Aufnahme: 1946 (ca.)

Werdegang des Pilgerheim St. Lukas

Die Siebengebirgs-Zeitung berichtete:

"Am Ende des zweiten Weltkrieges war das Haus des Herrn Langenfeld fast vollständig vernichtet worden. Nur die Grundmauern standen noch, wie das untere Bild zeigt. Pfarrer Hambüchen erwarb das Grundstück und ließ aus den Trümmern zum Andenken an seine verstorbene Mutter ein Heim für alle obdachlosen Menschen erbauen. Die Verwirklichung des Baues war infolge der Knappheit des Materials und der Geldentwertung mit großen Schwierigkeiten verbunden. Aber Pfarrer Hambüchen ließ sich nicht entmutigen, und dank seines felsenfesten Gottvertrauens und seiner unermüdlichen Tatkraft wurde das Haus - begonnen 1948 - im Jahre 1950 vollendet.
Frau Elisabeth Herpertz, die gewiß noch vielen durch die Bücherausgabe der Borromäusbibliothek bekannt ist, bezog als erste Obdachlose das Heim. Ihr folgten bald andere ausgebombte Insassen, die alle froh und dankbar waren, wieder menschenwürdig leben zu können. Die Leitung unterstand Pfarrer Hambüchen und seiner Schwester, Frau Ostwald, die durch Helferinnen unterstützt wurden. Personalmangel veranlaßte Pfarrer Hambüchen, die Betreuung des Heimes Schwestern zu übergeben. Durch seine Initiative war es ihm geglückt, Schwestern "Vom göttlichen Kinderfreund" für diese Aufgabe zu gewinnen, deren Mutterhaus sich in Bredenscheid bei Hattingen befindet. Am 1. September 1952 übernahmen 2 Schwestern unter Leitung von Schwester Fidelis, die noch jetzt Oberin ist, das Altersheim, das vom Gründer den Namen Pilgerheim St. Lukas erhalten hatte.
Große Nachfrage betreffs Unterkunft sowie der sehnliche Wunsch des Initiators, dem Heim eine Kapelle zu errichten, waren Veranlassung, den Bau in den Jahren 1961/62 zu erweitern. Die noch fehlenden Wirtschaftsräume wurden angeschlossen, dazu der von den alten Leuten froh begrüßte Personenaufzug 1967 eingebaut, für den Frau Wilhelmine Lübke, die Gemahlin des damaligen Bundespräsidenten, eine ansehnliche Beihilfe spendete. Mit ihrem unerwarteten Besuch beehrte sie das Heim uhd besichtigte verschiedene Zimmer, deren Bewohner sich über diese Ehre freuten. Von der Kreisverwaltung Siegburg erhielt das Heim ebenfalls eine angemessene Unterstützung.
Zur Zeit beherbergt das Pilgerheim 22 Leute aus der näheren und weiteren Umgebung; die jüngste Insassin ist 53 Jahre, die älteste 94 Jahre alt. Alle begrüßten es sehr, daß ihnen die Möglichkeit gegeben ist, ihre eigenen Möbel mitzubringen. Dadurch umweht sie der Hauch der Heimat, und ein jeder kann nach seinem Geschmack das Zimmer einrichten. Wohltuend empfinden auch alle das Entgegenkommen des Hauses in der Tatsache, daß sämtliche Mahlzeiten auf den einzelnen Zimmern serviert werden. Das trägt mit zur Geborgenheit bei, weil jeder es sich nach eigenem Ermessen bequem und gemütlich machen kann.
Im Eingang des Hauses hängt folgender Spruch: "Mütter tragen ihre Kinder durch den Morgen, Kinder sollten ihre Mütter durch den Abend tragen." Diese sinnreichen Worte sind Symbole für die Gestaltung des Lebensabends des alternden Menschen, deren Tage hier erleichtert und verschönert werden sollen. Dankbar wird das von allen empfunden und, soweit das möglich ist, durch Betätigung im Hause und Hilfe untereinander zum Ausdruck gebracht. Zu erwähnen sind noch die gemeinsamen Zusammenkünfte am Gedenktag des Einweihungstages der Kapelle, am Lukas- und Nikolaustag sowie an Weihnachten, die festlich im großen Saal gestaltet werden und allen große Freude bereiten. Zwei goldene Hochzeiten wurden schon gefeiert. Laut Statistik fanden 80 Personen in der Zeit von 1950 bis 1970 Unterkunft im Heim. Die Bewohner des Hauses sind Pfarrer Hambüchen dankbar, daß er eine Heimstatt gegründet hat, die alten Menschen Geborgenheit und Ruhe bietet und die durch die Malkunst seiner verstorbenen Schwester Coelestine in hervorragender Weise verschönert und ausgeschmückt worden ist: in der Kapelle mit den symbolischen Fenstern, den prächtigen Ikonen, der anschaulichen Vater-unser-Serie und im Festsaal und anderen Räumen mit herrlichen Gemälden."

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 47 vom 27.11.1970
Zur Verfügung gestellt von
Friedrich Müller (Scan)
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