Aufnahme: 1937
Kinderkommunion anno dazumal
1937 war Kinderkommunion ein bedeutendes und für die Eltern auch aufwändiges Familienfest. Zuerst musste das Kommunionkind eingekleidet werden. Die Bekleidung musste völlig neu sein, weil diese, anders als eine normale Bekleidung, traditionell und speziell dem Stil einer Marineuniform ähnlich sein sollte. Diese Art sich zu kleiden nötigt uns derzeit ein Lächeln und Kopfschütteln ab. Es liegt nahe anzunehmen, dass diese Marotte aus der Zeit von Kaiser Wilhelm II stammt. Dieser hatte sich, seinem großen Geltungsbedürfnis entsprechend, eine völlig überzogen große Marineflotte wie ein Spielzeug zugelegt. Zu seinem Nachteil hatte Wilhelm das Pech, dass der linke Arm von Geburt an stark verkürzt war. Seine Großmutter Victoria, die Königin von England, sah das als unverzeihlich schweren Makel an und hatte ihn deshalb einmal „Krüppel“ genannt. Der Makel wurde, so gut es ging, versteckt. Man kann sich vorstellen, dass der geschmähte Enkel bestrebt war, sein Ansehen durch eine Großtat, wie es das Anschaffen einer Marineflotte darstellte, mächtig zu steigern. Er bekleidete sich mit einer Marine-Uniform und brachte längere Zeit bei seinem „Spielzeug“ zu. Dabei ließ er sich natürlich oft fotografieren. Bei seinem Volk wertete die „Großtat“ ihren „Herrscher von Gottes Gnaden“ himmelhoch auf. Was lag da näher, als Kindern zu einem hohen, hehren Festtag wie der Erstkommunion eine diesem Anlass würdige Bekleidung zu besorgen. Das bekannte „Wir-Gefühl“ gestattete es allen Deutschen unter die kaiserliche Gloriole zu schlüpfen, um damit das Image aufzuwerten.
Die Kinderkommunion des Bruders Hans-Rolf
Meine Eltern hatten ihrem Sohn nicht die zumeist gewählte Matrosenuniform mit dem auffällig großen Kragen angeschafft, sondern die schlichter gehaltene Ausgeh-Uniformjacke in marine-blau gewählt, die bei der Marine „Culani“ genannt wurde. An dem Kommunionstag meines Bruders erschienen alle Verwandten und blieben von morgens bis spät abends. Sie wurden auch üppig bewirtet: Mittags gab es Rindfleischsuppe mit Markklößchen, Erbsen und Möhrchen, Rinderbraten mit Kartoffeln sowie Pudding. Alkoholische Getränke sorgten für gelöste Stimmung (es gab keine Autofahrer). Die Gäste aus Honnef gingen nachts zu Fuß nach Hause, und die aus Köln und Düsseldorf übernachteten in den damals reichlich vorhandenen Fremdenpensionen. Das Kommunionkind wurde insbesondere von den Paten beschenkt. Das Patengeschenk war oftmals eine Uhr. Am nächsten Tag war die Teilnahme an einer „Dankmesse“ angesagt und am Nachmittag gratulierten die Nachbarn.
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