Ältester amtierender Pfarrer der Erzdiözese
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Aufnahme: 1982

Ältester amtierender Pfarrer der Erzdiözese

Diamantenes Priesterjubiläum und 85. Geburtstag von Pfarrer Heinrich Hambüchen

Die Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln berichtete 1982:

ITTENBACH - Er kennt die Seinen und die Seinen kennen ihn und dies seit etwa zwei bis drei Generationen. Bald 40 Jahre wirkt er nun schon segensreich in der kleinen und schmucken Gemeinde am Fuße des Ölberges im Siebengebirge. Die Rede ist vom dienstältesten und immer noch aktiven Pfarrer der Gemeinde "Zur Schmerzhaften Mutter" in Ittenbach, Pfarrer Erzbischöflicher Rat ad honores Heinrich Hambüchen.

In diesen Tagen hat die Pfarrgemeinde doppelten Grund zur Freude und zum Feiern: Am 15. August begeht der beliebte Pastor sein 60jähriges Priesterjubiläum und am 21. August wird er 85 Jahre alt. Besonders am Tag des Diamantenen Priesterjubiläums wird die Gemeinde dem Jubilar für sein jahrzehntelanges seelsorgerisches Wirken ihre Verbundenheit und Dankbarkeit zum Ausdruck bringen. Doch der Jubilar hat gebeten von allen persönlichen Geschenken Abstand zu nehmen. Sein Wunsch ist es, daß die für derartige Geschenke vorgesehenen Mittel für die Gestaltung des Kirchenvorplatzes verwendet werden sollen.

Mit einem Gottesdienst, der in Konzelebration mit den Priestern des Dekanates am Freitag, 13. August, um 15 Uhr in der Pfarr- und Wallfahrtskirche Ittenbach stattfindet, wird das Jubiläum eingeleitet. Eine Eucharistiefeier am Samstag, 14. August, um 18.30 Uhr wird von den Ittenbacher Chören musikalisch umrahmt. Anschließend ist die Gratulationsfeier der Gemeinde mit allen Ortsvereinen und gemütliches Beisammensein vor der Kirche unter Mitwirkung des Bläsercorps. Höhepunkt ist ein Festhochamt am Sonntag, 15. August, um 10 Uhr, dem ein Empfang in der Turnhalle der kath. Grundschule folgt. Den Ausklang des Jubiläums bildet eine Vesper um 15.30 Uhr.

Pastor Heinrich Hambüchen stammt aus einer kinderreichen Kaufmannsfamilie in Krefeld. Als 13. und jüngstes Kind wurder er hier am 21. August 1897 geboren. Nach dem Schulbesuch und Abitur machte er zunächst die Soldatenzeit im Ersten Weltkrieg mit und begann dann 1918 bis 1922 an der Universität Bonn mit dem Studium der Theologie und Philosophie. Durch Kardinal Schultze empfing er mit 77 weiteren Priesterkandidaten - heute leben hiervon nur noch sechs - die Priesterweihe.

Als Kaplan wirkte er dann von 1922 bis 1926 in Neuß-Weißenberg und von 1926 bis 1930 in Solingen-Wald. Neben seinen seelsorgerischen Tätigkeiten führte er hier regelmäßige Bildungsabende ein. Mit seinen Jugendlichen errichtete er ein Zeitungskiosk, um katholisches Schrifttum zu verbreiten. Darüber hinaus war er Dekanatsjugendseelsorger, Präses
der Deutschen-Jugend-Kraft (DJK) und des Borromäusvereins. Nach seiner Tätigkeit in Köln-Poll von 1930 bis 1935 wurde er dann bis 1943 Kaplan in Köln, Kupfergasse, wo er während eines Bombenangriffs am 31. Mai 1942 aus der brennenden Wallfahrtskirche das Gnadenbild der "Schwarzen Mutter- Gottes" rettete. Auf diese Weise blieb der Erzdiözese Köln dieses kostbare Kleinod erhalten.

Noch während des Zweiten Weltkrieges, am 6. Mai 1943, wurde er zum Pfarrer von Ittenbach ernannt. Zum Kriegsende 1945, als das Pfarrhaus in Ittenbach nicht nur Lazarett, sondern auch Gefangenenlager und Stabsquartier des restlichen deutschen Heeres war, hat Pastor Hambüchen das getan, wofür ihm die Ittenbacher Bevölkerung bis heute noch sehr dankbar ist: Unter Einsatz seines Lebens hat er die totale Zerstörung des Ortes verhindert, als ein deutscher Oberst Ittenbach unbedingt bis zum letzten Mann verteidigen wollte. Hambüchen hat den Oberst zum Aufgeben umstimmen können und so die Zerstörung des Dorfes durch die Amerikaner verhütet.
Während der schweren Nachkriegsjahre hatte die leibliche Schwester von Pastor Hambüchen, die 1972 verstorbene Künstlerin und Ursulinenschwester Mater Coelestine Hambüchen, das seither vielverehrte Bild der "Mutter aller Gefallenen und Vermißten" gemalt. Für dieses Bild ließ Hambüchen die Marienkapelle errichten. Viele Menschen aus nah und fern kamen zu diesem Gnadenbild, um für ihre gefallenen und vermißten Angehörigen zu beten. Ittenbach entwickelte sich zu einem Wallfahrtsort. Deshalb wurde von Hambüchen auch die große Kreuzweganlage mit den von Bildhauer Matthias Wagner geschaffenen Stationen errichtet.

Pfarrer Hambüchen kümmerte sich ganz besonders um die älteren Menschen. Er kaufte ein von Bomben zerstörtes Haus nahe der Kirche und ließ es zu einem Altenheim umbauen. Dieses "Pilgerheim St. Lukas", das in diesem Jahr bereits 30 Jahre besteht, wurde von den Schwestern "Zum Zeugnis der Liebe Christi" aus Bredenscheid übernommen. Dieses Altenwohnheim darf man wohl als das private Lebenswerk von Pastor Hambüchen ansehen.

Schon immer hat Pastor Hambüchen ein Interesse für Ordensgeschichte gehabt. So begann er vor 20 Jahren in liebevoller Kleinarbeit mit dem Sammeln von alten Ordenstrachten, um sie der Nachwelt zu erhalten. Zunächst war es ihm dabei um das nahegelegene ehemalige Zisterzienser-Kloster Heisterbach gegangen. Doch dann weitete sich das Interesse aus und wurde zum kulturhistorisch und kirchengeschichtlich bedeutsamen Hobby. Heute verfügt Pastor Hambüchen in seinem Ordenstrachtenmuseum im Pilgerheim ,"St. Lukas" über eine Sammlung von annähernd 500 Trachten in Miniatur aus rund 50 Ländern. Pfarrer Hambüchen hofft, die Zahl 600 noch zu erreichen, um die Vielfalt der unterschiedlichen Ordensberufungen noch deutlicher zeigen zu können. Wie er uns mitteilte, möchte er dann einen Katalog herausgeben.

Angesprochen auf sein hohes Alter fragten wir den ältesten aktiven Pfarrer der Erzdiözese, ob er denn noch nicht bald an den doch wohl sicherlich wohlverdienten Ruhestand denke. „Dran denken tue ich schon, aber ein Termin liegt noch nicht fest", sagte der Jubilar und sprach auf den Nachwuchsmangel im Priesterberuf an. So lang ihm Gott noch die geistige und körperliche Kraft gibt, wird er weiter arbeiten als Seelsorger im Weinberge des Herrn."

HANS LAHR

Quelle
Kirchenzeitung für das Erzbistum Nr. 33-34, 13.08.1982
Zur Verfügung gestellt von
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