Aufnahme: 1962
Der Ittenbacher Schulneubau war anfangs noch einstöckig
1962 hatte die Ittenbacher Schule einen einstöckigen Anbau und auch eine Turnhalle erhalten. Aber schon wenige Jahre später - siehe Zeitungsartikel unten von 1965 - wurde das Schulgebäude aufgestockt.
Zur Einweihung des Anbaus am 9. Januar 1962 hielt die damalige Hauptlehrerin Anneliese Köster folgende Ansprache:
Meine sehr verehrten Anwesenden!
Gestatten Sie auch mir, der ich dem schulischen Teil dieses Baues zugehöre, einige Worte des Dankes, eines Dankes, der dreifach ist. Mein Dank gilt zum ersten der Schaffung eines gemeindeeigenen Raumes, weil wir dadurch von allen schulfremden Veranstaltungen entlastet werden, als da sind Gemeinderatsbesprechungen, Verwaltungs- und Kassenstunden oder sogar Verhandlungen des Schiedsmannes, um Frieden zwischen den Streitenden zu stiften. Gewiß soll die Schule lebensnahe sein, jedoch das war bisher zuviel Lebensnähe; denn Schule verlangt vordringlich Stille und ungestörte, gleichmäßige Ruhe. Sie werden also verstehen, daß wir diesen Gemeinderaum sehr betont begrüßen.
Mein zweiter Dank gilt der Errichtung der Turnhalle. Damit werden wir endlich unabhängig von den Wolken des Himmels und der Drainage des Sportplatzes. Wir können jetzt unabhängig vom Wetter regelmäßig Leibesübungen treiben, und unsere Kinder gewinnen neue Möglichkeiten sportlicher Betätigung. Mit dieser Turnhalle und dem Gemeinderaum sind, so möchte ich sagen, im Dorf zwei Kulturmittelpunkte, wenigstens räumlich, entstanden, einer für die Geistes-, der andere für die Körperkultur; und es ist zu wünschen, daß von diesen beiden Kristallisationspunkten eine weitreichend fruchtbare Wirkung ausgehen möge.
Mein dritter und ganz besonderer Dank gilt natürlich der Erstellung der beiden Klassenräume und der Nebenräume. Damit hört endlich, wenigstens für die nächsten 5 oder 6 Jahre, der leidige Schichtunterricht auf, der für die Kinder in mancherlei Hinsicht durchaus von Schaden ist. Und an dem auch, es sei ihnen gestanden, auch die Lehrer und Mütter in stiller Geduld gelitten haben. Ich danke nochmals allen, die zur Aufrichtung dieses Baues beigetragen haben, angefangen bei dem Bauherrn, der Gemeinde, über den Architekten Herrn Schmitz und die Verwaltung bis hin zum letzten Arbeiter, der mit Hand angelegt hat.
Und an dieser Stelle wende ich mich an euch, Kinder. Dieser Bau, den wir heute einweihen, hat sehr viel Geld gekostet, mehrere hunderttausend Mark. Das ist soviel Geld, wie ihr es euch gar nicht vorstellen könnt. Und dieses Geld ist von der Gemeinde und der Regierung gegeben worden. Ihr wißt ja, ich habe es euch oft genug gesagt, die Gemeinde, der Staat, das sind wir alle zusammen. Und so ist dieses Gebäude letzten Endes mit dem Gelde eurer Eltern erbaut worden. Dementsprechend sollt ihr euch in diesen Räumen bewegen. Ich lege es in eure Verantwortung, daß hier nicht mutwillig zerstört oder beschädigt wird. Da ich euren guten Willen kenne, gebe ich hier öffentlich für euch das Versprechen ab, daß ihr diesen schönen, neuen Bau so pfleglich behandeln werdet, wie es euch möglich ist.
