Gelungene Veranstaltungen des Ittenbacher Bläserkorps

Aufnahme: 1972

Gelungene Veranstaltungen des Ittenbacher Bläserkorps

Unter dieser Überschrift berichtete die Siebengebirgs-Zeitung mit zwei Artikeln:

In voller Besetzung spielte zur Eröffnung des Konzertes das Ittenbacher Bläsercorps vor ausverkauftem Hause den Kronprinz Marsch von Brussig und führte sich besonders im gespielten Tutti bei den Besuchern gut ein. Danach begrüßte der erste Vorsitzende, Franz Dahm, sämtliche Gäste, u. a. Frau Rektorin Köster, Herrn Oberlehrer Bollig, den Vertreter der örtlichen Polizei, Herrn von Spitzhack, Herrn Ludwig Leven, die Presse, sowie Herrn Peter Siebertz, Besitzer der „Alten Post", und bedankte sich dabei für die Bereitstellung des Saales. Weiter wurden die Ortsvereine begrüßt und nicht zuletzt der Kirchenchor Cäcilia", wobei Herr Dahm erwähnte, daß es endlich gelungen sei, erstmalig gemeinsam der Frau Musica zu huldigen. Er schloß mit dem Wunsche, dieser heutige Abend möge dazu beitragen, Allen viel Freude zu bereiten und damit das musikalische Band weiter zu festigen. Anschließend übernahm der Geschäftsführer des Bläsercorps, Herr Joachim Bungart, die Ansage und die Führung durch das Programm, teils in recht humorvoller und anschaulicher Weise. So hatte man dem Konzert im ersten Teil eine ernste Note und im zweiten Teil eine leicht beschwingte Musik zu Grunde gelegt.

Als erster Ohrenschmaus, und dabei lernte man das Bläsercorps von einer ganz anderen Seite kennen, wurde von Gluck „Die Freudenklänge" geboten. Man war allgemein sichtlich erstaunt, besonders derjenige, der die geheimen Schwierigkeiten dieses Satzes kennt, wie diszipliniert die Einsätze, die Pianos und wie sauber in den höheren Lagen (Hörner und Trompeten) von allen Bläsern gemeistert wurden. Auch verstand es diese Spielgemeinschaft die „Hymne, Hoch über dir" von Mozart dieser Part ist eigentlich für großes Orchester geschrieben den Charakter der mozartlichen Musik in ihrer Feinheit und Differenziertheit mit ihren nicht leichten Übergängen in Moll zu wahren. Der Kirchenchor „Cäcilia" von Ittenbach brachte unter Begleitung des Bläsercorps „Jauchzet dem Herrn alle Welt" von Thiel unter der Stabführung des Dirigenten, Herrn Josef Block, zum Vortrag. Ein dankbares Chorwerk, gut gesungen mit einer sauberen Einfühlung aller Bläser. Im a capella-Gesang wurden den Zuhörern noch zwei Werke „Lobgesang“ von Beethoven und „Lobt Gott getrost mit Singen" von Gumpelsheimer dargebracht. Hier sei nur am Rande erwähnt, daß diesem begabten und fleißigen Chor einige Männerstimmen fehlen. Hoffentlich wird dieses Auftreten dazu beitragen, wenn sich sangesfreudige Männer dieser Singgemeinschaft anschließen.

Als Schluß des ersten Teils stand der Koburger Marsch auf dem Programm. Hier zeigte sich der rührige Kapellmeister, Willi Halm, von erfarener Musikalität. Gerade dieser Marsch wurde in der traditionellen, langsamen Gangart geblasen, wobei das Tutti wohl kaum ausgeprägter vorgetragen werden konnte.

Nach der Pause war das Bläsercorps aber in seinem Element. Dies war sichtlich und hörbar allein durch den starken Applaus der Zuhörer. Hier wurde frisch und manchmal frech Salonmusik geboten, so daß man fast der Annahme sein konnte, hier seien nur "Profis" am Werk. Ob da Walzerklänge oder Jägerlieder in Potpourriform alle erfreuten, immer waren die Besucher mit dabei. Es mußte zwangsläufig zu Zugaben kommen und damit wurde nicht gegeizt. Selbst der Kirchenchor "Cäcilia" schaltete sich mit zwei weltlichen Liedern ein und trug dazu bei, dem zweiten Teil den betont fröhlichen, musikalischen Rahmen zu geben. Wem aber soll man danken: Es waren die Musikanten mit ihrem Willi Halm, die vielen unsichtbaren und sichtbaren Helfer, die alle Leistungen vollbrachten, die im entferntesten niemand erwartet hätte. Aber wer von diesen Dingen nur ein klein wenig versteht, welche Arbeit dahinter steckt weiß diese zu würdigen und schätzen.

