die Oberstufe bestätigt".
Eine Kopie der Schul-Chronik ab 1945 befand sich im Nachlass des damaligen Lehrers Harry Schillings, den dessen Sohn Heiner aufbewahrt hatte.
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