Aufnahme: 1978
Bundesverdienstkreuz für Schwester Fidelis
Die Siebengebirgs-Zeitung berichtete:
Die Bewohner des Pilgerheimes "St. Lukas" versammelten sich im Speisesaal des Hauses, um bei der Überreichung des Bundesverdienstkreuzes an Schwester Oberin Fidelis dabeizusein.
Die Überreichung nahm die stellvertretende Landrätin, Dr. med. Brigitte Penner, vor. Infolge ihrer hauptberuflichen Tätigkeit als Ärztin begann die Feierstunde allerdings mit einer Verspätung von 45 Minuten. Sie war noch zu einem dringenden Fall gerufen worden.
Der Bundespräsident hat der Schwester Oberin Fidelis, mit bürgerlichem Namen Maria Gockel, in Anerkennung ihrer besonderen Verdienste um die Allgemeinheit das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Landrätin Dr. Penner betonte, daß es für sie eine schöne und ehrenvolle Aufgabe sei, diese Auszeichnung überreichen zu dürfen.
In der Laudatio heißt es: „Als Schwester Fidelis trat Maria Gockel im Jahre 1939 in die `Kongregation der Schwestern vom göttlichen Kinderfreund´ ein. Zwei Jahre später legte sie ihr Gelübde ab. Während des Krieges widmete sich Schwester Fidelis mit all ihrer Kraft der Betreuung der Kinder und Jugendlichen. In ganz besonderer Weise kümmerte sie sich um lernbehinderte Mädchen, die ebenfalls von der Kongregation betreut wurden.
Im Jahre 1952 übernahm Schwester Fidelis die Leitung des von Pfarrer Heinrich Hambüchen gegründeten Pilgerheimes St. Lukas in Ittenbach. Ein Heim, das sich insbesondere die Betreuung und Pflege alter Menschen zur Aufgabe gemacht hat. In all den Jahren ihrer Tätigkeit als Leiterin des Pilgerheimes hat sich Schwester Fidelis durch ihr vorbildliches und selbstloses Engagement bei der Pflege alter, kranker und körperbehinderter Menschen ausgezeichnet. Dabei muß insbesondere ihr beispielhafter Gemeinsinn, ihre unermüdliche Tatkraft und ihre stete Opferbereitschaft im Dienste der hilfsbedürftigen Mitmenschen hervorgehoben werden. Auch Schwester Fidelis, deren Verdienste heute mit der Verleihung des Verdienstkreuzes ihre Anerkennung finden, ist eine der Ordensfrauen, denen der Dienst am Mitmenschen nicht Beruf ist, sondern Berufung.
Ihr Arbeitstag wurde nicht von der Uhr geregelt, sondern ist einzig und allein bestimmt von der Erfüllung der schweren Aufgabe, die sie sich als Lebensinhalt erwählte. Das Lebenswerk von Schwester Fidelis hat in ihrem Wirkungsbereich hohe Anerkennung gefunden."
Die Anregung zu der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes kam von Bürgermeisterin Margarethe Hiersemenzel, die der Feier ebenso beiwohnte, wie Bürgermeister Hank, Stadtdirektor Schmitz, Prälat Dr. Paul Wolf und Professor Dr. Stasiewski. Frau Dr. Penner überbrachte gleichzeitig die Glückwünsche des Ministerpräsidenten Heinz Kühn und des Ministers für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW sowie des Regierungspräsidenten.
Die Verleihungsurkunde hat folgenden Wortlaut: „In Anerkennung der um Volk und Staat erworbenen besonderen Verdienste verleihe ich der Schwester Fidelis das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, gezeichnet Scheel."
Bürgermeister Hank überreichte im Namen des Rates und der Stadt einen Blumenstrauß. Er betonte, daß es eine gute Sache sei, wenn die Verdienste Einzelner um die Allgemeinheit für die Mitbürgerinnen und Mitbürger in der Auszeichnung durch das Bundesverdienstkreuz ihre sichtbare Anerkennung finden. Ganz besonders freue er sich, betonte der Bürgermeister, daß nunmehr in der Stadt Königswinter seit 1969 52 Personen Träger des Bundesverdienstkreuzes sind.
Hank sprach Schwester Fidelis den Dank für 25jährige Tätigkeit im Dienste an alten und hilfsbedürftigen Menschen aus.
Schwester Mechthild überbrachte die Glückwünsche des Mutterhauses und Eleonore Badorf gratulierte im Namen der Pilgerheimbewohner zu der hohen Auszeichnung und überreichte ein Geschenk. Pfarrer Hambüchen sprach die Glückwünsche der katholischen Pfarrgemeinde aus und dankte ebenfalls für ein Vierteljahrhundert treue Dienerschaft im Sinne der Kirche. "Wenn in der Küche die Schwester fehlte, Schwester Fidelis sprang ein, wenn in der Waschküche die Schwester fehlte, Schwester Fidelis war zur Stelle und wenn bei schönem Wetter die Gartenschwester nicht da war, dann sah man Schwester Fidelis die Gartenarbeit verrichten. Schwester Fidelis war im Hause die Dienerin Aller."
Mit vor Freude tränenerstickter Stimme ob all der Ehrungen, die sie nicht erwartet hatte, sprach die Ausgezeichnete Worte des Dankes und erklärte, daß eine frühere Mitschwester ihr in einem Glückwunschtelegramm geschrieben habe, daß es auch noch ein Kreuz gebe, zu dem man gratulieren könne.
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