Für uns Lehrer benutze ich diese Stunde, um zu versichern, daß wir weiterhin wie bisher bemüht bleiben, gewissenhaft unsere täglichen Pflichten zu erfüllen. In dieser Schule soll etwas gelernt und geleistet werden; aber mindestens ebenso sollen die Kräfte des Gemütes und Gefühles gepflegt werden. Aus unseren Kindern sollen einmal christliche Bürger werden mit freiem Sinn und unabhängigem Urteil, die aber dabei doch die notwendigen Bindungen anerkennen. Dafür die Grundlagen zu schaffen, das ist - neben der intellektuellen und musischen Erziehung - die Aufgabe, der wir uns verpflichtet fühlen.
Im August 1965 erschien mit dem Foto oben ein Zeitungsartikel zur geplanten Aufstockung des neuen Schulgebäudes, mit der sich der Ittenbacher Rat damals zu befassen hatte:
Schulproblem „kein Grund zur Dramatisierung"
Ittenbacher Schul- und Kulturausschuß konstitutierte sich - Bericht an den Rat
Auf der jüngsten Ittenbacher Ratssitzung fiel ein Beschlußvorschlag unter den Tisch, nach dem der Rat angesichts der größer werdenden Schulraumnot die Aufstockung des neuen Schulgebäudes beschließen soll. Ein von der CDU eingebrachter Antrag - er wurde von den übrigen Ratsfraktionen unterstützt - lautete dahingehend, daß der nach der Kommunalwahl benannte Schul- und Kulturausschuß noch nicht zu seiner konstituierenden Sitzung zusammengetreten sei. Er soll das Schulbauproblem erst durchberaten. Mit Nachdruck hatte die CDU-Fraktion auf dieses Versäumnis hingewiesen. Der bisher „nicht gegründete" Schul- und Kulturausschuß müsse in nächster Zeit tagen und dem Rat auf dessen nächster Sitzung Bericht erstatten. Ferner sei es erforderlich, diese Angelegenheit in den Fraktionen durchzusprechen, hieß es auf der Ratssitzung. Dem Schul- und Kulturausschuß gehören an: CDU: Peter Düppenbecker, Karl Haacks, Peter Matheis, Toni Meyer; SPD: Becker; FDP: Bernhard Kaiser; Bürgerblock: Brüggemann. Beratende Mitglieder ohne Stimmrecht: Pfarrer Hambüchen (kath. Kirche), Pfarrer Krakowski (ev. Gemeinde), Schulleiterin Frl. Köster. Bei der Planung des Schulneubaues war eine Aufstockung vorgesehen worden. Sie muß jetzt im Ausschuß nochmals durchberaten werden. Ratsherr Meyer erklärte zu der anstehenden Schulraumnot auf der jüngsten Ratssitzung: „Kein Grund zur Dramatisierung!" Für Ostern 1966 seien noch Ausweichmöglichkeiten vorhanden, und bis die Lage akut werde, habe der Rat entsprechende Schritte unternommen. Die voraussichtliche Entwicklung wird 1968 sieben Klassen erforderlich machen. Zur Zeit werden in fünf Räumen 198 Schüler unterrichtet, 1966 sind für 210 Schüler sechs Klassen erforderlich. Beim Anstieg der Schülerzahl im Jahre 1967 auf 231 ist in dem betreffenden Jahr, bestimmt aber 1968 mit einer siebten Klasse zu rechnen, so daß in den nächsten Jahren zwei Klassenräume fehlen werden. Die Genehmigung für die Gesamtplanung (der erste Bauabschnitt wurde 1962 in Benutzung genommen und der zweite soll jetzt aufgestockt werden) wurde mit Verfügung des Regierungspräsidenten Anfang 1960 erteilt.
Am 3.12.1969 stand dieses Foto (unten) in einer Zeitung mit der Bildunterschrift: Die alten Ittenbacher wissen alle noch, wie er von innen aussieht: der alte Schulbau, in dem noch bis in die Nachkriegszeit unterrichtet wurde. Heute führt an ihm vorbei der Weg über einen geräumigen Schulhof in ein modernes Schulgebäude.
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