In einem weiteren Artikel wird über das Fest-Hochamt zu Ehren des Bläsercorps berichtet:

Am Sonntagmorgen wurde zu Ehren des Ittenbacher Bläsercorps in der Pfarrkirche in Ittenbach ein Fest-Hochamt gehalten. Es war wohl das erste mal, daß die musikalische Untermalung durch die Orgel fehlte. Hier übernahm, aufgestellt vor dem Hochaltar, das Bläsercorps die gesamte musikalische Gestaltung des Gottesdienstes. Mit welcher Reinheit und die Akustik ist in diesem Gotteshaus ausgezeichnet u. a. Die Himmel rühmen, das Sanktus, die Deutsche Messe und des Schäfers Sonntagslied vorgetragen wurde, konnte nur der ermessen, der an diesem Hochamt teilgenommen hatte. Das Gotteshaus war fast klein, um alle Gläubigen an diesem Erlebnis und der damit zum Ausdruck gebrachten gottesfürchtigen Musik teilhaftig werden zu lassen. Der Pfarrherr, der erzbischöfliche Rat, Herr Pastor Hambüchen, zeigte dies besonders in seiner Predigt auf: „Religion ohne Musik gibt es nicht und Musik ohne Religion gibt es auch nicht. Und zu diesem hat sich das Ittenbacher Bläsercorps immer bekannt.“

Anschließend nach dem Hochamt ging es unter Vorantritt des Bläsercorps zum Festplatz-Schulhof. Der übliche Frühschoppen konnte beginnen. Was aber dort vorbereitet wurde von den Männern des Bläsercorps war einmalig. Und dazu hatten sich für den Nachmittag zum Auftakt des Kinderfestes der Gesangverein „Eintracht“ Ittenbach, und der Jägerstammtisch Ittenbach mit seinen Mitgliedern freiwillig angeboten, ihren Teil dazu beizutragen, um diesem Vorhaben zu einem wirklichen Gelingen zu verhelfen. Und es war ein gelungenes Fest. Diese Uneigennützigkeit, diese Hilfe, diese Spenden und die ausgedachten Ideen waren nicht zu übertreffen. Sogar Heisterbacherrott schickte seine „Bergklänge", und die „Bläserfreunde" von Niederdollendorf waren mit von der Partie. Diese beiden Kapellen wetteiferten in ihren musikalischen Beiträgen. Und dies alles umsonst für die vielen Großen und Kleinen.

Für alles war gesorgt. Im Ausschank gab es alle Getränke. Am Grill sorgten die Koteletts, die Hähnchen und Bratwürstchen für das leibliche Wohl. Ein Glücksrad stand bereit. Die Geschicklichkeit wurde beim Nägeleinschlagen geprüft. Wer sich sportlich betätigen wollte, durfte dem Fußball seine Fußspitze zeigen. Ja, das Reiten auf den Ponys und das Kutschenwagenfahren begeisterte immer wieder die Kleinen. Selbst der Schießstand war den ganzen Tag belagert. Und alle Kleinen nahmen einen Preis mit. Dazu war der Schießstand mit den Trophäen der einheimischen Wildarten aus dem Siebengebirge geschmückt. Und ganz zum Schluß wurde mit hellem Jauchzen das Ballonsteigen aufgenommen. Wohl jedes Kind und auch jeder Erwachsene ist auf seine Kosten gekommen. Dies zeigten alle die frohen Gesichter, die auf dem Festplatz waren.

Wirklich ein gelungenes Fest und Kinderfest, wie man es sich schöner und dann bei diesem Wetter nicht denken konnte. Dies aber geschah alles nur durch die freiwillige Zusammenarbeit der Vereine und der vielen Helfer. Möge dieser erste Auftakt ein Ansporn für das Ittenbacher Bläsercorps zum nächsten Jahr werden. FWB

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 35 vom 25.08.1972
Zur Verfügung gestellt von
Paul Winterscheidt
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